Der Verfassungsschutz: Das Schild und Schwert der CSU
Samstag, 04. Februar 2012-18:03 -|- Eingestellt von: Julie |
Ein Gastbeitrag von René Lindenau | — Das „Sturmgeschütz der Demokratie“ der SPIEGEL musste in seiner Ausgabe 4/2012 melden, das die Hohlladung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), 27 von 76 Abgeordneten der Linksfraktion im Bundestag durch seinen Verfassungsschutz (VS) beobachten lässt. In manchen Bundesländern ist man noch dreister und greift zu nachrichtendienstlichen Mitteln.
Nun ist es raus, was eigentlich nicht wirklich überraschen kann. Ist doch längst bekannt, das Verfassungsschützer ihr linkes Auge auf die PDS/LINKE geworfen haben. Von tatsächlich neuer Qualität ist nur, das frei gewählte, viele davon im allgemeinen als bislang unverdächtig geltende Abgeordnete, jetzt auch in das Visier des staatlichen Schnüffelorgans geraten sind.
Doch diese einseitige Belastung, man hat ja auch ein rechtes, hat die geheimdienstlichen Verfassungshüter schlicht übersehen lassen, das über zehn Jahre ungestört Nazi-Mordbrenner auf Deutschland-Tour waren. Statt diese Auftritte zu unterbinden sponsorte man sie sogar : Die Sicherheitsbehörden, der Verfassungsschutz als einer ihrer Mitläufer (?) in ganz neuer Rolle – als „Künstler-Agentur“ zu Diensten von NSU, NPD, Thüringer Heimatschutz u.s.w..
Und nun das: Zu einem Zeitpunkt, da das Versagen der Sicherheitsbehörden, einschließlich des Verfassungsschutzes in der Bekämpfung des Rechtsextremismus offenbar wurde, markantester Ausdruck dessen, war ist ja jene braune Zwickauer Zell-Gemeinschaft (NSU), da wird bekannt, das eine Reihe von LINKEN-Bundestagsabgeordneten dem Kontrollzwang und Verfolgungswahn durch einige fehlgeleitete VS-Mitarbeiter ausgesetzt sind.
Zum Anforderungsprofil dieser 7 – 8 ganz speziellen Verfassungsschützer gehören Horch-und Guck Fähigkeiten sowie das Lesen und Ausschneiden von Zeitungen. Da basteln sie nun mit einem steuerfinanzierten Aufwand von ca. 400.000 Euro jährlich ihren Rettungsschirm für die Demokratie. Und das mitten in der Finanzkrise!
Sind das nicht echte Schnäppchen-Demokraten? Dabei scheint ihr Dienstherr, Innenminister Friedrich (CSU) auch noch nichts von Gewaltenteilung gehört zu haben; Exekutive und Legislative. Hat der Minister mit christlich-sozialen Hintergrund neben rechter Sehschwäche auch noch Hörprobleme?
Wie erklärt man man es einem schlichten Gemüt vom bayerischen Weißwurstäquator?: Den Produzenten einer Weißwurst kann man nicht gleichzeitig für ihre Kontrolle verantwortlich machen.
Auf Antrag der Linksfraktion beschäftigte sich am 26. Januar 2012 der Bundestag in einer Aktuellen Stunde mit dem merkwürdigen wie unwürdigen Amts-und Dienstverständnis des CSU-Ministers und seines Schutz-und Sicherheitsorgans (VS).
Zu seiner Rechtfertigung brachte der Innenminister vor, Auftrag dieses Nachrichtendienstes (VS) ist es auch, die Bevölkerung und die Wählerinnen und Wähler darüber zu informieren, was sich in extremistischen Parteien und Organisationen tut. Da stellt sich doch Frage: Ist der Minister des Innern wirklich so dumm, oder tut er nur so? Denn kaum eine andere Partei ist für ihre Mitglieder, aber auch für die gesamte Öffentlichkeit so transparent wie DIE LINKE.
Jeder LINKE-Wähler, oder an der Politik der Partei interessierte hat die Möglichkeit, sich aus erster Hand in ihren Büros und Geschäftsstellen zu informieren. Dafür braucht es keinen Verfassungsschutz, es sei denn man sucht Gründe, um ihn abzuschaffen. Bitte, das wäre einer…!
Des weiteren verstolperte sich das „verfassungsschützende“ CSU-Gaul in Attacken gegen das Marxistische Forum und die Kommunistische Plattform, wobei er kritisierte, das sich LINKE-Spitzenpolitiker nicht von ihnen distanzieren mochten. Ein lahmer Ritt, war das Herr Friedrich: Denn der Pluralismus ist für DIE LINKE ein zu hohes Gut, das sie auch gegenüber von Engstirnigkeiten und begrenzten Horizonten verteidigen wird.
Ein Unionsredner warf der Linkspartei in dieser Aktuellen Stunde, das Bekenntnis zum demokratischen Sozialismus vor. Die Jahre der Großen Koalition (2005 – 2009) scheinen an dem Mann vorbeigegangen zu sein. Dort haben CDU/CSU sozusagen mit einer verfassungsfeindlichen Partei, der SPD regiert, denn auch sie steht programmatisch für einen demokratischen Sozialismus. Wo war da der Verfassungsschutz?
