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Der Hintergrund der Eurokrise

Mittwoch, 01. Februar 2012-10:13 -|- Eingestellt von: |

Von Peter Schwarz | WSWS | Die Macht der Finanza­ris­to­kratie: Es ist bezeich­nend, dass das Gesamt­ver­mögen sämt­li­cher euro­päi­schen Mil­lio­näre in den ver­gan­genen Jahren trotz der Krise schneller gewachsen ist als alle euro­päi­schen Staats­schulden zusam­men­ge­nommen. Die Ver­mögen der drei Mil­lionen Mil­lio­näre haben sich in den letzten drei­zehn Jahren ver­dop­pelt, die Staats­schulden benö­tigten dazu fünf­zehn Jahre.

Das Gesamt­ver­mögen der euro­päi­schen Mil­lio­näre beträgt der­zeit rund zehn Bil­lionen Dollar. Das würde fast aus­rei­chen, um die gesamten Schulden aller euro­päi­schen Staaten auf einen Schlag zu begleichen.

Allein in Deutsch­land ver­fügen 830.000 Mil­lio­näre über ein Finanz­ver­mögen von 2,2 Bil­lionen Euro. Das ist mehr als sämt­liche Schulden von Bund, Län­dern und Gemeinden zusam­men­ge­nommen. Reiche grie­chi­sche Pri­vat­leute haben nach einer Schät­zung des Han­dels­blatts 560 Mil­li­arden Euro auf aus­län­di­schen Konten gebun­kert; das ist fast dop­pelt so viel wie die gesamte grie­chi­sche Staatsschuld.

Das explo­sive Anwachsen dieser Ver­mögen ist das Ergebnis der ver­schärften Aus­beu­tung der Arbei­ter­klasse und mas­siver Steu­er­sen­kungen für Unter­nehmen und Spit­zen­ver­diener. Würden in Deutsch­land die Steu­er­sen­kungen der letzten zehn Jahre rück­gängig gemacht, befänden sich rund 100 Mil­li­arden Euro mehr in der Staatskasse.

Außerdem werden diese gewal­tigen Ver­mögen „gehe­belt“, das heißt, sie werden durch Spe­ku­la­ti­ons­ge­schäfte künst­lich auf­ge­bläht. Auch dazu gibt es inter­es­sante Zahlen.

So ent­sprach die Bilanz­summe der drei größten bri­ti­schen Banken zu Beginn des zwan­zigsten Jahr­hun­derts 7 Pro­zent der bri­ti­schen Wirt­schafts­leis­tung. Ende des Jahr­hun­derts war sie auf 75 Pro­zent geklet­tert und 2007 lag sie bei 200 Pro­zent. Die Bilanz­summe der drei größten bri­ti­schen Banken war damit dop­pelt so hoch wie das Brut­to­in­lands­pro­dukt des Ver­ei­nigten König­reichs, die Bilanz­summe des gesamten bri­ti­schen Finanz­sek­tors sogar fünf Mal so hoch.

Gemessen am Eigen­ka­pital ver­geben die bri­ti­schen Banken heute zehnmal so viele Kre­dite wie vor hun­dert Jahren; damals war die Kre­dit­summe drei Mal so hoch wie das Eigen­ka­pital, heute beträgt sie das Dreißigfache.

Auch hier folgt Kon­ti­nen­tal­eu­ropa mit kurzem Abstand dem­selben Trend. In Deutsch­land und Frank­reich ist die Bilanz­summe des Finanz­sek­tors jeweils dreimal so groß wie das BIP, in der Schweiz, die an der Spitze steht, sogar sechsmal so groß.

