Über Sponsoring
Samstag, 25. Februar 2012-15:51 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Reinhard Jellen | junge Welt | — Mit der SPD-Grünen-Bundesregierung (1998 – 2005) hat sich die politische Ausrichtung dieser Parteien noch einmal drastisch in Richtung Wirtschaft verlagert. Seitdem werden sie wie Dienstleis– tungsunternehmen betrieben. Dies wird nicht nur durch die »Nebentätig– keiten« der Politiker und ihre hurtige Übernahme in die Wirtschaft, sondern auch über ein verdecktes Spendensystem, das »Sponsoring«, gewährleistet.
Der investigative Journalist Mathew D. Rose hat diese undurchsichtige Finanzierungspraktik in seinem Buch »Korrupt. Wie unsere Politiker und Parteien sich bereichern und uns verkaufen« erstmals aufgezeigt: Zwar wurde 2002 mit der Änderung des Parteispendengesetzes die Transparenz in puncto Parteienfinanzierung erleichtert.
Seitdem müssen Spenden von über 50.000 Euro sofort dem Bundestagspräsidenten gemeldet werden, und Spenden an politische Parteien von Unternehmen, an denen die öffentliche Hand eine Beteiligung von über 25 Prozent hält, sind sogar verboten.
Im Gegenzug haben aber die Parteieinkünfte durch das »Sponsoring« stark zugenommen, über deren Dimensionen dank ausgeklügelter Verschleierungssysteme grundlegende Unklarheit herrscht. Gleichwohl könnte nach Einschätzung von Rose das Gesamtvolumen dieser verdeckten Spenden fünfzig Millionen Euro pro Jahr betragen. Für Spender und Parteien hat das »Sponsoring« drei nicht ganz unwesentliche Vorteile:
Erst einmal ist »Sponsoring« in Form des Mietens von Ständen bei Parteitagen und anderen Veranstaltungen der Parteien sowie Anzeigen in Parteipublikationen als Betriebsausgabe vollständig steuerlich abzugsfähig. Desweiteren wird bei den »Sponsoring«-Einsätzen – anders als z.B. bei Parteispenden über 10.000 Euro – Anonymität gewahrt.
Außerdem gelangt man durch solche kommerziellen Einsätze – wir erinnern uns an »Rent a Rüttgers« – umstandslos zu Entscheidungsträgern in den Parteien. Auch nicht schlecht! Für die Steuerzahler hat dies wiederum den Nachteil, daß sie nicht nur die Lobbyarbeit von Unternehmen subventionieren, sondern auch die Parteien, die das Geld von den Sponsoren einstecken, um Politik nach deren Wünschen zu betreiben, die sich gegen die Interessen der Bevölkerungsmehrheit richtet.
Seit längerem ist die fortschreitende Liquidierung der Demokratie mit demokratischen Mitteln zu konstatieren. Dieser Vorgang bleibt völlig intransparent und ist mit einer Cleverness ausbaldowert worden, die man der politischen Klasse anderweitig gar nicht mehr zutraut.
Quelle: junge Welt
Mit freundlicher Genehmigung zur Wiedergabe hier auf Mein Politikblog. Dankeschön!
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Kategorie » Politik/Wirtschaft « | Tags » Politik, Reinhard Jellen, spenden, Sponsoring «
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