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Der Weltfinanzkrieg: Die Vier Zonen der Ökonomie

Freitag, 11. Juni 2010-13:35 -|- Eingestellt von: |

Von Daniel Neun | Radio Utopie | — Wäh­rend sich um Nord­korea, Iran, Grie­chen­land, Spa­nien und wei­teren Fel­dern auf dem Monopoly-​Feld Erde künst­lich geschaf­fene mili­tä­ri­sche oder finan­zi­elle Krisen abspielten, ging am 25. Mai in Peking das Treffen der Staats­füh­rung Chinas mit einer hoch­ran­gigen Dele­ga­tion aus den USA zuende.

Dieser Dele­ga­tion der USA hatten neben dem Chef der Zen­tral­bank Ben Bern­anke, Aus­sen­mi­nis­terin Hil­lary Clinton, Finanz­mi­nister Timothy Geithner, Han­dels­mi­nister Gary Locke, noch 200 wei­tere hoch­ran­gige Beamte und Mili­tärs ange­hört, dar­unter der Leiter des Pazi­fik­kom­mandos (Pacom), Admiral Robert Wil­lard.

Die US-​Delegation schei­terte in dem Ver­such, Chinas Regime zur Auf­wer­tung seiner Wäh­rung Yuan, sowie zur Ent­kopp­lung des Yuan-​Wechselkurses vom Dollar zu zwingen (1, 2). Das bedeutet im Falle der Bei­be­hal­tung dieses Status Quo der Wäh­rungs­ver­hält­nisse, dass sich der wirt­schaft­liche, poli­ti­sche und soziale Ver­fall inner­halb der Wäh­rungs­zonen Dollar, Euro, Yen, bri­ti­schem Pfund, etc, weiter fort­setzen und beschleu­nigen wird.

Man kann die Welt grob in 4 ökono­mi­sche Zonen auf­teilen. Gegen­sei­tige Wech-​selwirkungen, sowie Aufbau und Funk­tion ihrer jewei­ligen Währungszone(n) ergeben sich aus dem welt­weiten Geldsystem.

Zen­trum. Es kon­trol­liert das welt­weite Geld­system und dessen Leit­wäh­rung. Für seine Leit­wäh­rung bekommt es Waren und Pro­dukte aus der Han­dels­zone und Tri­but­zah­lungen aus der Tri­but­zone, welche seine Wäh­rung und Papiere stützen. In der Absatz­zone ver­kauft es günstig seine eigenen Pro­dukte, meist gegen die eigene Wäh­rung. Diese Kate­gorie steht, relativ leicht erkennbar, für die USA.

Tri­but­zone. Sie ver­sorgt das Zen­trum mit Tri­but­zah­lungen, ent­weder indem sie ständig grosse Mengen der Leit­wäh­rung des Zen­trums durch Geld­mittel mit der eigenen Wäh­rung auf­kauft, die Schulden des Zen­trums über­nimmt, dessen “Anleihen” (also Schuld­scheine /​Ver­spre­chungen) auf­kauft, usw, usw. Unter diese Kate­gorie fallen die euro­päi­schen Staaten (natür­lich Deutsch­land vor­neweg), Kanada, Aus­tra­lien, sowie Japan, Süd­korea, etc, etc.

Han­dels­zone. Sie ver­sorgt das Zen­trum und die Tri­but­zone mit eigenen Waren, Pro­dukten oder Roh­stoffen gegen die Papiere/​Leitwährung des Zen­trums. Dadurch wird die Leit­wäh­rung des Zen­trums ent­schei­dend gestützt. Klas­si­sche Bei­spiele für Han­dels­zonen sind China, Indien und die Öl-​Monarchien des ara­bi­schen Raumes.

Absatz­zone /​Peri­pherie (“Ent­wick­lungs­länder). Ihre Pro­dukte und Waren gelangen über­wie­gend nicht in das Zen­trum oder die Tri­but­zonen, ihre Wäh­rung ist oft direkt an die Wäh­rung des Zen­trums gekop­pelt, in sel­tenen Fällen auch an die der Tributzone.