Diese gewal­tigen Kapi­tal­summen kon­zen­trieren sich, wie wir gesehen haben, in den Händen eines win­zigen Bruch­teils der Gesell­schaft. Dabei können die Super­rei­chen ihren Reichtum nicht ein­fach im Tresor horten. Kapital ist, wie Marx es for­mu­liert hat, „ver­stor­bene Arbeit, die sich nur vam­pirmäßig belebt durch Ein­sau­gung leben­diger Arbeit“. Es ver­langt täg­lich nach Zinsen und Profit. Wird das Kapital aus dem Wirt­schafts­kreis­lauf her­aus­ge­nommen, ver­liert es schnell an Wert.

Das ist die Trieb­kraft der gegen­wär­tigen Spar­orgie, die ange­sichts der his­to­ri­schen Erfah­rung mit Brü­ning ein Ele­ment des Wahn­sinns in sich trägt. Die staat­li­chen Aus­gaben für Erzie­hung, Bil­dung, Gesund­heit, Renten, öffent­liche Dienst­leis­tungen und Infra­struktur sind in den Augen der Finan­zo­lig­ar­chie eine ille­gi­time Ein­schrän­kung ihres Reich­tums, und das­selbe gilt für Tarif­löhne und Arbeiternehmerrechte.

Trotz der tiefen sozialen Krise ist die Finanza­ris­to­kratie unwillig und unfähig, auch nur einen Bruch­teil ihres Reich­tums und ihrer Pri­vi­le­gien auf­zu­geben. In dieser Hin­sicht gleicht sie der fran­zö­si­schen Aris­to­kratie vor 1789. Damals gab es schließ­lich nur einen Weg, die Aris­to­kratie los­zu­werden – die Revolution.

In diesem Zusam­men­hang ist bezeich­nend, dass alle eta­blierten Par­teien – ob kon­ser­vativ, sozi­al­de­mo­kra­tisch, grün oder „links“ – den gegen­wär­tigen Spar­kurs unter­stützen und als alter­na­tivlos darstellen.

Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Regie­rungs­chefs wie José Sócrates (Por­tugal), Giorgos Papan­d­reou (Grie­chen­land) und José Luis Zapa­tero (Spa­nien) haben ihre per­sön­liche poli­ti­sche Kar­riere und die Wahl­chancen ihrer Partei geop­fert, um ver­hee­rende Spar­pro­gramme gegen den Wider­stand ihrer eigenen Wähler durchzusetzen.

Kon­ser­va­tive Regie­rungs­chefs wie Angela Merkel (Deutsch­land), Nicolas Sar­kozy (Frank­reich) und David Cameron (Eng­land) geben bei der sozialen Kon­ter­re­vo­lu­tion in Europa den Ton an. Die Grünen werben lei­den­schaft­lich für Haus­halts­dis­zi­plin. Und die Gewerk­schaften ersti­cken jeden Wider­stand gegen die Spar­po­litik und arbeiten eng mit den Regie­rungen zusammen.

Allein die Tat­sache, dass nicht ein ein­ziger der eta­blierten Poli­tiker eine ernst­hafte Alter­na­tive zum gegen­wär­tigen Wirt­schafts­kurs vor­schlägt, zeigt, dass es im Rahmen des beste­henden Gesell­schafts­sys­tems keinen Ausweg aus der Krise gibt.

Für oder gegen den Euro

Wäh­rend sich die ver­schie­denen Flügel der herr­schenden Eliten über die Not­wen­dig­keit von Spar­maß­nahmen einig sind, ruft die Ver­schär­fung der Krise hef­tige natio­nale und poli­ti­sche Kon­flikte zwi­schen ihnen hervor.

Eine aggres­sive Min­der­heit for­dert die Abschaf­fung des Euro und der Euro­päi­schen Union. Zu ihr zählen sowohl rechte natio­na­lis­ti­sche Strö­mungen (wie der Front National in Frank­reich, die Lega Nord in Ita­lien, die UK Inde­pen­dent Party in Groß­bri­tan­nien und Ex-​BDI-​Chef Hans-​Olaf Henkel in Deutsch­land) als auch pseu­do­linke klein­bür­ger­liche Strömungen.

