“Amtshilfe” auf dem Vormarsch: Bundeswehr etabliert sich im Inland als Polizeiunterstützung
Samstag, 25. Februar 2012-18:54 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Frank Brendle | junge Welt | — Die Bundeswehr hat ihre Amtshilfe-Offensive im vergangenen Jahr fortgesetzt und sich »als innenpolitischer Akteur etabliert«, erklärte gestern die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke. Insgesamt 68mal habe das Militär sogenannte Amtshilfe geleistet. Die Zahl teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken mit.
Damit hat die Bundeswehr den Trend fortgesetzt, den sie vor über zehn Jahren eingeleitet hatte: Ende der 1990er Jahre war die Truppe noch gerade einmal pro Jahr zur »Hilfe« ausgerückt. 2008 waren es dann schon 31mal, die bisherige Höchstmarke von 71 aus dem Jahr 2010 wurde nun im Vorjahr nur knapp unterboten.
Auffällig ist, daß es sich bei weniger als einem Drittel dieser Einsätze um Maßnahmen im Rahmen des Katastrophenschutzes handelt: 22mal hat die Truppe Personal, Material und logistische Hilfe geleistet, wenn Deiche abgesichert, Großbrände gelöscht oder Stadtteilbewohner wegen einer Bombenentschärfung evakuiert werden mußten.
Bei den anderen Einsätzen handelt es sich dagegen oftmals um Unterstützung für Polizeikräfte bei Großeinsätzen. Sei es beim Castor-Transport, bei der Dresdner Nazidemo im Winter oder beim Papst-Besuch Ende Sommer: Das Militär sorgte sich um Unterkünfte, Verpflegung und logistische Unterstützung der Polizei. Unter anderem wurden Kasernenschlafplätze eingerichtet, Köche und Sanitäter der Bundeswehr standen bereit, und auch bei der Flugsicherung unterstützte das Militär.
So spektakuläre Einsätze wie beim G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, als Tornado-Überwachungsflugzeuge und Spähpanzer gegen Demonstranten eingesetzt waren, hat es seither zwar nicht mehr gegeben. Dennoch liege es auf der Hand, daß die deutliche Zunahme der Amtshilfe-Maßnahmen nicht auf Sachzwänge zurückzuführen sei, so Jelpke.
Nebenbei wirft die Antwort der Bundesregierung auch ein Licht auf den Zustand des zivilen Katastrophenschutzes: Dieser muß immer häufiger auf die Kapazitäten der Bundeswehr zurückgreifen. So konnte ein Brand von rund 200 Autoreifen im April in der Nähe von Kalkar nur mit Hilfe des Feuerlöschzuges einer nahegelegenen Luftwaffenbasis gelöscht werden.
Kritiker der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit weisen schon länger darauf hin, daß bei den zivilen Schutzkapazitäten zugunsten des militärischen Potentials gespart werde.
Quelle: junge Welt
Mit freundlicher Genehmigung zur Wiedergabe hier auf Mein Politikblog. Dankeschön!
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Kategorie » Militär « | Tags » Bundeswehr, Frank Brendle, Polizei «
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