Analyse: Die tatsächlichen (!) Arbeitsmarktzahlen Dezember 2011
Dienstag, 03. Januar 2012-13:24 -|- Eingestellt von: Julie |
Liebe Leser, hier nun wieder die regelmäßige Analyse von Sybilla. Die Version der Bundesagentur gibt es als separaten Beitrag.
Ist Deutschland tatsächlich auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung (Rekordbeschäftigung) oder ist das Ziel, dass in der Vollbeschäftigung alle irgendwie beschäftigt sind?
Die demografische Entwicklung die unfreiwillige Frühverrentung und der ausufernde Niedrigstlohnbereich senken die Zahl der Arbeitslosen ab. Hingegen auch die Vollzeitbeschäftigung immer weiter absinkt die Teilzeitbeschäftigung und Leiharbeit boomt.
Der niedrigsten statistisch erfassten Arbeitslosigkeit seit 20 Jahren stehen 6.937.586 Leistungsempfänger im Leistungsbezug im Rechtkreis SGB II/SGB III als (ALG I, ALG II, Sozialgeld) gegenüber das sind rund 60,5 % mehr Leistungsempfänger als im Dezember 2004. (Ohne Sozialhilfe diese 2004 als auch 2011 rund 1 Million Personen erhalten haben)
"Es wird einfach wegdefiniert, dieser hohe Berg von Arbeitslosen"
(Die gewonnen Erkenntnisse des Interviews vom Mai 2011 sind auch im Januar 2012 zutreffend.)
Die Politik, die Wirtschatinstitute und die Medien feiern euphorisch die „Rekordbeschäftigung“ aufgebläht durch 7,8 Millionen Mini und Midijobs obwohl ihnen bewusst sein sollte, dass viele von ihrer Arbeit nicht leben können. 3 Euro 18 in der Stunde verdient eine Friseurin in Thüringen, oder 4 Euro 58 in der Stunde für eine Floristin in Brandenburg.
Mehr als 20 Prozent aller Erwerbstätigen sind im Niedriglohnbereich beschäftigt, Tendenz schnell ansteigend. Einen unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz haben nur noch 60 % aller Erwerbstätigen. Der „Jobboom findet vor allem in der Leih und Zeitarbeit statt.
Die BA Statistik versteckt viele Menschen in Ein-Euro-Jobs, Bürgerarbeit oder anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen oder sie gliedert wie die Gruppe der über 58 jährigen einfach aus der offiziellen Statistik aus, diese Gruppe wird in der Regel neben vielen anderen Gruppen von Arbeitslosen aus der offiziellen BA Statistik herausgerechnet. Andere haben sich nach dem auslaufen des Arbeitslosengeldes von den Jobcentern zurückgezogen, sie sind zwar auf der Suche nach Arbeit, aber sie sind nicht im Sinne des SGB II bedürftig.
‘Dazu gehören Frauen/Männer die über „Vermögen“ verfügen oder deren Partner ein „Einkommen“ erzielen das über der Grundsicherung liegt. Viele Arbeitslose werden mit prekären Jobangeboten im Niedrigstlohnsektor überhäuft. Nach dem Motto: Kann die Arbeit von anderen noch billiger erledigt werden? Auch die Zahl der Wohnungslosen nimmt aufgrund von Armut zu.
Deutschland auf dem Weg in eine Niedriglohn-Gesellschaft
Eigentlich ist es schon seit unvordenklicher Zeit immer so, dass eine „Vollbeschäftigung“ durch das absenken der Arbeitslöhne erreichbar ist. Denn Null-€ Arbeitsplätze sind seit der frühen Antike unendlich vorhanden.
Je billiger eine Arbeitskraft einsetzbar ist, desto öfter wird diese nachgefragt.
Allerdings muss die Solidargemeinschaft der Steuerzahler die Grundsicherung dieser billigen Arbeitskräfte finanzieren (in 2011 mit 13 Mrd. €) und somit die Gewinne der Arbeitgeber subventionieren.
Im Übrigen die Mär der Wirtschaft/Wirtschaftsinstitute/Politik/System– medien vom Aufstieg oder dem „Sprungbrett Niedriglohn“ wird durch den exorbitant hohen Anstieg der prekären Beschäftigung in Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglöhnen durch die BA – Statistik eindeutig widerlegt.
