QR Code Business Card

Drohung mit Krieg: Israel warnt vor Anerkennung von Palästinenserstaat

Samstag, 09. April 2011-9:18 -|- Eingestellt von: |

Von Mel Fryk­berg, Ramallah, IPS | junge Welt | — Israel hat dem UN-​Sicherheitsrat und der EU mit »uni­la­te­ralen Maß­nahmen« gedroht, sollte die UN-​Vollversammlung Paläs– tina im Sep­tember zum unab­hän­gigen und sou­ve­ränen Staat erklären. Gemut­maßt wird, daß mit sol­chen Aktionen der Anschluß grö­ßerer, auf Paläs­ti­nen­ser­ge­biet gebauter israe­li­scher Sied­lungen an Israel gemeint sein dürfte.

Rund ein Dut­zend latein­ame­ri­ka­ni­scher Staaten hat Paläs­tina inzwi­schen als unab– hän­gigen Staat aner­kannt. Den Anfang machten Kuba, Nica­ragua, Costa Rica und Vene­zuela, in den letzten Monaten folgten Bra­si­lien, Argenti­nien, Boli­vien, Chile, Ecuador, Guyana, Peru, Para­guay und Uru­guay. Dagegen for­derte das israe­li­sche Außen­mi­nis­te­rium seine Bot­schaften in mehr als 30 Län­dern auf, dort auf mög­lichst hoher Ebene gegen die Bemü­hungen um eine inter­na­tio­nale Aner­ken­nung Paläs­tinas durch die UN-​Vollversammlung im Sep­tember zu protestieren.

Nor­wegen hat indes das Büro des paläs­ti­nen­si­schen Reprä­sen­tanten in Oslo von einer all­ge­meinen zu einer diplo­ma­ti­schen Dele­ga­tion erhöht. Dar­über hinaus wer­teten in den ver­gan­genen vier Monaten etliche Länder ein­schließ­lich der USA, gefolgt von den israe­li­schen Freun­des­län­dern Frank­reich, Spa­nien und Por­tugal, die paläs­tinen– sischen Ver­tre­tungen auf. Wei­tere 100 Staaten, in der Mehr­heit Ent­wick­lungs­länder, hatten Paläs­tina bereits nach der Unab­hän­gig­keits­er­klä­rung des dama­ligen Palästi– nen­ser­füh­rers Jassir Arafat von 1988 anerkannt.

Die latein­ame­ri­ka­ni­sche Aner­ken­nungs­welle könnte bald auch Afrika und Asien errei­chen. Ein erstes Signal kam aus Süd­afrika, wo die Uni­ver­sität von Johan­nes­burg im März die Zusam­men­ar­beit mit der israe­li­schen Ben-​Gurion-​Universität ein­stellte und sich zum Boy­kott wei­terer israe­li­scher Hoch­schulen entschloß.

Das ehe­ma­lige Apart­heid­re­gime und Israel waren einst enge Ver­bün­dete gewesen. Israel för­derte den Aufbau der für ihre Bru­ta­lität bekannten süd­afri­ka­ni­schen Sicher– heits­kräfte und unter­stützte das inzwi­schen ein­ge­stellte Atom­pro­gramm des Buren– staates. Als Gegen­leis­tung soll Süd­afrika das israe­li­sche Nukle­ar­pro­gramm mit Uran ver­sorgt haben.

Im Sep­tember letzten Jahres hatte US-​Präsident Barack Obama gegen­über der UN-​Vollversammlung erklärt, er hege den Wunsch, Paläs­tina binnen eines Jahres als neues UN-​Mitgliedsland begrüßen zu können. Israel und die Paläs­ti­nenser einigten sich darauf, ihre am 2. Sep­tember 2010 in Washington auf­ge­nom­menen Gespräche min­des­tens ein Jahr lang fortzuführen.

Paläs­tinas Minis­ter­prä­si­dent Salam Fajjad sagte bis Sep­tember 2011 den Aufbau staat­li­cher Insti­tu­tion zu.Ende März for­derte UN-​Generalsekretär Ban Ki Moon Israel auf, den Sied­lungsbau im West­jor­dan­land ein­zu­stellen und jed­wede Form der Gewalt und Pro­vo­ka­tion zu unterlassen.

Wie Ban bei einem UN-​Treffen mit latein­ame­ri­ka­ni­schen und kari­bi­schen Staaten zur Unter­stüt­zung des Nahost-​Friedensprozesses am 30. März in Uru­guay erklärte, ist die 1967 vor­ge­nom­mene israe­li­sche Besat­zung der Paläs­ti­nen­ser­ge­biete »mora­lisch und poli­tisch unhaltbar und muß zu einem Ende kommen«. Den Paläs­ti­nen­sern sprach er das legi­time Recht auf einen unab­hän­gigen und exis­tenz­fä­higen Staat zu.

Israels Ent­rüs­tung über die inter­na­tio­nale Kritik an seiner Nah­ost­po­litik erreichte am 31. März einen Höhe­punkt, als der Prä­si­dent der Paläs­ti­nen­ser­be­hörde (PA), Mahmud Abbas, Israel erneut dazu auf­rief, den Bau jüdi­scher Sied­lungen in den Palästi– nen­ser­ge­bieten ein­zu­stellen, damit die Frie­dens­ge­spräche fort­ge­setzt werden könn– ten.

Nach Ansicht von Samir Awad, Wis­sen­schaftler an der Bir-​Seit-​Universität in Ra– mallah, geht es den Israelis darum, Tat­sa­chen zu schaffen. Die inter­na­tio­nale Mei­nung sei ihnen weit­ge­hend egal, und eine Zwei­staa­ten­lö­sung liege trotz gegen­tei­liger Äuße­rungen nicht in ihrem Interesse.

Quelle: junge Welt – Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung. Dankeschön !

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » International, Krieg « | Tags » , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 1087 · heute: 2 · zuletzt: 17. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.