Ein typi­scher Ver­treter der letz­teren ist Pro­fessor Costas Lapa­vitsas von der School of Ori­ental and African Stu­dies an der Uni­ver­sity of London, der regel­mäßig im bri­ti­schen Guar­dian und in Publi­ka­tionen wie Inter­na­tional View­point und Marx21 schreibt. Lapa­vitsas wirbt für die Rück­kehr Grie­chen­lands zur Drachme.

Er begründet dies mit dem Argu­ment, das Land könne so wieder Herr über seine eigene Geld­po­litik werden, die Wäh­rung abwerten, den Export stei­gern und einen Wirt­schafts­auf­schwung her­bei­führen. Pro­fessor Lapa­vitsas schlägt also vor, die grie­chi­sche Arbei­ter­klasse nicht durch das Spar­diktat der Troika ins Elend zu treiben, son­dern Löhne, Renten und Erspar­nisse durch eine infla­tio­näre Politik zu ent­werten – was im End­ef­fekt die­selben Aus­wir­kungen hätte.

Lapa­vitsas‘ Vor­schlag läuft auf eine Bal­ka­ni­sie­rung Europas hinaus, das wirt­schaft­lich eng ver­flochten ist. Die Folgen einer sol­chen Ent­wick­lung wären ähnlich kata­stro­phal wie die Auf­lö­sung Jugo­sla­wiens in den 1990er Jahren: Sie würde hef­tige bewaff­nete Kon­flikte um Grenzen und Eigentum, eth­ni­sche Säu­be­rungen und Bür­ger­kriege auslösen.

Selbst die Schweizer Groß­bank UBS warnt in einer Studie über die Folgen eines mög­li­chen Aus­tritts Grie­chen­lands aus der Euro­zone: „Es ist beach­tens­wert, dass kaum eine moderne Wäh­rungs­union geschei­tert ist, ohne dass es zu einer Form von auto­ri­tärem oder Mili­tär­re­gime oder zu einem Bür­ger­krieg kam.“

Aus den kata­stro­phalen Folgen, die eine Bal­ka­ni­sie­rung Europas nach sich zöge, folgt aller­dings nicht, dass wir den Euro und die Euro­päi­sche Union ver­tei­digen. Die Behaup­tung, die EU sei gleich­be­deu­tend mit der Ver­ei­ni­gung Europas, war stets eine Lüge. Die Auf­gabe der EU ist nicht die Über­win­dung der ökono­mi­schen, natio­nalen und sozialen Gegen­sätze, son­dern die Stär­kung der euro­päi­schen Kon­zerne im glo­balen Konkurrenzkampf.

Zu diesem Zweck erhöht sie die Macht der größten euro­päi­schen Kon­zerne und Wirt­schafts­gruppen, wäh­rend sie gleich­zeitig die Löhne und Sozi­al­stan­dards senkt, die Lebens­grund­lage der arbei­tenden Bevöl­ke­rung zer­stört und ganze Länder in den Bank­rott treibt. Im End­ef­fekt führt dies eben­falls zum Aus­ein­an­der­bre­chen Europas.

Das Thema „Stär­kung des euro­päi­schen Kapi­tals im glo­balen Kon­kur­renz­kampf“ durch­zieht sämt­liche Debatten über die Euro­päi­sche Union. So for­mu­lierte ein EU-​Gipfel in Lis­sabon zur Jahr­tau­send­wende das Ziel, „die Union zum wett­be­werbs­fä­higsten und dyna­mischsten wis­sens­ba­sierten Wirt­schafts­raum der Welt zu machen“.

Es blieb Pro­pa­gan­disten wie dem Phi­lo­so­phen Jürgen Habermas, dem His­to­riker Hein­rich August Winkler oder dem Grünen Joschka Fischer über­lassen, die EU als Krö­nung einer langen Ent­wick­lung in Rich­tung euro­päi­scher Har­monie und Demo­kratie darzustellen.

