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China-​Besuch: Billig– und Rettungsschirme

Samstag, 04. Februar 2012-10:53 -|- Eingestellt von: |

Soll die chi­ne­si­sche Markt­wirt­schaft den Euro-​Kapitalismus retten? Die Kanz­lerin hat in Peking über mehr finan­zi­elle Über­le­bens­hilfe aus Fernost ver­han­delt. | Von Lutz Herden | Der Freitag | — Der Bitt­gang der deut­schen Kanz­lerin galt nicht wie in ver­flos­senen Zeiten dem rei­chen Onkel in Ame­rika. Die gerade um finan­zi­ellen Bei­stand ersuchte und gut betuchte „Wahl-​Verwandtschaft“ resi­diert in Peking.

Sie zeigt sich erbötig, wenn auch nicht spen­dabel. Zu ver­schenken haben Reiche bekannt­lich nie etwas. Und gegeben haben die Chi­nesen auch schon. Mög­li­cher­weise nicht zu knapp.

Es sind dem Ver­nehmen nach vor­zugs­weise grie­chi­sche, iri­sche, ita­lie­ni­sche und spa­ni­sche Staats­an­leihen, die wie tote Seelen in den Depots der chi­ne­si­schen Staats­bank ruhen und ihr Rendite-​Versprechen schuldig bleiben. Es gibt eini­ger­maßen seriöse Spe­ku­la­tionen, nach denen die fern­öst­li­chen Staats­in­ves­toren Schuld­scheine aus der Euro­zone im Wert von etwa 500 Mil­li­arden Euro im Port­folio halten.

Ein trotz allem noch aus­bau­fä­higes Volumen dürfte Angela Merkel bei ihren Treffen mit Prä­si­dent Hu Jintao und Pre­mier Wen Jiabao zumin­dest ange­deutet haben. Schließ­lich ist das Enga­ge­ment bei den Ame­ri­ka­nern sehr viel größer – es ste­cken der­zeit immerhin fast 1,2 Bil­lionen aus den auf 3,2 Bil­lionen Dollar geschätzten chi­ne­si­schen Devi­sen­re­serven in ame­ri­ka­ni­schen Bonds.

Dass die Volks­re­pu­blik eine sicher nicht risi­ko­freie, aber doch alles in allem ver­läss­liche ökono­mi­sche Lebens­ver­si­che­rung bei der Füh­rungs­macht des Wes­tens abge­schlossen hat, ist keine Pointe der Welt­ge­schichte, son­dern ein Zei­chen für deren Fortgang.

Natür­lich muss man auch etwas tun für die Abnehmer der eigenen Aus­fuhren in Nord­ame­rika. Wer klamm ist, der kauft nichts oder wenig. Aber über­nehmen in Europa mag sich China wohl kaum. Und unei­gen­nützig zu sein, das können sich selbst die Chi­nesen nicht leisten.

Nicht über­mäßig salonfähig

Natür­lich erin­nerte man sich bei Angela Mer­kels Ver­hand­lungen in Peking einer kühnen Idee aus der EU-​Kommission vom Herbst, die sich auch die Bun­des­re­gie­rung zu eigen machte. Der Vor­stoß zielte darauf, erkenn­bare Buchungs­lü­cken der so genannten Euro­päi­schen Finanzmarktstabilisierungs-​Fazilität EFSF zu schließen, indem die Finanz­kraft eben dieser EFSF „gehe­belt“ wurde.

Mit anderen Worten: Die Bürg­schaften und Kre­dit­an­ge­bote des Euro-​Rettungsfonds sollten durch Trans­fu­sionen aus chi­ne­si­schen Devi­sen­be­ständen jene stra­te­gi­schen Höhen nehmen, zu denen sich Europa allein nicht auf­raffen konnte – oder wollte.

Das klang nicht nur aus­ge­spro­chen ver­lo­ckend, son­dern auch logisch. Man wollte Sta­bi­lität aus China expor­tieren, nicht nur Handys, Tex­ti­lien, Spiel­zeug oder Hochtechnologie-​Metalle wie Sel­tene Erden, son­dern Sicher­heit, Überlebens-​Kapital! Zukunfts­ge­wiss­heit für die Gemeinschaftswährung!

Die mut­maß­lich "sozia­lis­ti­sche" Markt­wirt­schaft als Retter des maroden Euro-​Kapitalismus? Über­sehen wird dabei frei­lich, dass diese Markt­wirt­schaft bisher in Europa nicht als über­mäßig salon­fähig gilt und mit dem Stigma des aggres­siven Wett­be­werbs­ver­zer­rers ver­sehen ist, der es sich gefallen lassen muss, zuweilen mit Straf­zöllen in Grö­ßen­ord­nungen von 50 bis 60 Pro­zent belegt zu werden.

Sollten außer Bil­lig­schirmen des Labels Made in China auch teure Ret­tungs­schirme gefragt sein, wird das chi­ne­si­sche Wirt­schafts­system als Partner der Welt­öko­nomie voll aner­kannt sein müssen. Dazu gehört das Recht, die eigene Wäh­rung als Han­dels­ka­ta­ly­sator ein­zu­setzen, sie gele­gent­lich auch abwerten zu dürfen, um Waren­flüsse hierhin und dorthin zu beschleu­nigen. Weil die chi­ne­si­sche Regie­rung und Staats­bank dies so hand­haben, sind – unter anderem – die Devi­sen­re­serven ent­standen, die im Augen­blick euro­päi­sche Begierden wecken.

Quelle: Der Freitag

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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Kategorie » EU/Brüssel, Finanzkrise, Politik/Wirtschaft « | Tags » , , , , , «

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