Profitmaximierung
Mittwoch, 17. August 2011-10:07 -|- Eingestellt von: Julie |
Gastkommentar: Ursachen des Hungers beseitigen. | Von Niema Movassat | junge Welt | — Das Recht auf Nahrung gehört zu den elementaren Menschenrechten. Und doch wird es so oft verletzt wie kein anderes. Bester Beweis dafür sind die zwölf Millionen Menschen, die derzeit in Ostafrika akut Hunger leiden. Einer der entscheidenden Faktoren für die Not in Somalia, Äthiopien, Kenia und Dschibuti sind die gestiegenen Lebensmittelpreise.
Das hat auch die Weltbank inzwischen erkannt. Damit hat sie der Bundesregierung und Minister Dirk Niebel schon mal eines voraus. Dem FDP-Politiker scheint bei seinem Besuch in Kenias Hauptstadt Nairobi nämlich verborgen geblieben zu sein, daß es dort Demonstrationen gegen die hohen Nahrungsmittelpreise gibt.
Die lokal produzierten Erntevorräte in den Hungerregionen in Ostafrika gingen bereits im April dieses Jahres zu Ende, woraufhin massive Preissteigerungen einsetzten. Die Preise für Mais stiegen laut Weltbank und FAO im Vergleich zum Vorjahr um 154 Prozent, die für Hirse um 240 Prozent. Fortan mangelte es auch in der schlimmsten Hungerregion im Süden Somalias weniger an Nahrung denn am Geld, um sie zu kaufen.
Preistreiber war allerdings nicht nur der Mangel aufgrund ausbleibender Ernten, denn die Nahrungsmittelmärkte dort sind keineswegs zusammengebrochen. Der grenzüberschreitende Handel von Reis zwischen Somalia und Äthiopien floriert bis heute. Die wahren Gründe für die gestiegenen Nahrungsmittelpreise liegen viel tiefer.
Es sind Landraub, die Spekulation mit Nahrungsmitteln und die Förderung von Agrartreibstoffen, die von den westlichen Staaten bis heute gefördert werden, obwohl all das dafür sorgt, daß Anbauflächen für Nahrungsmittel in Entwicklungsländern wegfallen und die Produktion vor Ort unmöglich gemacht wird.
Statt vor einer andauernden Instabilität der Nahrungsmittelpreise zu warnen, sollte die Weltbank endlich von ihrer Politik abrücken, die Privatinvestoren auf die lokalen afrikanischen Märkte drängt, auch wenn diese nicht die Ernährungssicherheit der Bevölkerung im Sinn haben, sondern die Maximierung ihres Profits. Sie sollte die Produktionsmöglichkeiten von Kleinbauern und den Aufbau von Lagerbeständen fördern und nicht den Anbau von Agrartreibstoffpflanzen auf wertvollen Ackerflächen.
Die Bundesregierung wiederum müßte die Exporte regulieren und mitunter einschränken, Nahrungsmittelspekulationen verbieten, entschieden gegen Landraub vorgehen und nicht mit Agrarexportsubventionen sogar noch die Zerstörung lokaler Märkte befeuern, indem sie dafür sorgt, daß europäische Agrarprodukte billiger als die der afrikanischen Kleinbauern sind.
Beides wird nicht passieren. Denn die westliche Politik wird für die Durchsetzung eigener Finanz– und Wirtschaftsinteressen auch im Angesicht der Bilder aus Ostafrika den Hungertod von Millionen Menschen in den Entwicklungsländern weiterhin billigend in Kauf nehmen. Daß dies im 21. Jahrhundert geschieht, ist beschämend.
Quelle: junge Welt – Mit freundlicher Genehmigung. Dankeschön !
Der Autor ist für die Linksfraktion Mitglied im Bundestagsausschuß für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
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Kategorie » Politik/Wirtschaft « | Tags » Bundesregierung, Hunger, Kenia, Landwirtschaft, Lebensmittel, Lebensmittelpreise, Nahrungsmittel, niebe, Preise, Profit, Somalia, Weltbank «
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