Zudem ist auffallend das jene bildungsfernen Schichten der politischen Klasse, allen voran ihr Klassensprecher Hans-Peter Friedrich, noch immer nicht den Unterschied von einem autoritären Staatssozialismus und einem demokratischen Sozialismus (für den DIE LINKE steht) begriffen haben.
Von geradezu wiederkäuender Natur, damit kennt man sich ja besonders in der bayerischen Heimat des Innenministers aus, sind Forderungen an die Linkspartei, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und sich vom „Unrechtsstaat“ DDR zu distanzieren.
Von Wiederkäuer zu Wiederkäuer die Antwort: Das Scheitern des knapp 40 Jahre dauernden Sozialismusversuchs in der DDR war in der PDS/LINKE immer Gegenstand von kritischer Auseinandersetzung. Das ist alles dokumentiert und somit nachlesbar. Man muss es nur wollen. Bei allen Fehlern, Versäumnissen, Defiziten und Verbrechen, die man der DDR vorwerfen kann und muss, sie pauschal als Unrechtsstaat abzutun geht an der geschichtlichen Wahrheit vorbei.
Denn das Unrecht, das es in ihr gab, war nur ein Teil von ihr. Auf einigen Rechtsgebieten war die DDR der BRD einige Schritte voraus. Und in nicht unwichtigen Bereichen der Gesellschaftspolitik hat die DDR trotz aller Härten Bemerkenswertes erreicht. Schließlich geht es bei diesem Streitpunkt schlicht auch mal darum, die erbrachte Lebensleistung der DDR-Bürger (nicht der Funktionäre) anzuerkennen.
Auch folgendes wäre noch zu konstatieren: Die übrig gebliebenen kalten Krieger, die nun glauben die Linkspartei mit verfassungsschützenden Mitteln bekämpfen zu müssen, haben in den letzten Jahren einige verfassungswidrige Gesetze zu verantworten. Der Artikel 20, Grundgesetz definiert die Bundesrepublik als demokratischen und sozialen Bundesstaat. Angefangen mit ROT-GRÜN unter Gerhard Schröder und danach unter Angela Merkel haben alle anderen Parteien unter kräftiger Mittäterschaft der CSU viel dafür getan, um Demokratie und Sozialstaat abzubauen.
Nur DIE LINKE stand mit ihrem Widerstand allein. Laut Grundgesetz (auch Art.20) geht alle Staatsgewalt vom Volke aus. Doch die Verfassungswirklichkeit ist, das der Einfluss illegitimer Lobbyisten, derart zugenommen hat, so das man das man inzwischen von einer Republik der Lobbyisten mit hohen Bananenanteil reden muss.
Auf dem Parlamentsfluren stand DIE LINKE mit ihrem Widerstand gegen diesen, vor allem von Union und FDP forcierten undemokratischen Trend, wieder allein. Außerdem sollten die Möchtegern-Verfassungsschützer und ihre parteigebundenen Sprachrohre mal zur Kenntnis nehmen, das die PDS nach dem politischen Umbruch maßgeblich an der Erarbeitung der Verfassungen der neuen Länder beteiligt war.
Sie war also vielfach Verfassungspartei. Beispielhaft dafür, sei die brandenburgische PDS genannt.Vor allem ihrem Engagement war es z.B zu danken, das die Verankerung von Elementen der direkten Demokratie gelang. Und die direkte Demokratie dürfte Herr Friedrich auch aus der bayerischen Verfassung kennen.
Hat das je den bayerischen Verfassungsschutz aktiv werden lassen? Nein! Aber warum bei den LINKEN? Sie will den Systemwechsel — ja. Hin zu einer solidarischen und demokratischen Gesellschaft. Ein Streben, das dem Geist des Grundgesetz nicht widerspricht. Denn es ist offen formuliert: Gesellschaftssystem und Wirtschaftsordnung sind nicht vorgegeben. Es gibt also Gestaltungsspielraum und Platz für Alternativen. Wenn man das Grundgesetz kennen würde, wüsste man das.
Knapp eine Woche nach besagter SPIEGEL-Meldung und erwähnter Bundestagsdebatte meldete sich noch eine andere CSU-Knallcharge zu Wort. Ihr Generalsekretär Alexander Dobrindt ging gar soweit, gleich ein Verbotsverfahren gegen DIE LINKE zu fordern, während seine Partei gleichzeitig ein Verbot der NPD blockiert.
Wirklich: Manches muss man nicht mehr kommentieren, das kommentiert sich ganz von selbst.
© René Lindenau
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung von Mein Politikblog wiedergeben.
Quelle: via eMail an Mein Politikblog. Dankeschön, René !
Anmerkung: René Lindenau schreibt auch für die linke Kreiszeitung “Cottbuser Herzblatt”.
Beitragsdetails
Kategorie » Parteien u. Politiker, Überwachung/Zensur, Verfassung « | Tags » Beobachtung, CSU, Die Linke, Dobrindt, Linkspartei, Überwachung, Verbotsverfahren, Verfassungsschutz, VS «
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