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Fehlbesetzung: Klarsfeld als Linkspartei-​Kandidatin?

Samstag, 25. Februar 2012-18:53 -|- Eingestellt von: |

Von Werner Pirker | junge Welt | — Die Wat­sche, die Beate Klars­feld am 7. November 1968 dem dama­ligen Bun­des­kanzler Georg Kie­singer mit den Worten »Nazi, tritt zurück!« ver­paßt hat, war ein Schlag ins Gesicht der poli­ti­schen Reprä­sen­ta­tion der Bundesrepublik.

Diese Aktion erfolgte ganz im Stil der anti­au­to­ri­tären Revolte, die sich zu dieser Zeit nicht zuletzt am Pro­test gegen die Ver­drän­gung der Nazi­ver­gan­gen­heit ent­zündet hatte. Ihren Ruf als »Nazi­jä­gerin« hat die in Frank­reich lebende Deut­sche aber erst später erworben. Den Höhe­punkt ihrer Akti­vi­täten zur Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung bil­dete die von ihr und ihrem Ehe­mann Serge bewirkte Über­stel­lung des frü­heren Gestapo-​Chefs von Lyon, Klaus Barbie, an die fran­zö­si­schen Justizbehörden.

Die Über­le­gungen der Links­partei, Beate Klars­feld als ihre Kan­di­datin für das Bun­des­prä­si­den­tenamt zu nomi­nieren, sind somit nach­voll­ziehbar. Eine aus­ge­wie­sene Anti­fa­schistin tritt gegen den Kan­di­daten der neo­li­be­ralen Ein­heits­partei an, der den anti­kom­mu­nis­ti­schen Kon­sens wie kein anderer ver­kör­pert, die Frei­heit der soge­nannten Leis­tungs– und Ver­ant­wor­tungs­träger ver­ficht und das sozi­al­dar­wi­nis­ti­sche Prinzip auch in den inter­na­tio­nalen Bezie­hungen durch­ge­setzt wissen möchte. Allein: Beate Klars­feld will zwar für Die Linke antreten, aber nicht als linke Kan­di­datin. Sie will auch kein Anti-​Gauck sein.

Über Klars­felds soziale Posi­tio­nie­rung ist hier­zu­lande so gut wie nichts bekannt. Dar­über, ob sie eine Befür­wor­terin oder Geg­nerin des neo­li­be­ralen Kurses ist, kann man nur raten. Ein Anti­fa­schismus aber, der die soziale Dimen­sion weit­ge­hend aus­klam­mert, ist wenig ziel­füh­rend. Ein zeit­ge­mäßer Anti­fa­schismus darf kei­nes­wegs blind gegen­über einer Rechts­ge­fahr sein, die als libe­raler, markt­kon­former Sozi­al­dar­wi­nismus in Erschei­nung tritt. Auch bedarf das »Nie wieder Faschismus« des »Nie wieder Krieg« als Ergänzung.

Von Beate Klars­feld aber weiß man, daß sie zu den Erst­un­ter­zeich­nern des kriegs­het­ze­ri­schen Auf­rufs »Stop the bomb!« gehört, in dem Iran unter­stellt wird, eine Atom­bombe zur »Ver­nich­tung der Juden« zu ent­wi­ckeln. Damit befindet sie sich in der wenig ehren­werten Gesell­schaft des Bun­des­ar­beits­kreises Shalom in der Links­partei sowie aggres­siver Zio­nis­mus­a­po­lo­geten wie Henryk M. Broder und Sascha Stasky vom Inter­net­portal Honestly Concerned.

Das wirt­schaft­liche Enga­ge­ment der öster­rei­chi­schen Ölge­sell­schaft OMV im Iran bezeich­nete Klars­feld auf einer »Stop the bomb«-Versammlung in Wien als Unter­stüt­zung für die »Juden­mörder von heute und morgen«. Auf der glei­chen Ver­an­stal­tung hatte der israe­li­sche His­to­riker Benny Morris unwi­der­spro­chen einen ato­maren Angriff auf den Iran gefordert.

Frau Klars­feld steht für einen Anti­fa­schismus, der sich nicht nur als offene Zionismus-​Apologie äußert, son­dern auch für die Recht­fer­ti­gung impe­ria­lis­ti­scher Kriege instru­men­ta­li­sierbar ist. Als Kan­di­datin einer Anti­kriegs­partei wäre sie somit eine glatte Fehlbesetzung.

Quelle: junge Welt

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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