Auch die viel­fach pro­pa­gierte Vor­stel­lung, die Ein­füh­rung einer gemein­samen Wäh­rung werde auto­ma­tisch zur Abschwä­chung der Gegen­sätze in Europa führen, hat sich als Illu­sion erwiesen. In Wirk­lich­keit ist das Gegen­teil geschehen, die Gegen­sätze haben zugenommen.

Die deut­sche Wirt­schaft hat am stärksten vom Euro pro­fi­tiert und ihre domi­nie­rende Stel­lung aus­ge­baut, wäh­rend schwache Staaten noch schwä­cher wurden. Die deut­sche Indus­trie hat ihre Exporte seit Ein­füh­rung des Euro mehr als ver­dop­pelt. 2007 erzielte sie einen Außen­han­dels­über­schuss von nahezu 200 Mil­li­arden Euro. Neun­zehn von 27 EU-​Mitgliedern ver­zeich­neten dagegen ein Außenhandelsdefizit.

Der Euro hat dafür gesorgt, dass die deut­sche Wäh­rung stabil und sowohl im euro­päi­schen wie im inter­na­tio­nalen Maß­stab niedrig bewertet blieb, was für die deut­sche Export­wirt­schaft von großem Vor­teil war. Bei Bei­be­hal­tung der D-​Mark wäre deren Kurs dagegen deut­lich angestiegen.

Für die wirt­schaft­lich schwä­cheren Länder Süd– und Ost­eu­ropas hatte die Ein­füh­rung des Euro die gegen­tei­lige Wir­kung. Indus­trie und Handel konnten nicht mit den Importen aus den stär­keren Mit­glieds­län­dern kon­kur­rieren. Die Preise – und in gerin­gerem Maße auch die Löhne – stiegen und unter­höhlten die Wett­be­werbs­fä­hig­keit zusätz­lich. Anders als früher konnte das nicht mehr durch eine Abwer­tung der natio­nalen Wäh­rungen aus­ge­gli­chen werden.

Die sich öffnende Schere war nicht sofort sichtbar. Die Ein­füh­rung des Euro ver­schaffte den schwä­cheren Län­dern Zugang zu zins­güns­tigen Kre­diten. In Spa­nien und Irland löste dies einen Bau– und Spe­ku­la­ti­ons­boom aus. Davon pro­fi­tierten aller­dings nur die Ober­schicht und Teile der Mit­tel­schichten, wäh­rend der Euro für die Arbei­ter­klasse von Anfang an Teue­rung und für kleine Betriebe über­mäch­tige Kon­kur­renz bedeu­tete. Mit der inter­na­tio­nalen Finanz­krise ist dieser Boom geplatzt.

Zahl­reiche Sta­tis­tiken belegen, wie tief die sozialen und ökono­mi­schen Gegen­sätze inner­halb der Euro­päi­schen Union nach zehn Jahren Euro sind. So schwankt das durch­schnitt­liche Jah­res­ein­kommen in einem grö­ßeren Betrieb um mehr als das Zwan­zig­fache – zwi­schen 43.000 Euro in Däne­mark und 1.900 Euro in Bul­ga­rien (2006). Grie­chen­land und Spa­nien liegen mit 20.000 Euro im Mittelfeld.

Die Finanz­krise des Jahres 2008 hat diese Gegen­sätze offen auf­bre­chen lassen. Euro­päi­sche Banken waren stark betroffen. Sie hatten große Summen in US-​Schrottimmobilien ange­legt, In Spa­nien platzte die Immo­bi­li­en­blase und in Irland ging das Ban­ken­system Pleite. Die euro­päi­schen Regie­rungen rea­gierten, indem sie in gigan­ti­schem Ausmaß öffent­liche Mittel zur Ret­tung der Banken und zur Ankur­be­lung der Kon­junktur einsetzten.

