QR Code Business Card

Der König ist tot, es lebe der …

Dienstag, 21. Februar 2012-18:10 -|- Eingestellt von: |

Von Gert Fle­gels­kamp | Flegel 20.2.12 | — Die Über­schriften dieser letzten 4 Tage müssten lauten: Nu isser wech! Nu ham mern doch! Nu isser wech bezieht sich auf Wulff, der sich offenbar über­schätzt hat. Er hat nicht die Qua­li­täten eines Helmut Kohl, alles aus­zu­sitzen. Als die Staats­an­walt­schaft an seiner Immu­nität zu nagen begann, hat er aufgegeben.

Aber er hat ja auch schon vorher falsch rea­giert, indem er ver­sucht hat, sich zu recht­fer­tigen. Warum hat er nicht ein­fach gesagt, er könne dazu nichts sagen, denn er habe seinen Freunden sein Ehren­wort gegeben?

Nun habe ich in der Presse oft gelesen, Wulff habe dem Amt des Bun­des­prä­si­denten schweren Schaden zuge­fügt. Wenn die Presse das schreibt, ver­stehe ich das ja noch. Schließ­lich schreibt sie, was wir denken sollen und zwar sehr erfolg­reich, denn auch in den Leser­kom­men­taren habe ich das oft gelesen.

Warum, so frage ich mich, for­dern wir nicht end­lich, wieder einen König zu bekommen? Denn die Beschä­di­gung eines Amtes ist ein Relikt aus den Zeiten des Feu­da­lismus, in der ein Amt Teil der Aura seiner aller­gnä­digsten Majestät war.

In einer Demo­kratie aller­dings sollte jede Form eines Amtes nicht mehr sein, als Bestand­teil einer ver­wal­tungs­tech­ni­schen Ein­rich­tung ähnlich einem Baum. Den Wald schert auch nicht, wel­ches Tier sich an wel­chem Baum schub­bert. Aus­ge­nommen natür­lich, das Tier ist ein Mensch mit buntem Helm, Keilen und Kettensäge.

Der arme Wulff. In der Presse (ZEIT) habe ich gelesen, dass der arme Kerl sich von ganz unten hoch­ge­ar­beitet hat. Wäh­rend seines Stu­diums sah man ihn büf­feln, wäh­rend seine Stu­di­en­kol­legen fei­erten oder sich mit Stu­di­en­kol­le­ginnen amü­sierten. Was muss der Schreiber oder die Schrei­berin nur für Finger haben, um sich solche Texte daraus zu saugen?

Es hat eher Sel­ten­heits­wert, dass Stu­die­rende von "ganz unten" kommen und auf Wulf traf das in keinem Fall zu, denn dessen Vater war Jurist. Halt, das gibt mir zu denken! Wollte der Schreiber– die Schrei­berin — damit etwas völlig anderes aus­drü­cken, so eine Art sub­tile Gesell­schafts­kritik? Nein, ich denke nicht. Ich denke, das war eher eine übliche Art schwüls­tiger und gleich­zeitig nichts­sa­gender Kom­mentar, um die vor­ge­schriebe Zahl der Wörter oder Zei­chen für einen Pres­se­ar­tikel zusammen zu bekommen.

Auch das "büf­feln", wenn andere fei­erten, deutet eher auf eine weniger schnelle Auf­fas­sungs­gabe hin, denn auf beson­deren Fleiß. Man kennt das doch aus anderen Fällen, in denen die Eltern gegen­über ihren Kin­dern eine Erwar­tungs­hal­tung an den Tag legen, die diese nicht unbe­dingt erfüllen können.

Der Medi­ziner, dessen Sohn oder Tochter nun auch Medizin stu­dieren muss, der Jurist, dessen Sohn oder Tochter nun auch Jurist werden muss, ohne Rück­sicht darauf, ob das dem Nach­wuchs nun gefällt oder nicht und ob dafür über­haupt die Eig­nung vor­handen ist. Und da würde ich das zusätz­liche Büf­feln im Ver­gleich zu Wulffs Stu­di­en­kol­legen eher ver­orten wollen, denn in meinen Augen war Wulff immer ein blasser Typ. Ver­mut­lich wäre er auch in der Politik nicht nach vorne gekommen, wäre er nicht das Pro­tegé von Kohl gewesen.