Im Gegen­satz zur Han­dels­zone dient die Absatz­zone selbst als Markt für Pro-​dukte des Zen­trums und der Tri­but­zone, die wie­derum in deren Wäh­rungen bezahlt werden müssen, welche oft vorher durch Zen­trum und Tri­but­zone als “Ent­wick­lungs­hilfe” selbst zur Ver­fü­gung gestellt wird.

Es ergibt sich dadurch ein drei­fa­cher Effekt: Wäh­rungen und Wirt­schafts­kreis­lauf des Zen­trums und der Tri­but­zone werden durch die Absatz­zone /​Peri­pherie gestärkt, deren “Schulden” wie­derum ebenso sys­te­ma­tisch wie unauf­haltsam steigen. Gleich­zeitig kann man als “Rück­zah­lung” dieser Schulden äusserst günstig Roh­stoffe, land­wirt­schaft­liche Güter /​Nah­rungs­mittel, Arbeits­kräfte und Dienst­leis­tungen beziehen, sowie die Absatz­zone wirt­schaft­lich (und damit politisch/​militärisch) fak­tisch unterwerfen.

Gegen­sei­tige Inter­essen: Die Han­dels­zone hat ein Inter­esse daran, ihre eigenen Wäh­rungen niedrig zu halten, damit die eigenen Produkte/​Rohstoffe im Zen­trum (den USA) bzw in den Tri­but­zonen (wie Europa) im Ver­gleich zu den dort gel­tenden Wäh­rungen billig bleiben.

So erhält die Han­dels­zone dann für ihre Produkte/​Rohstoffe den Preis in einer “starken Wäh­rung”, die nicht nur inner­halb der eigenen Zone, son­dern welt­weit viel wert ist. Im Gegenzug erhalten Zen­trum und Tri­but­zonen ihre “starke” Wäh­rungen, die des­wegen so stark ist weil die Han­dels­zone dorthin ihre Produkte/​Rohstoffe expor­tiert und deren Wäh­rung als Tausch­mittel akzeptiert.

Ein gegen­sei­tiger Deal also, ein Tausch­ge­schäft, wie jedes Geschäft seit Anbe-​ginn der Mensch­heit. Der Ver­lierer in diesem Spiel ist natür­lich die Absatz­zone. Doch ist ihre Exis­tenz, sowohl für das Zen­trum, als für Tri­but­zone und Handels-​zone, von ele­men­tarer Wichtigkeit.

Denn gäbe es keine kon­trol­lier– und gren­zenlos abschöpf­bare Absatz­zone mehr, würde das fra­gile Kar­ten­haus von Geld­system und wech­sel­sei­tigen Inter­essen zwi­schen Zen­trum, Tri­but­zone und Han­dels­zone zusammenbrechen.

Ohne Absatz­zone kein aus­rei­chender Markt mehr für die Pro­dukte des Zen­trums und der Tri­but­zone. Auch würden sowohl Leit­wäh­rung, als auch die Wäh­rungen der Tri­but­zonen (wie Euro, bri­ti­sches Pfund oder Schweizer Franken) dra­ma­tisch an Wert ver­lieren, gäbe es nicht die Absatz­zone /​Peri­pherie der “Entwicklungs-​länder”, in wel­cher Zen­trum und Tri­but­zonen mit den eigenen Geld­mit­teln ihrer eigenen Wäh­rung ihre eigenen Pro­dukte “ver­kaufen” könnten.

Dies sollte ver­deut­li­chen, warum Zen­trum, Tri­but­zone und Han­dels­zone ein objek­tives Inter­esse an der Exis­tenz von Absatz­zonen haben; also Gebieten abso­luter oder rela­tiver Armut, bzw. schwache, insta­bile oder unru­higen Staaten in denen Willkür und Zer­fall vor­herr­schen, sowie Dik­ta­turen, die Finanz– und Wirt­schafts­kar­tellen von Zen­trum und Tri­but­zone freien Lauf lassen. Die kon­se­quen­teste Absatz­zone /​Peri­pherie ist natür­lich ein Kriegsgebiet.

