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Cyberwar 2.0

Montag, 23. Januar 2012-15:03 -|- Eingestellt von: |

Von Redak­tion German For­eign Policy | – BERLIN (Eigener Bericht) — Die Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik bereitet die Krieg­füh­rung im vir­tu­ellen Raum vor. Der mili­tär­po­li­ti­sche Think Tank lädt für Anfang Mai dieses Jahres zu einer Kon­fe­renz, die sich mit den Auf­gaben und Kom­pe­tenzen des von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­rich­teten "Natio­nalen Cyber-​Abwehrzentrums" befassen soll.

Gefor­dert wird, das Zen­trum in die Lage zu ver­setzen, nicht nur zu rea­gieren, son­dern auch "selbst zu agieren", also etwa Angriffe mit Com­pu­ter­viren durch­zu­führen. Die Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik koope­riert dabei eng mit der Telekom-​Tochtergesellschaft T-​Systems, die bereits seit län­gerem an einer gemein­samen "Sicher­heits­rah­men­ar­chi­tektur" für Bun­des­wehr, Polizei und Geheim­dienste arbeitet.

Erklärtes Ziel ist es, ein vir­tu­elles Netz­werk zu schaffen, das den deut­schen Repres­si­ons­be­hörden ein gemein­sames Vor­gehen etwa bei der Grenz­über­wa­chung und der Per­so­nen­fahn­dung ermög­licht. Spe­ziell für das deut­sche Militär ent­wi­ckelt T-​Systems soge­nannte Füh­rungs– und Waf­fen­ein­satz­sys­teme, die sowohl die Treff­ge­nau­ig­keit erhöhen als auch die Abstim­mung der Truppen auf dem Schlacht­feld gewähr­leisten sollen.

Cyber-​Abwehrzentrum

Wie die Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik (BAKS) mit­teilt, wird sie am 7. und 8. Mai dieses Jahres eine Kon­fe­renz über die Auf­gaben und Kom­pe­tenzen des von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­rich­teten "Natio­nalen Cyber-​Abwehrzentrums" ver­an­stalten. Dem in der deut­schen Ver­fas­sung ver­an­kerten Tren­nungs­gebot zwi­schen Polizei, Militär und Geheim­diensten zum Trotz ver­sam­melt das "Cyber-​Abwehrzentrum" Mit­ar­beiter aller Repressionsdienste.

Ver­treten sind neben dem Bun­desamt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hilfe (BBK) Bun­des­po­lizei, Bun­des­kri­mi­nalamt (BKA) und Zoll­kri­mi­nalamt, der für die Bekämp­fung innen­po­li­ti­scher Gegner zustän­dige Ver­fas­sungs­schutz und der mit Aus­lands­spio­nage befasste Bun­des­nach­rich­ten­dienst (BND) sowie die Bundeswehr.

Gemein­sames Ziel ist die Siche­rung behörd­li­cher und pri­vat­wirt­schaft­li­cher Com­pu­ter­netz­werke gegen Hacker– und Viren­an­griffe, was der Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik jedoch offenbar nicht weit genug geht. Rhe­to­risch wird gefragt, ob ein rein defen­sives Vor­gehen bei "Sicher­heits­vor­fällen" in der Infor­ma­ti­ons­technik (IT) wirk­lich aus­reiche: "Muss ein der­ar­tiges Abwehr­zen­trum nicht in der Lage sein, selbst zu agieren?"[1]

Poli­ti­sche Umwäl­zungen kontern

Bei der Durch­füh­rung der Kon­fe­renz koope­riert die BAKS nach eigener Aus­sage eng mit T-​Systems, einer Toch­ter­ge­sell­schaft der Deut­schen Telekom.[2] T-​Systems for­dert sei­ner­seits eine "umfas­sende, gesamt­staat­liche Sicher­heits­ar­chi­tektur, die alle not­wen­digen Kräfte mit­ein­ander ver­knüpft" und neben Poli­zei­dienst­stellen und Ret­tungs­kräften auch Bun­des­wehr und Geheim­dienste einbezieht.

Die von T-​Systems gelie­ferte Infor­ma­ti­ons­technik soll Fir­men­an­gaben zufolge in diesem Zusam­men­hang dazu bei­tragen, die Repres­si­ons­be­hörden lückenlos zu ver­netzen, und ihnen dadurch nicht nur die Gene­rie­rung eines "gemein­samen Lage­bildes", son­dern auch ein "gemein­sames Vor­gehen" ermöglichen.

Wie das Unter­nehmen weiter aus­führt, könnten nur auf diese Weise "glo­bale Her­aus­for­de­rungen und Bedro­hungen" gekon­tert werden. Gemeint sind sowohl "Umwelt­ge­fahren" und "Seu­chen" als auch "poli­ti­sche Umwäl­zungen und kul­tu­relle Aus­ein­an­der­set­zungen mit unab­seh­baren Folgen".[3]

Grenz­kon­trollen und Verfolgung

Unter anderem bietet T-​Systems laut einer Selbst­dar­stel­lung "Behörden und Orga­ni­sa­tionen mit Sicher­heits­auf­gaben" spe­zi­elle "soft­ware– und hard­ware­tech­ni­sche Sys­tem­lö­sungen" für Grenz­kon­trollen. Dabei wird bei­spiels­weise ein Foto eines Rei­senden auf­ge­nommen, das dann, mit Per­so­nen­an­gaben und bio­me­tri­schen Daten ver­knüpft, an "allen wei­teren Sta­tionen im gesamten Abfer­ti­gungs­pro­zess auto­ma­tisch zur Ver­fü­gung" steht.

