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Das Geld ist weg

Donnerstag, 20. Oktober 2011-12:52 -|- Eingestellt von: |

Der Ber­liner Ban­ken­skandal ist noch lange nicht aus­ge­standen. Wei­tere Mil­li­ar­den­lasten für Etat des Stadt­staates. | — Von Rainer Bal­ce­ro­wiak | junge Welt | — Da schließt sich ein Kreis: Zehn Jahre, nachdem der Ber­liner Ban­ken­skandal die große Koali­tion in Berlin pul­ve­ri­sierte, schi­cken sich SPD und CDU an, eine neue gemein­same Lan­des­re­gie­rung zu bilden. Die Spät­folgen des Crashs der Bank­ge­sell­schaft Berlin werden dem neuen Senat aller­dings einige Kopf­schmerzen bereiten.

2002 beschloß die dama­lige »rot-​rote« Koali­ti­ons­mehr­heit eine Abschir­mung für alle denk­baren Risiken aus den Immo­bi­li­en­ge­schäften der Bank­ge­sell­schaft mit einem Volumen von 21,6 Mil­li­arden Euro. Die für die Befrie­di­gung von Gläu­bi­ger­for­de­rungen und die Bewirt­schaf­tung der Fonds­immobilien vor­ge­se­henen Erlöse aus der Zer­schla­gung und Teil­pri­va­ti­sie­rung der Finanz­hol­ding in Höhe von rund 4,6 Mil­li­arden Euro sind mitt­ler­weile aufgebraucht.

Bereits ab 2012 kommen auf das ohnehin hoch­ver­schul­dete Land daher haus­halts­wirk­same Kosten von min­des­tens 300 Mil­lionen Euro zu. »Wir haben leider recht gehabt«, so Bene­dict Ugarte Chacón von der Initia­tive Ber­liner Ban­ken­skandal am Mitt­woch auf einer Pressekonferenz.

Hin­ter­grund der Kos­ten­la­wine sind 29 in den 90er Jahren von einer Tochter der Bank­ge­sell­schaft auf­ge­legte Immo­bi­li­en­fonds. Für diese vom Land garan­tierten Geld­an­lagen wurden rund 70000 Anteils­eigner mit aben­teu­er­li­chen Ren­di­te­ga­ran­tien gekö­dert, obwohl es sich größ­ten­teils um »Schrot­t­im­mo­bilen« handelte.

Diese wurden nach der Zer­schla­gung der Bank­ge­sell­schaft in der lan­des­ei­genen Ber­liner Immo­bi­li­en­hol­ding (BIH) gebün­delt und sollten eigent­lich samt aller Risiken an einen Investor ver­kauft werden. Ange­sichts des oft­mals erbar­mungs­wür­digen Zustandes der Lie­gen­schaften, der Dis­kre­panz zwi­schen Buch– und Markt­wert und der unge­klärten Abfin­dung jener rund 3000 Anteils­eigner, die die bis­he­rigen Ver­gleichs­an­ge­bote des Landes abge­lehnt haben, war und ist das aber kaum zu realisieren.

Michael Breit­kopf, der jah­re­lang als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­beiter der PDS-​Fraktion im Unter­su­chungs­aus­schuß zur Bank­ge­sell­schaft saß, warf dem noch amtie­renden Senat gezielte Ver­schleie­rung vor. Ange­sichts der Dra­matik der finan­zi­ellen Risiken wolle offenbar nie­mand die tat­säch­liche Lage schildern.

»Die BIH ist ein Mons­trum, ein schwarzes Loch, das künftig noch viele Mil­li­ar­den­be­träge ver­schlingen wird«, so Breit­kopf. Nach Berech­nungen der Initia­tive könnten die Belas­tungen für den Lan­des­haus­halt bis zum Aus­laufen der Fonds im Jahr 2028 pro Jahr im Durch­schnitt über 400 Mil­lionen Euro betragen.

Die Zahlen spre­chen für sich: Die ins­ge­samt 594 Immo­bi­lien an 500 über das Bun­des­ge­biet ver­teilten Stand­orten werden mit einem Buch­wert von knapp zehn Mil­li­arden Euro geführt. Die reale Unter­neh­mens­be­wer­tung der BIH liegt dagegen bei 3,6 Mil­li­arden. Die Kre­dit­be­las­tung betrug Ende 2010 4,3 Mil­li­arden. In den Aus­ga­be­pro­spekten der Fonds wurde für 2008 von Miet­ein­nahmen in Höhe von 580 Mil­lionen Euro aus­ge­gangen, tat­säch­lich waren es nur 121 Millionen.

Die anfal­lenden Ver­luste werden der­zeit aus den Erlösen des 2005 erfolgten Ver­kaufs der Lan­des­bank als Bestand­teil der Bank­ge­sell­schaft Berlin in Form von Gene­ral­miet­ver­trägen des Landes gedeckt, doch »jetzt ist das Geld weg«, so Breit­kopf. Da, um Kosten zu sparen, so gut wie gar nicht in die Erhal­tung oder gar Moder­ni­sie­rung des Bestandes inves­tiert wurde, seien viele BIH-​Immobilien fak­tisch unver­mietbar und auch unverkäuflich.

Um den Bestand zu revi­ta­li­sieren, wären nach Ein­schät­zung von Immo­bi­li­en­ex­perten aber Inves­ti­tionen von min­des­tens drei Mil­li­arden Euro in den kom­menden fünf Jahren not­wendig. Da zudem mit einigen Anteils­eig­nern bis­lang keine Eini­gung über die Moda­li­täten eines Rück­kaufs ihrer Ein­lagen erzielt werden konnte, wären ent­spre­chende Ent­schei­dungen auf­grund von ver­brieften Min­der­heits­rechten in den ein­zelnen Fonds ohnehin kaum zu fällen.

Die Initia­tive for­dert von der nächsten Lan­des­re­gie­rung bzw. bereits im Zuge der lau­fenden Koali­ti­ons­ver­hand­lungen zwi­schen SPD und CDU, end­lich »die Karten zur BIH auf den Tisch zu legen«. Die in den kom­menden Haus­halten Ber­lins ver­an­schlagten Auf­wen­dungen für die BIH müßten »rea­lis­tisch und nach­voll­ziehbar kal­ku­liert sein«.

Auch müsse man wohl oder übel auf die ver­blie­benen Fonds­zeichner zugehen und deren For­de­rungen nach Aus­gleich für ent­gan­gene Ren­diten bei Ver­kauf der Anteile an die BIH teil­weise akzep­tieren, damit die Fonds über­haupt hand­lungs­fähig wären.

Wie immer es mit der BIH wei­ter­geht, eines ist schon jetzt klar: Die Zeche wird riesig sein, und beglei­chen müssen sie die Bürger der Hauptstadt.

Quelle: junge Welt

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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