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“Ohne mich”

Montag, 08. August 2011-17:03 -|- Eingestellt von: |

Bun­des­wehr: Jah­res­be­richt der Jugend­of­fi­ziere feiert erfolg­reiche Schü­ler­in­dok­tri­na­tion. Lust am Dienen bleibt den­noch aus. | Von Frank Brendle | junge Welt | — Die Jugend­of­fi­ziere der Bun­des­wehr freuen sich über unge­bro­chene Nach­frage nach Auf­tritten in Schulen und werben ver­stärkt in Form mehr­tä­giger Seminare.

Nach ihrem Jah­res­be­richt für 2010, der ver­gan­gene Woche vom mili­tär­kri­ti­schen Blog »Bun­des­wehr Moni­to­ring« ver­öf­fent­licht wurde, haben sie in diesem Zeit­raum ins­ge­samt 176.862 Men­schen erreicht, dar­unter rund 151.000 Schüler und fast 15.000 Lehrer. Die Zahlen sind nur wenig nied­riger als 2009, was am bun­des­weiten Rück­gang der Schü­ler­zahlen liegen dürfte.

Ihre Auf­tritte im Unter­richt ver­schaffen der Bun­des­wehr einen klaren Vor­teil bei der Mei­nungs­bil­dung unter Jugend­li­chen. Jugend­of­fi­ziere seien häufig »die erste und scheinbar ein­zige Quelle für Infor­ma­tionen« über die Bun­des­wehr, heißt es in dem Bericht. Das wird aus­ge­nutzt: So konnten die Offi­ziere nach dem Luft­an­griff bei Kunduz, dem über 100 Men­schen zum Opfer gefallen waren, gegen »nega­tive Ein­schät­zungen« des Afghanistan-​Einsatzes vorgehen.

Diese seien »nach Vor­trägen und Berichten von Sol­daten, die im Ein­satz waren, oft über­dacht und rela­ti­viert« worden. Gene­rell bewirke der Ein­satz von Jugend­of­fi­zieren, daß Jugend­liche, die kaum über Vor­kennt­nisse ver­fügen, »schnell Ein­sicht in die Not­wen­dig­keit von Streit­kräften und deren Auf­gaben« gewönnen.

Offenbar mit Blick auf die Bericht­er­stat­tung über Gewalt­ri­tuale bei der Bun­des­wehr heißt es, per­sön­liche Schil­de­rungen des All­tags beim Militär würden helfen, die »nega­tiven Bilder« zu rela­ti­vieren, die von den Medien ver­breitet würden.

Rund 102.000 Schüler erreichte die Bun­des­wehr im Rahmen von 90minütigen Vor­trägen, etwa im Sozi­al­kun­de­un­ter­richt. Die Teil­neh­mer­zahlen bei mitt­ler­weile ver­stärkt ange­bo­tenen mehr­tä­gigen Semi­naren stiegen von rund 25.000 auf 33.000. Beson­ders beliebt ist wei­terhin die Simu­la­tion »POL§IS«, die das Aben­teuer eines Beherrsche-​die-​Welt-​Spiels mit erwünschten sicher­heits­po­li­ti­schen Lek­tionen verbindet.

Außerdem wurden 7.100 »Mul­ti­pli­ka­toren« geschult, eben­falls knapp ein Drittel mehr als im Vor­jahr, die meisten von ihnen Lehrer. Erläu­ternd heißt es, Semi­nare wirkten »nach­hal­tiger« als ein­zelne Vor­träge. Die Lan­des­schul­be­hörden werden gelobt, weil sie dem Militär »grund­sätz­lich auf­ge­schlossen und positiv« gegenüberstünden.

Pro­teste und »mediale Gegen­kam­pa­gnen« gegen den Wehr­un­ter­richt gebe es nur ver­ein­zelt. Den­noch dürfte dieser Pro­test dazu bei­tragen, daß die Jugend­of­fi­ziere wie­der­holt ihr Inter­esse daran beteuern, »gemeinsam mit mili­tär­kri­ti­schen Orga­ni­sa­tionen« in einen »offenen Dis­kurs« zu treten.

Unter­richt müsse kon­tro­vers erfolgen, damit er zu belast­baren Ein­sichten führe, heißt es dazu. Aller­dings ver­suchten die meisten Lehrer gar nicht erst, Ver­treter der Frie­dens­be­we­gung hinzuzuziehen.

Die meisten Frie­dens­gruppen lehnten dies ohnehin ab, da sie finan­ziell und per­so­nell nicht mit der Bun­des­wehr gleich­ziehen können und deren Werben an Schulen nicht noch Legi­ti­mität ver­schaffen wollen.

Wider­sprüch­lich äußert sich der Bericht über das Inter­esse von Jugend­li­chen am »Arbeit­geber« Bun­des­wehr: Einer­seits zeigten gerade Absol­venten von Haupt– und Real­schulen ein großes Inter­esse daran, ande­rer­seits sei oft­mals die Ein­stel­lung: »Bun­des­wehr ja – aber ohne mich« feststellbar.

Das, bilan­zieren die Offi­ziere, liege auch an den Berichten über hohe »Gefallenen«-Zahlen: Die Ein­stel­lung zum Sol­da­ten­beruf habe sich inso­weit gewan­delt, als er nicht mehr als gut­be­zahlter Beam­tenjob wahr­ge­nommen werde. »Der Sol­da­ten­beruf wird mit Aus­lands­ein­sätzen und Gefahr für Leib und Leben asso­zi­iert.« Dem kommt die Pro­pa­ganda nicht bei.

Quelle: junge Welt – Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung. Danke !

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