Wie auch immer, dank Merkel wurde er Bun­des­prä­si­dent und damit der erste Mann im Staate. Auch so eine schwüls­tige und unstim­mige For­mu­lie­rung, denn seine Funk­tion wird dieser Aus­sage nicht gerecht.

Er reprä­sen­tiert, was man auch so über­setzen könnte, dass er ver­sucht, seinen aus­län­di­schen Gästen ein Bild dieses Landes zu ver­mit­teln, das fernab der Rea­lität ist. Gele­gent­lich ver­an­staltet er Partys, auf denen die Leute zusam­men­ge­bracht werden, die sich gegen­seitig "befruchten", also z. B. Wirt­schafts– und Bank­ma­nager mit Poli­ti­kern und höheren Beamten, mit der das Prinzip der sich gegen­seitig waschenden Hände zum Gegen­teil einer Rei­ni­gung wird.

Des­halb war Wulff ja eigent­lich der rich­tige Mann für den Posten, denn darin hatte er schon ein wenig Erfah­rung. Doch nu isser wech und des­halb kann man nun sagen: "nu ham mern doch", näm­lich den Gauck, den Bun­des­prä­si­denten der Herzen, wie die Presse und vor allem die BILD weiß. Ich scheine kein Herz zu haben, denn trotz eif­riger Suche habe ich Gauck dort nicht gefunden.

Lt. einer von BILD in Auf­trag gege­benen reprä­sen­ta­tiven Umfrage, wünschten sich 54% der Deut­schen Gauck als Bun­des­prä­si­dent. Hätte BILD mich gefragt, wären es ver­mut­lich nur noch 53,5% gewesen, denn bei reprä­sen­ta­tiven Umfragen werden in der Regel ca. 1.000 Leute befragt und das Ergebnis durch Hoch­rech­nung auf die ca. 60 Mil­lionen Erwach­senen übertragen.

Schum­meln geht dabei nicht, denn diese Umfragen sind ja reprä­sen­tativ. Wie die Zusam­men­stel­lung einer sol­chen Umfrage ist, weiß ich natür­lich nicht. Ich muss also meine Phan­tasie benützen. Man befragt:

  • 5% Arbeits­lose, die regel­mäßig BILD lesen

  • 5% Arbeit­nehmer mit einem Ein­kommen unter­halb Hartz IV-​Niveau, die regel­mäßig BILD lesen

  • 20% sons­tige Arbeit­nehmer, die regel­mäßig BILD lesen

  • 20% Frei­be­rufler (Ärzte, Apo­theker, Juristen usw.), die regel­mäßig BILD lesen

  • 15% Beamte, die regel­mäßig BILD lesen

  • 15% Rentner, die regel­mäßig BILD lesen

  • 10% Lan­des­po­li­tiker, die regel­mäßig BILD lesen

  • 10% Bun­des­po­li­tiker, die regel­mäßig BILD lesen

Doch wie gesagt, diese Zusam­men­set­zung ent­springt nur meiner Phan­tasie und ist des­halb nicht ganz so repräsentativ.

46% der Deut­schen sind offenbar herzlos, denn sonst hätten sie auch für Gauck gestimmt. Aller­dings frage ich mich, was wissen wir eigent­lich über diesen Mann? Eine Frage, die sich sowohl Befür­worter als auch Gegner stellen sollten. Ich kann das nur für mich beant­worten: Eigent­lich nichts. Ich weiß, dass er Theo­loge ist und das gibt bei mir Abzüge, weil diese Leute in der Regel pre­digen und meist Dinge, an die sie sich selbst nicht halten.

