Bombenstimmung in der Berliner Republik
Montag, 22. November 2010-17:26 -|- Eingestellt von: Julie |
Von El Patio | 0815 Info | – Nachdem unser Innenminister de Maizière in der vergangenen Woche wieder einmal den Terroralarm ausgelöst hat, überschlägt sich die politische Elite der Nation, kräftig unterstützt von unserem Mainstream, mit Appellen an den Bürger zur erhöhten Wachsamkeit und mit Schlagzeilen versprechenden Spekulationen über mögliche Anschlagsziele.
Der Denunziant mutiert dieser Tage zum vorbildlichen Staatsbürger und der Blockwart feiert seine Auferstehung. „Seltsam aussehende Menschen", sind der Polizei ab sofort als verdächtig zu melden, denn es ist eine neue Situation eingetreten: „So hoch, so konkret war die Terrorgefahr in Deutschland noch nie“, fabuliert der SPIEGEL.
Es steht ein Sturmangriff auf das Herz der Demokratie bevor: Islamisten planen nach SPIEGEL-Informationen angeblich einen Anschlag auf den Reichstag. Dabei sollen Geiseln genommen und möglichst viele Menschen getötet werden. Zwei mutmaßliche Terroristen sind bereits in Berlin eingereist und fremdländische Käufer von Teppichmesser sind demnächst sofort der nächsten Polizeidienststelle zu melden.
Traumaforscher und Kriminalpsychologen überschlagen sich im abendlichen Infotainment mit Ratschlägen und mahnen die Politik und die Bevölkerung zu einem „maßvollen Umgang“ mit dem Szenario der Angst. Wir müssen lernen, so ihre wohlfeile Erkenntnis, mit den schwer bewaffneten Sicherheitskräften, die an den so genannten neuralgischen Punkten unserer Städte patrouillieren und die dafür sorgen sollen, dass sich unter den friedlich bummelnden Passanten keine „rasende Aufgescheuchtheit“ verbreitet, zu leben und wir sollen die Ruhe bewahren, damit sich bei den Fahrgästen der Bundesbahn und auf den Flughäfen keine „fiebrige Hysterie“ einstellt, wenn da mal wieder einer seine Plastiktüte falsch entsorgt hat.
Es kann einem Himmelangst werden! Nicht vor den dschihadistischen Terroristen, ihren Sympathisanten und ihren potentiellen Propagandisten in den Medien, sondern vor einem Staat, der bewusst die Terrorangst schürt, damit seine Repräsentanten die Sicherheitsgesetze noch weiter verschärfen können, damit sie den Einsatz der Bundeswehr im Inneren der Republik, als neu formierte mobile Eingreiftruppe, verabschieden können und damit sie die Vorratsdatenspeicherung endlich durch das Parlament bekommen.
Wir erleben den Versuch, die Krise des Verfassungsstaates in unseren postdemokratischen Zeiten, mit dem Gespenst eines internationalen Terrorismus zu kaschieren und Handlungsfähigkeit vor zu täuschen. Denn auch diese Krise, die hat längst in den Köpfen derer begonnen, denen als Antwort auf das Zusammenbrechen des internationalen Finanzcasinos nur noch die Angst vor dem Terrorismus einfällt, die den Ausweg nur noch in der weiteren Selbstdemontage dieser einst demokratischen Gesellschaft sehen.
Aber unser Grundgesetz ordnet die Wirtschaftsform den Grundrechten unter und das bestimmt eben genau KEINE bestimmte Art der „ökonomischen Verhältnisse“, sondern es lässt hier in Art. 14 und 15 bewusst Offenheit zu. Nach dem Grundgesetz kommt es dabei einzig auf die Würde des Menschen an und darauf, dass dieser Bundesstaat sozial ausgerichtet ist und diese Artikel sind eigentlich nicht einmal mit einer Zweidrittelmehrheit zu kippen. Eigentlich.