Mög­lich­keiten der Leit­wäh­rung. Allein schon die Exis­tenz einer Leit­wäh­rung im welt­weiten Geld­system, bietet für das Zen­trum jeder­zeit die Mög­lich­keit, alle anderen Zonen der Welt fak­tisch auszuplündern.

Man lässt ein­fach den Kurs der eigenen Leit­wäh­rung steigen, nimmt dann für “teures” Geld der eigenen Wäh­rung Kre­dite in anderer Wäh­rung auf, inves­tiert diese in real exis­tie­rene Werte, Pro­dukte, Güter oder andere Wäh­rungen, lässt dann die eigene Wäh­rung abstürzen und zahlt die auf­ge­nom­menen Kre­dite dann mit eigenen “bil­ligem” Geld wieder zurück.

So hat das Zen­trum dann objektiv einen “Gewinn” gemacht, ohne irgend­etwas dafür tun zu müssen. Ein ähnli­ches Prinzip der Geld­ver­meh­rung aus Währungs-​schwankungen wenden Banken welt­weit jeden Tag an.

Im Vor­feld der zwei Treffen des Tagungs­ver­bundes der zwanzig welt­weit “wich­tigsten Indus­trie– und Schwel­len­länder” (G-​20) am 26 – 27-​Juni in Toronto und am 11.-12-November November in Seoul nähert sich so ein über Genera-​tionen ent­stan­dener Inter­es­sens­kon­flikt und ökono­mi­scher Gegen­satz einem Gipfel, dessen Über­schreiten zugleich einen Wen­de­punkt in den bis dahin herr­schenden Macht­ver­hält­nissen auf dem Pla­neten Erde dar­stellt. Die bis­he­rige Macht­ba­lance bricht zusammen.

Dieser Wen­de­punkt, Bruch­punkt oder Schmelz­punkt, je nach Defi­ni­tion, ist durch die jewei­lige herr­schende Nomen­kla­tura des Zen­trums, der Tri­but­zonen und der Han­dels­zonen, mit ihren jewei­ligen mili­tä­ri­schen Ein­fluss­ge­bieten und Macht-​bereichen, seit über einem Jahr­zehnt erwartet worden.

Kriege wurden geführt, um diesen Wen­de­punkt zu ver­hin­dern; mili­tä­ri­sche, poli­ti­sche, finan­zi­elle, wirt­schaft­liche und kul­tu­relle Kri­sen­sze­na­rien wurden in den Schalt­zen­tralen der Macht ent­wi­ckelt, ebenso Kri­sen­stra­te­gien, Pläne und Gegen­pläne, in einem Welt­fi­nanz­krieg der herr­schenden Nomen­kla­turen in den füh­renden Ökonomie– und Währungszonen.

Nichts davon diente einem anderen Nutzen als der Auf­recht­er­hal­tung des gemein­samen Geld­sys­tems. Dessen Organe aber, die welt­weit ver­netzten Banken und Zen­tral­banken, sie sind nicht “sys­tem­re­le­vant”, son­dern das System selbst.

Teil II erscheint demnächst

Quelle: Radio Utopie – Mit freund­li­cher Genehmigung.

Quellen:

(1) http://​online​.wsj​.com/​a​r​t​i​c​l​e​/​S​B​1​0​0​0​1​4​2​4​0​5​2​7​4​8​7​0​3​3​4​1​9​0​4​5​7​5​2​6​6​2​9​1​8​1​2​1​7​3​5​9​2​.​h​tml

(2) http://​www​.jun​ge​welt​.de/​2​0​1​0​/05 – 27/029.php

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Kategorie » Finanzen/Banken, International « | Tags » , , , , , , «

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