Das ist einer der Haupt­gründe für das Ansteigen der Staats­schulden. So ist die Gesamt­ver­schul­dung des iri­schen Staats inner­halb kurzer Zeit von 25 auf 100 Pro­zent des BIP gestiegen, weil die Regie­rung eine Garantie für sämt­liche Spe­ku­la­ti­ons­ver­luste der Banken über­nahm. Jetzt nutzen die Finanz­märkte die öffent­li­chen Gelder, mit denen die Banken gerettet wurden, um gegen die Staaten zu spe­ku­lieren, die sich durch die Ban­ken­ret­tung ver­schuldet haben. Die inneren Gegen­sätze und die relativ hohe Staats­quote machen Europa dafür beson­ders anfällig.

Alle eta­blierten Par­teien ein­schließ­lich der Gewerk­schaften for­dern jetzt, dass die Arbei­ter­klasse Opfer für den Erhalt der Euro­päi­schen Union und die Ret­tung des Euro bringe. Wir lehnen das kate­go­risch ab. An der EU und ihren Insti­tu­tionen gibt es nichts Fort­schritt­li­ches und Ver­tei­di­gens­wertes. Wir lassen uns nicht von der Dro­hung ein­schüch­tern, ein Schei­tern der EU hätte fürch­ter­liche Konsequenzen.

Bal­ka­ni­sie­rung (die Zer­schla­gung der EU in ihre ein­zelnen Bestand­teile) und Aus­te­rität (die „Ret­tung“ der EU durch Sozi­al­kür­zungen und Lohn­abbau) sind ledig­lich zwei unter­schied­liche Stra­te­gien, mit denen das Finanz­ka­pital die Arbei­ter­klasse angreift. Es ist nicht unsere Auf­gabe, in diesem Kon­flikt das eine oder andere bür­ger­liche Lager zu unter­stützen. Darauf läuft aber die gesamte Politik der pseu­do­linken Orga­ni­sa­tionen hinaus, die sich heftig dar­über streiten, ob sie sich den EU-​Befürwortern oder den EU-​Gegnern in der herr­schenden Klasse anschließen sollen.

Wir treten für eine unab­hän­gige Per­spek­tive ein, die es der Arbei­ter­klasse erlaubt, selb­ständig ins poli­ti­sche Geschehen ein­zu­greifen. In ihrem Mit­tel­punkt steht die Ver­ei­ni­gung der euro­päi­schen Arbei­ter­klasse im Kampf für ein sozia­lis­ti­sches Programm.

Ohne Über­win­dung der Klein­staa­terei Europas kann sich das ökono­mi­sche und kul­tu­relle Poten­tial des Kon­ti­nents im Zeit­alter der Welt­wirt­schaft nicht ent­wi­ckeln. Doch unter kapi­ta­lis­ti­schen Bedin­gungen ist eine solche Ver­ei­ni­gung undenkbar.

Leo Trotzki hatte schon zu Beginn des ver­gan­genen Jahr­hun­derts darauf hin­ge­wiesen, dass die Bour­geoisie orga­nisch unfähig ist, Europa zu ver­einen. Die einzig denk­bare Form der „Ein­heit“ ist für sie die Unter­wer­fung der schwä­cheren Nationen unter die stärkste, wie es Deutsch­land im Ersten und im Zweiten Welt­krieg erfolglos ver­sucht hatte.

Trotzkis Ana­lyse wird durch die heu­tige Krise bestä­tigt. Die Euro­päi­sche Union ist zum Syn­onym für die Zer­stö­rung der Lebens­grund­lagen der arbei­tenden Bevöl­ke­rung geworden und stößt überall auf Empö­rung, Abwehr und Hass. Die einzig denk­bare Form, in der Europa wirk­lich ver­eint werden kann, sind Ver­ei­nigte Sozia­lis­ti­sche Staaten von Europa: eine Föde­ra­tion von Arbei­ter­re­gie­rungen, die die großen Banken, Kon­zerne und Ver­mögen ent­eignen und in den Dienst der Gesell­schaft, statt des pri­vaten Pro­fits stellen.