Aller­dings ist diese Fähig­keit für einen Bun­des­prä­si­denten wieder von Vor­teil, denn wenn er sich einmal im Jahr an das dumme Volk wendet, ange­sichts des anste­henden Weih­nachts­festes, dann ist das ja auch eine Pre­digt und wir alle wissen, dass die Hin­wen­dung zu Gott bei den meisten Poli­ti­kern beson­ders aus­ge­prägt ist, vor allem bei unserer mehr­heit­lich christ­li­chen Regierung.

Ansonsten habe ich gele­gent­lich mal Aus­sagen von ihm gelesen, über die Dumm­heit von Demons­tranten, über seine Ansichten zum deut­schen Mili­tär­ein­satz in Afgha­nistan und über seine Ansichten zu den Soli­dar­sys­temen, mit denen ich mein Nein zu seiner Wahl durchaus begründen kann.

Ande­rer­seits ist es mir eigent­lich egal, denn seine Weih­nachts­an­sprache tue ich mir ohnehin nicht an und ansonsten bewirkt er ohnehin nicht viel. Er tut, was alle anderen vor ihm auch taten. Näm­lich seine Unter­schrift unter Gesetze setzen, die eigent­lich mit einer Demo­kratie nicht in Ein­klang zu bringen sind und das dürfte der Haupt­grund sein, warum Angela Merkel dieses Mal seiner Wahl zuge­stimmt hat. Bei der letzten Wahl war es eine Frage des Macht­be­weises, dieses Mal ist es wohl vor allem bereits Wahltaktik.

So glaubt der dumme Wähler, dass sie mit ihrer Zustim­mung zu Gauck Ein­sicht zeigt, eine Eigen­schaft, die man von Kanz­lern nicht kennt. Und was weiß der dumme Wähler schon von Taktik, vor allem dann, wenn man nie­manden sonst an der Hand hat, der Zustim­mung in der Bevöl­ke­rung findet.

Was weiß der Wähler schon von der Zusam­men­set­zung der Bun­des­ver­samm­lung und von der inzwi­schen nur noch hauch­dünnen Mehr­heit, die Merkel dort hat? Dank Schwenk der FDP hätte sie ohnehin keinen eigenen Kan­di­daten mehr durchgebracht.

Wenn ich vom dummen Wähler spreche, dann meine ich das auch so, denn damit meine ich die Wähler, die CDU/​CSU, FDP, SPD oder Grüne wählen. Pis­pers hat das mal sehr schön zum Aus­druck gebracht. Er hat gesagt, 80% der Deut­schen sei für den Min­dest­lohn, 80% der Deut­schen sei gegen den Ein­satz deut­scher Truppen in Afgha­nistan, 80% der Deut­schen wollten die schlimmsten Aus­wir­kungen der Hartz-​Reform rück­gängig machen, aber nur 14% würden die Partei wählen, die all die Themen in dieser Form verlangt.

Das war 2008 oder 2009, jetzt wählen gerade noch 6 oder 7% diese Partei. Und Pis­pers hat recht. Der Rest der Wähler weiß, dass er immer wieder die Par­teien wählt, die all das zu ver­ant­worten haben. Richtig, da sind ja noch die Nicht­wähler, Aber die wählen auch diese Par­teien, eben des­halb, weil sie nicht wählen gehen. Denn je mehr Men­schen nicht wählen gehen, umso höher fallen die pro­zen­tualen Ergeb­nisse der gewählten Par­teien aus.

So gesehen ist mir die Wahl von Gauck zum Bun­des­prä­si­denten völlig gleich­gültig. Hätte ich im frühen Mit­tel­alter gelebt und eine Schiffs­tour unter­nehmen müssen, hätte ich mich von der See­tüch­tig­keit des Bootes über­zeugt und die am Bug ange­brachte Gali­ons­figur wäre mir dabei völlig gleich­gültig gewesen.

Und das ist Gauck nun für Deutsch­land, eine Gali­ons­figur, die gele­gent­lich fromme Sprüche ablässt, mehr nicht.

Quelle: Flegel (Gert Flegelskamp)

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Parteien u. Politiker « | Tags » , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 454 · heute: 3 · zuletzt: 19. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.