Bestehen Zweifel an der "Recht­mä­ßig­keit" des Grenz­über­tritts, erhalten die jewei­ligen Kon­trol­leure einen "Alarm­hin­weis". Auch für die "Ver­fol­gung von Ver­dachts­per­sonen" lie­fert T-​Systems nach eigenen Angaben die ent­spre­chende Infor­ma­tions– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­technik. Ermög­licht werde auf diese Weise die "glo­bale Ver­net­zung der poli­zei­li­chen und erken­nungs­dienst­li­chen Infor­ma­ti­ons­da­ten­banken", heißt es.

Da das ange­bo­tene IT-​System gleich­zeitig die "ver­netzte Ope­ra­ti­ons­füh­rung unter­schied­li­cher Ein­heiten und die zivil­mi­li­tä­ri­sche Koope­ra­tion" unter­stütze, könnten die Repres­si­ons­be­hörden "gesuchte Per­sonen über die eigene Dienst­struktur hinaus unver­züg­lich iden­ti­fi­zieren und sofort handeln".[4]

Idealer Partner der Streitkräfte

Für Bun­des­wehr und Rüs­tungs­in­dus­trie ent­wi­ckelt T-​Systems nach eigenen Angaben neu­ar­tige "Füh­rungs– und Waf­fen­ein­satz­sys­teme", die sowohl die Treff­ge­nau­ig­keit als auch das Zusam­men­wirken ver­schie­dener Trup­pen­teile auf dem Schlacht­feld ver­bes­sern sollen. So werden etwa Kriegs­schiffe laut T-​Systems "in Zukunft ebenso ver­netzt sein wie Groß­un­ter­nehmen" und über ein "Gigabit-schnelle(s) Glas­fa­ser­netz" verfügen.[5]

Im Angebot sind außerdem "satel­li­ten­ge­stützte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­teme" samt "mobile(n) und ortsfeste(n) Boden­sta­tionen" sowie "Füh­rungs– und Kontrollsegmente(n)".[6]

Bereits seit einigen Jahren ver­fügt das deut­sche Militär über das von T-​Systems ver­trie­bene digi­tale Bün­del­funk­system "Tetra", das es Inter­ven­ti­ons­ein­heiten ermög­licht, in einem belie­bigen Ein­satz­land ein aut­arkes, mobiles Kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz zu betreiben (german​-for​eign​-policy​.com berich­tete [7]).

Wie das Unter­nehmen erklärt, sieht es sich selbst als "ideale(n) Partner für Streit­kräfte und die Wehr­tech­ni­sche Indus­trie" [8] bei der Wahr­neh­mung "frie­dens­er­zwin­gende® Auf­gaben in der ganzen Welt" [9].

Tarn­adressen

Auch dem deut­schen Aus­lands­ge­heim­dienst steht T-​Systems als IT-​Dienstleister zur Seite. So wurde 2008 publik, dass das Unter­nehmen den BND mit geheimen IP-​Adressen aus­ge­stattet hat, die die Ver­schleie­rung von Daten­spuren im Internet ermög­li­chen. Medi­en­be­richten zufolge soll der BND die getarnten Adressen unter anderem dazu genutzt haben, unter fal­scher Iden­tität Ein­träge in der Online-​Enzyklopädie "Wiki­pedia" zu ändern.[10]

Offenbar führt T-​Systems den in Fir­men­pu­bli­ka­tionen pro­kla­mierten "Cyberwar 2.0" also schon seit längerem.[11] Für Orga­ni­sa­tionen wie die Bun­des­aka­demie für Sicher­heits­po­litik und das "Natio­nale Cyber-​Abwehrzentrum", die eben­falls einen "pro­ak­tiven" Umgang mit Hacker– und Viren­an­griffen dis­ku­tieren, ist das Unter­nehmen damit unverzichtbar.

Quelle: German For­eign Policy

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[1], [2] Die Deut­sche Cyber-​Sicherheitsstrategie — Neue Bedro­hungen, neue Lösungen? www​.baks​.bund​.de

[3], [4] T-​Systems: Mit ver­einten Kräften. Für innere und äußere Sicher­heit. Frankfurt/​Main (Bro­schüre des Unter­neh­mens­be­reichs "Cor­po­rate Mar­ke­ting and Communications")

[5] Füh­rungs– und Waf­fen­ein­satz­sys­teme; www​.​t​-sys​tems​.de

[6] Satel­li­ten­kom­mu­ni­ka­tion; www​.​t​-sys​tems​.de

[7] s. dazu Todes­dro­hung per Handy

[8] Netz­in­fra­struk­turen; www​.​t​-sys​tems​.de

[9] Satel­li­ten­kom­mu­ni­ka­tion; www​.​t​-sys​tems​.de

[10] Geheime IP-​Nummern des BND ver­öf­fent­licht; blog​.ins​.de 20.11.2008. IP-​Adressbereiche des BND auf­ge­taucht; netz​po​litik​.org 13.11.2008

[11] René Reutter (T-​Systems): Cyberwar 2.0 — Wie Daten­spio­nage funk­tio­niert. In: All About Secu­rity (Hg.): Infor­ma­tion Secu­rity. Wie­len­bach (Secu­rity Advisor ePu­bli­ca­tion, T-​Systems Special-​Edition)

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gelesen: 141 · heute: 2 · zuletzt: 15. Mai 2012

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