Deutschland: Wirtschaftsaussichten Januar 2011:
Inflationsrate bleibt hoch — Der Preisdruck in Deutschland hält noch immer an.
Neues vom Aufschwung xxl und vom imaginären Jobwunder
Der Leitindex DAX hat im „ gefühlten Wirtschaftsboomjahr 2011“ rund 14,7 % seines Wertes verloren.
Allerdings droht nicht nur eine neuerliche Rezession also ein "Double-Dip" sondern diese wird bereits von der OECD prognostiziert. Die Prognose zum Wirtschaftswachstum Deutschland 2012 sieht äußerst übel aus. So rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit einer Erhöhung des Volkseinkommens von nur +0,6 Prozent.
Das Wirtschaftswachstum Deutschland 2011 wird laut (OECD) voraussichtlich zwischen +2,7 Prozent und +3,0 Prozent liegen. Und somit weit unter den Erwartungen von rund 4 %
Nach dem der ZEW-Index Konjunkturerwartungen im November 2008 auf ein Drei-Jahrestief abgestürzt war und den tiefstem Stand seit Oktober 2008 erreicht hatte. Stieg das ZEW-Barometer im Dezember leicht um 1,4 auf minus 53,8 Punkte an. Ob das eine Eintagsfliege oder eine Trendwende abbildet wird in den kommenden Monaten durch die Realität und nicht durch Stimmungsumfragen erwiesen
In der Realität gab es in 2011 in Deutschland keinen Wirtschaftsaufschwung XXL, es gab nach dem Krisenjahren 2009/2010 nur eine Rekonvaleszenz der deutschen Wirtschaft, denn die Wirtschaftsleistung der deutschen Wirtschaft konnte Saison– und kalenderbereinigt und preisbereinigt nur das Niveau von 2008 erreichen.
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Die Zahlen vom Arbeitsmarkt
Deutschland: Arbeitsmarkt Dezember 2011:
Offizieller BA — Zahlenbericht für Dezember 2011 Seite 78
Die Zahl der offiziell statistisch erfassten Arbeitslosen in Deutschland ist laut BA unerwartet deutlich auf 2.780.206* Personen angestiegen, zusätzlich waren nach vorläufigen Berechnungen 1.155.384 Personen in Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik beschäftigt.
Für den Monat November 2011 wurde diese Zahl von 1.182.950 auf 1.200.932 Personen nach oben korrigiert. Allerdings ist hierbei von einer erheblichen Untererfassung auszugehen (BA – Bericht Dezember 2011 Seite 110 Fußnote 3) .
Es ist von einer Untererfassung auszugehen, so haben bundesweit für Januar — Juni 2011, Datenstand September 2011, nur ca. 69 % der Träger Daten zum Einsatz der kommunalen Eingliederungsleistungen (flankierende Leistungen) erfasst.*Unter 3 Millionen Arbeitslose und so
Die offizielle BA Zahl der Unterbeschäftigung für Dezember 2011: wird mit 3.898.075 Personen beziffert das entspricht einer Unterbeschäftigungsquote von 9,1 %
Im Rechtkreis SGB II/SGB III werden 6.937.586 Leistungsempfänger aufgelistet:
Der Vergleich der Leistungsempfänger Personen(ALG; ALHI) von Dezember 2004 (Im BA Bericht Dezember 2004 wird die Zahl der Leistungsempfänger auf Seite 24 mit 4.321.000 Personen beziffert + 1.200.000 Personen in Sozialhilfe)
Im Dezember 2011 waren laut offizieller BA Zahl 6.937.586 Personen nur im Rechtkreis SGB II/SGB III als Leistungsempfänger im Leistungsbezug (ALG I, ALG II, Sozialgeld)
Das ist ein Plus von ca. 2,61 Millionen Personen oder ca. 60,5 % ( ( nicht berücksichtigt sind Leistungsempfänger von Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung im Alter)
Sowie Sozialhilfe SGB XII diese rund 1 Million Leistungsempfänger erhalten.
darunter:
Arbeitslosengeld 784.603 Personen
erwerbsfähige Hilfebedürftige (ALGII) 4.449.985 Personen
nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige (Sozialgeld) 1.702.998 Personen
( nicht berücksichtigt sind Leistungsempfänger von Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung im Alter, Sozialhilfe SGB XII…)
23.09.2011 | 13:58 Uhr Steigende Soziallasten bleiben ein Hauptproblem der finanziellen Schieflage bei den Kommunen. Von 1999 bis 2009 stiegen sie bundesweit von 29 auf über 40 Milliarden Euro an. Ein Ende dieser bedrohlichen Entwicklung ist nicht absehbar.