Haus­halts­dis­zi­plin oder Geldschwemme

Neben der Hal­tung zur EU ist auch die Finanz­po­litik inner­halb der herr­schenden Schichten heftig umstritten. Wäh­rend vor allem die deut­sche Regie­rung auf einer rigiden fis­ka­li­schen Dis­zi­plin besteht, ver­langen die ame­ri­ka­ni­sche, die bri­ti­sche und teil­weise auch die fran­zö­si­sche Regie­rung eine frei­gie­bi­gere öffent­liche Finanz­po­litik. Sie wollen den Zins­druck auf hoch­ver­schul­dete Länder durch die Auf­lage von Euro­bonds lin­dern und die Liqui­di­täts­pro­bleme der Banken beheben, indem die Euro­päi­sche Zen­tral­bank Geld druckt.

Dabei geht es nicht um Arbeits­be­schaf­fungs­maß­nahmen, Infra­struk­tur­pro­jekte und andere Maß­nahmen, wie sie die ame­ri­ka­ni­sche Roosevelt-​Administration in den 1930er Jahren im Rahmen des „New Deal“ ergriffen hatte, son­dern aus­schließ­lich um mehr Geld für die Banken. Alle Befür­worter einer groß­zü­gi­geren Geld­po­litik for­dern gleich­zeitig Ein­spa­rungen bei den öffent­li­chen Ausgaben.

Auch in dieser Frage stellen wir uns nicht auf die Seite des einen oder anderen bür­ger­li­chen Lagers. Das ist die Politik der SPD, der Grünen und der Links­partei in Deutsch­land, die alle für Euro­bonds und für eine groß­zü­gi­gere Geld­po­litik der Euro­päi­schen Zen­tral­bank ein­treten. Trotzki hatte in den 1930er Jahren in seinem „Akti­ons­pro­gramm für Frank­reich“ zu einer sehr ähnlich gela­gerten Frage Stel­lung genommen. Er schrieb damals:

„Bei dem Ver­such, sich aus dem Chaos zu erheben, in das sie das Land gestürzt hat, muss die fran­zö­si­sche Bour­geoisie zuerst das Geld­pro­blem lösen.

Eine Frak­tion will das durch Infla­tion, d.h. Aus­gabe von Papier­geld, Ent­wer­tung der Löhne, Anhe­bung der Lebens­hal­tungs­kosten, Ver­ar­mung der Klein­bour­geoisie, errei­chen; eine andere durch Defla­tion, d.h. Ein­schrän­kung auf dem Rücken der Arbeiter (Sen­kung der Gehälter und Löhne), Aus­deh­nung der Arbeits­lo­sig­keit, Ruin der kleinen bäu­er­li­chen Pro­du­zenten und der Klein­bour­geoisie in den Städten.

Beide alter­na­tiven Mittel würden das Elend für die Aus­ge­beu­teten ver­mehren. Zwi­schen diesen beiden kapi­ta­lis­ti­schen Methoden zu wählen, hieße, zwi­schen zwei Instru­menten zu wählen, mit denen die Aus­beuter sich darauf vor­be­reiten, die Kehle der Arbeiter durchzuschneiden. (…)

Dem Pro­gramm der Defla­tion, dem Abbau ihrer Exis­tenz­be­din­gungen, müssen die Arbeiter ihr eigenes Pro­gramm der grund­le­genden Umwand­lung der sozialen Ver­hält­nisse ent­ge­gen­setzen durch voll­stän­dige ‚Defla­tion‘ aller Pri­vi­le­gien und Pro­fite der Banden der Oustrics und Sta­wiskys [Spe­ku­lanten], die das Land aus­beuten! Das ist der ein­zige Weg zur Rettung!“

Quelle: World Socia­list Web Site

Hin­weis: Der 1.Teil des Arti­kels ist hier zu finden.

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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gelesen: 175 · heute: 3 · zuletzt: 20. Mai 2012

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