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Das Triumfeminat – Angela Merkel, Friede Springer, Liz Mohn

Samstag, 29. Januar 2011-9:44 -|- Eingestellt von: |

Von Wolf­gang Lieb | Nach­Denk­Seiten | — In Richard Wag­ners „Göt­ter­däm­me­rung“ nehmen die „Nornen“ eine wich­tige Rolle ein, sie ver­künden das nahe Ende der Götter. Nornen sind in der nor­di­schen Mytho­logie drei schick­sal­be­stim­mende Frauen. Sie heißen Urd (das Gewor­dene), Ver­dandi (das Wer­dende) und Skuld (das Werden– sol­lende). An diesen Mythos könnte man denken, wenn man an die das Schicksal Deutsch­lands wesent­lich spin­nenden Frauen Liz Mohn, Friede Springer und Angela Merkel denkt.

Die Haupterbin Axel Sprin­gers und mäch­tigste Medi­en­frau Deutsch­lands, Friede Springer, als die Sach­wal­terin des „Gewor­denen“, die Matri­ar­chin des Ber­tels­mann Kon­zerns und ihrer Stif­tung, Liz Mohn, als die Faden­spin­nerin des „Wer­den­sol­lenden“ und Angela Merkel als Ver­ant­wort­liche für das „Werdende“.

Jeden­falls gehören diese drei Damen zu den ein­fluss­reichsten Macht­trä­ge­rinnen in Deutsch­land – man könnte gera­dezu von einem Tri­um­fe­minat spre­chen. Sie sind eng mit­ein­ander befreundet. Man spricht sogar von regel­mä­ßigen gemein­samen Kaffee– kränz­chen im Kanzleramt.

Selbst der Regie­rungs­spre­cher bestä­tigte, dass die Kanz­lerin eine „sehr enge, ver– trau­ens­volle Bezie­hung zur Familie Mohn“ habe. Liz Mohn steht sozu­sagen für das „Wer­den­sol­lende“: Mit ihrer Ber­tels­mann Stif­tung steht sie der Kanz­lerin mit allen Hand­rei­chungen für die poli­ti­sche Gestal­tung der wirt­schafts­li­beral glo­ba­li­sierten Welt stets zur Ver­fü­gung. Und mit der Medi­en­macht des Ber­tels­mann Kon­zerns hilft sie, dass etwa die Kon­zepte des „über­dehnten Sozi­al­staates“ oder der „Über­al­te­rung“ der Gesell­schaft auch zur herr­schenden Mei­nung gemacht werden.

Friede Springer wie­derum war nicht nur auf der Wahl­frau­en­liste der CDU bei den letzten Bun­des­prä­si­den­ten­wahlen, sie saß auch (neben Sabine Chris­ti­ansen, einer Kanzlerinnen-​Talkerin) applau­die­rend auf der Gäs­te­tri­büne des Bun­des­tages als Angela Merkel zur Kanz­lerin gewählt wurde. Da war end­lich geschafft, was ihre Zei­tungen lange vor­be­reitet hatten.

Vier FrauenDie Kanz­lerin weiß jeden­falls was sie an Friede Springer hat. Das kann sie eini­ger­maßen regel­mäßig in den Springer-​Zeitungen „Bild“ und „Welt“ nach­lesen. Dort wird „das Gewor– dene“, also die aktu­elle Politik der Kanz­lerin, mit größt­mög­li­chem Wohl­wollen begleitet.

Mit mäch­tigen Bal­ken­schlag­zeilen wurde Angela Merkel etwa als „mäch­tigste Frau der Welt“ gerühmt und auch sonst kann die Kanz­lerin auf die Springer-​Zeitungen zählen – z.B. wenn es gegen Grie­chen­land geht. Mehr Hof­be­richt­er­stat­tung geht kaum noch.

Diese „ver­trau­ens­volle Bezie­hung“ zwi­schen Angela Merkel und Friede Springer schoss mir durch den Kopf als ich letzte Woche die täg­liche Bild-​Zeitung und Bild am Sonntag las.

Wie kam es plötz­lich zu den fetten Über­schriften „So starb die Gorch-​Fock-​Matrosin“ oder „Minister Lieb­ling im Sturm“?

Und warum kon­fron­tierte gerade dieses mei­nungs­mäch­tige Boulevard-​Blatt seine Leser mit „Ekel-​Ritualen“ in der Bun­des­wehr oder mit dem Zitat, die Gorch-​Fock sei „der größte schwim­mende Puff Deutschlands“?

Hat mit sol­chen Titeln nicht gerade die Bild-​Zeitung dem Ver­tei­di­gungs­mi­nister, Deutsch­lands mit Abstand „belieb­testen Poli­tiker“, einen kräf­tigen Schuss vor den Bug gegeben? Und das nachdem sie die Gut­ten­bergs mona­te­lang mit einem Poster nach dem anderen zu Stars hoch­ge­schrieben hat. Warum hetzte gerade diese Springer-​Zeitung wieder einmal die Medi­en­meute auf zu Guttenberg?

Wie ist diese (wohl kurz­fris­tige) Attacke der Bild-​Zeitung auf Deutsch­lands „Lieb­ling“ zu erklären? Warum wollte man ihm einen kleinen Kratzer im Lack verpassen?

Könnte da viel­leicht Angela Merkel im (natür­lich) gepflegten Plausch mit Friede Sprin– ger dezent die Frage ange­deutet haben, was die Blätter ihres Ver­lags eigent­lich für ein Ziel damit ver­folgten, wenn sie ihr, der Kanz­lerin, einen läs­tigen Kon­kur­renten hoch– schreiben? Und könnte viel­leicht Friede Springer, auf­ge­schreckt von ihrer Freundin Angela Merkel, gegen­über ihrem Con­si­gliere Mathias Döpfner, ihrem treuen Diener im Kon­zern eine zarte Andeu­tung in diese Rich­tung gemacht haben?

Und könnte dann mög­li­cher­weise der Vor­stands­vor­sit­zende der Axel Springer AG bei einer Tasse Kaffee mit den Chef­re­dak­teuren von Bild und Bild am Sonntag so ganz nebenbei eine Bemer­kung fallen gelassen haben, dass die Vor­fälle bei der Bundes– wehr doch nicht so ganz koscher seien und zu Gut­ten­berg schon mal eine bes­sere Figur abge­geben habe?

Nein, so lief das natür­lich nicht ab. Das könnte ja nur der wirren Phan­tasie eines Ver– schwö­rungs­theo­re­ti­kers ent­sprungen sein. Aber eines ist jeden­falls sicher, das Trium– feminat hält, jeden­falls noch, zusammen.

Und Angela Merkel kann sich auf Friede Springer und Liz Mohn ver­lassen, solange die Kanz­lerin das „Wer­dende“ im Sinne des „Gewor­denen“ (im Sinne der Springer-​Zeitun– gen) und des „Wer­den­sol­lenden“ (im Sinne der Bertelsmann-​Stiftung) weiterspinnt.

Wenn nicht, dann drohte der Kanz­lerin aller­dings die Götterdämmerung.

Quelle: Nach­Denk­Seiten

Bild Quelle: stern​.de

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