Der Bund muss sich seiner Verantwortung stellen, forderte Kommunalminister Ralf Jäger heute (23. September) im Bundesrat in Berlin. Die zugesagte Übernahme der Kosten für die Grundsicherung und bei Erwerbsminderung ab dem Jahr 2014 reiche nicht aus.
Hiermit darf die Verantwortung des Bundes nicht enden. Er muss sich zur Hälfte an den sozialen Lasten beteiligen, mahnte Jäger. Allein in NRW sind die Soziallasten der Kommunen in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent auf fast 13 Milliarden Euro angestiegen….
2010 Abhängig Beschäftigte 30.904.000 Personen
2010 Normalerwerbstätige 23.069.000 Personen
2010 Atypisch Beschäftigte 7.835.000 Personen
Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten ist nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Juli auf 4,93 Mio, angestiegen.
Entwicklung: ATYPISCHE BESCHÄFTIGUNG
Der Jobmotor brummt weiter, in den letzten Jahren wurde de Wert der Arbeit in Deutschland massiv entwertet. In 2011 ist die Zahl atypische Beschäftigungsverhältnisse, in Teilzeitstellen, , in Leih– und Zeitarbeit und in Minijobs weiter exorbitant angestiegen.
ILO warnt vor Beschäftigungskrise und sozialen Unruhen
Süddeutsche Zeitung: Geringverdiener: Aus wenig wird weniger — Sie verdienen ohnehin nicht viel — und selbst das wird weniger. Geringverdiener müssen seit dem Jahr 2000 drastische Loheinbußen einstecken. Obwohl die Wirtschaft wächst. Teilweise haben sie bis zu 22 Prozent weniger in der Tasche, offenbart jetzt eine Studie. … Seit dem Jahr 2000 betrugen die Lohneinbußen zwischen 15,6 und 21,9 Prozent. Die Nettoeinkommen aller Beschäftigten gingen hingegen nur um 2,5 Prozent zurück.
BA Bericht Dezember 2011 Seite 11/12
Nicht saisonbereinigt belief sich der Bestand im November auf 467.000 gemeldete Arbeitsstellen…. November 492.000; Oktober 500.000.
Nach Wirtschaftszweigen differenziert beruht das Plus in der gleitenden Jahressumme etwa zur Hälfte auf Meldungen aus der Arbeitnehmerüberlassung. (+111.000 oder +16 Prozent).
BA Bericht Dezember 2011 Seite 22
Außer den Leistungsempfängern gab es im August noch 324.000 Arbeitslose, die im Berichtsmonat keine Geldleistungen aus der Arbeitslosenversicherung oder der Grundsicherung bezogen.
BA Bericht Dezember 2011 Seite 25
3.2 Erwerbstätige Leistungsberechtigte
Im August 2011 bezogen 30 Prozent (1,37 Mio) der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten Einkommen aus Erwerbstätigkeit…..
Bedarfe /Leistungen /Einkommen — statistik.arbeitsagentur.de
Wer das komplette Zahlenwerk der BA detailliert betrachtet, wird dann doch sehr ernüchtert.
Entgegen der politischen und medialen Lobgesänge ist die Lage am Arbeitsmarkt im besonderem im Niedrigstlohnbereich bei weiten schlechter als von Politik und Massenmedien den Massen und den Bürgern suggeriert wird,
Quelle der Zahlen:
BA – Monatsbericht Dezember 2011
Erstellt von Sybilla am 03.01.12 – Teil 1 Die Zahlen
Jeder darf diesen Bericht unter Hinweis auf die Autorin frei verwenden
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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft « | Tags » Arbeit, Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktdaten, Arbeitsmarktzahlen, Statistik, Sybilla, Zahlen «
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