Der Koffer, der für die Bombenstimmung in der Berliner Republik sorgte, soll ein „Realtestkoffer“ aus den USA, dessen Sprengsatz-Dummy eine 80-jährige Großmutter verdrahtet hat, gewesen sein und von dem will unser Innenminister nicht einmal ausschließen, dass er möglicherweise von den deutschen Sicherheitsbehörden selbst platziert wurde.
Im Schatten der Finanzkrise vollzieht sich so der Umbau der westlichen Gesellschaften in Überwachungs– und Polizeistaaten. Aber eine Demokratie lässt sich nur mit Demokaten verteidigen und eben nicht mit Waffen. Und Frieden, den können diese, ihr christlich– jüdisches Kulturerbe wie eine Monstranz vor sich herschleppenden Gesellschaften, auch nur mit ihren Feinden schließen.
Da aber 90 Prozent aller Kriege ihre Ursache in erster Linie in der ungleichen Verteilung des Reichtums auf der Erde haben und die Kriegsgründe eben nicht, wie unsere Massenmedien uns ständig einreden wollen, im religiösen oder ethnischen Umfeld liegen, würden jetzt schon 20% des weltweiten Rüstungsetats ausreichen, um dem Frieden eine Chance zu geben.
Der „Kampf der Kulturen“ ist ein Kolonialisierungsinstrument, damit werden Konflikte künstlich geschürt und instrumentalisiert um danach den Einsatz der internationalen Eingreiftruppen und der Söldnerheere zur Absicherung des globalen Ressourcendiebstahls durch die westlichen Industrienationen zu ermöglichen und zu legitimieren.
Auf der Erde werden derzeit jährlich ca. 1.000 Milliarden Euro für Rüstung ausgegeben. Davon entfallen, je nach Rechnung, zwischen 42 und 46 Prozent allein auf die USA. Aber auch die Europäische Union der 25 holt fleißig weiter auf und bestreitet inzwischen fast 20 Prozent der weltweiten Militärausgaben. Erinnern sie sich noch an die von unseren Politikern versprochene Friedensdividende nach dem Ende des „Kalten Krieges“ und dem Fall der Mauer? Was folgte, war ein weiterer Abbau des Sozialstaates, war die Schaffung neuer Feindbilder, waren neue Kriege, nur jetzt durften wir, als Bundesbürger, auch endlich wieder mit morden.
Für die Deckung der sozialen Grunddienste (bspw. Grundbildung, Gesundheitsdienst, Wasserversorgung) und das für ALLE auf diesen Planeten lebenden Menschen, da veranschlagt die UNO, die — gegen diesen Rüstungswahnsinn zur Absicherung der westlichen HERRschaft — schon fast läppisch erscheinende Summe, von nur etwa 175 Milliarden Euro. Das ist weniger, als für die Rettung der Banken und damit des Vermögens der herrschenden 10% der Weltbevölkerung ausgegeben wurde, das entspricht nicht einmal 20% der globalen Rüstungsetats.
Und mit den anderen 80% des Geldes, da könnte man locker einen Sozialstaat verwirklichen, in dem nicht die Pflege alter und kranker Menschen, die Bildung und Ausbildung und die Aufrechterhaltung einer kommunalen Infrastruktur ständig irgendwelchen Sachzwängen geopfert werden muss und indem nicht permanent ein neues Feindbild kreiert werden muss.
Es ist eben nicht „die Wirklichkeit“, die dem „Wollen" einer Bevölkerung Grenzen setzt, sondern es ist das, was dieser Bevölkerung von ihrer Bewusstseinsindustrie als Wirklichkeit verkauft wird. Das bestimmt den Erfahrungshorizont der Bürger eines Staates und es ist diese Wirklichkeit, die es gilt zur Absicherung von HERRschaft „Kultur prägend" im Denken der Untertanen zu zementieren und sei es mit Großmutters Bomben-Attrappen.
© El Patio
Quelle: 0815 Info
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