Fest integriert
Donnerstag, 02. Februar 2012-13:20 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Redaktion German Foreign Policy | – München/Berlin (Eigener Bericht) — Die Organisatoren der Münchner Sicherheitskonferenz schwören Nachwuchseliten aus strategisch relevanten Weltregionen auf die deutsche Außenpolitik ein. Als Instrument hierfür fungiert das Netzwerk der "Munich Young Leaders", ein exklusiver Zirkel junger Führungskräfte aus dem In– und Ausland.
Während die deutschen Mitglieder des Netzwerks zumeist aus dem Außen– und dem Verteidigungsministerium stammen, werden die ausländischen Teilnehmer von den deutschen Botschaften in ihren Heimatstaaten nominiert.
Die endgültige Auswahl treffen die Hamburger Körber-Stiftung, einer der einflussreichsten außenpolitischen Think Tanks Deutschlands, und der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Sie übernehmen es auch, die Nachwuchseliten mit hochrangigen Politikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Militärs zusammenzuführen.
Bei den vertraulichen Treffen sorgen die deutschen Angehörigen der "Munich Young Leaders" dafür, dass die außen– und militärpolischen Leitlinien Berlins die Diskussion bestimmen. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Verhältnis Deutschlands zu den arabischen und asiatischen Staaten, zu Russland sowie zu den traditionellen deutschen Einflussgebieten in Ost– und Südosteuropa.
Sicherheitspartner
Wie die Organisatoren der Münchner Sicherheitskonferenz mitteilen, wird die Anfang Februar in der bayerischen Landeshauptstadt stattfindende militärpolitische Tagung auch in diesem Jahr von einem Treffen der "Munich Young Leaders" begleitet.
Vorgesehen sind den Angaben zufolge Gespräche der "junge(n) Außen– und Sicherheitspolitiker aus 20 Nationen" mit "hochrangigen Teilnehmern" der Konferenz, darunter Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, der ägyptische Präsidentschaftskandidat Amr Musa und Weltbank-Präsident Robert Zoellick. Diskutieren will man nach eigener Aussage über die "arabische Revolution", die "Krise des Euro" und die "transatlantischen Beziehungen im 'asiatischen Jahrhundert'".[1]
Der Aufgabenstellung entsprechend wurde im letzten Jahr etwa Ambika Vishwanath, Nahost-Expertin des indischen Think Tanks "Strategic Foresight Group", in die Gruppe der "Munich Young Leaders" berufen. Vishwanath bekennt sich offen zu einer "Sicherheitspartnerschaft" Indiens mit dem Westen, die sich ihrer Ansicht nach bereits in gemeinsamen Militäroperationen zur "Piraterie-Bekämpfung" niederschlägt.
Auch in Bezug auf den Nahen Osten teilt sie offenkundig die deutschen Positionen: Es gehe um die Implementierung eines "umfassenden" strategischen Ansatzes, der die "Stabilität" der "gesamten Region" gewährleiste und insbesondere der "Flüchtlingswelle" aus Nordafrika Einhalt gebiete, erklärte sie in einem Interview mit der Hamburger Körber-Stiftung.[2]
Künftige Entscheidungsträger
Wer in den exklusiven Kreis der "Munich Young Leaders" aufgenommen wird, bestimmen die von dem NS-Rüstungsindustriellen Adolf Körber gegründete Körber-Stiftung[3] und der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger[4].
Bei den Angehörigen des Netzwerks muss es sich den Auswahlkriterien zufolge um "zukünftige Entscheidungsträger" und "herausragende Mitarbeiter" von Regierungen, Parlamenten, Think Tanks, Medien und Unternehmen handeln, die das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Während die deutschen Teilnehmer zumeist aus dem Auswärtigen Amt und dem Verteidigungsministerium stammen, werden die ausländischen Nachwuchskräfte von den deutschen Botschaften in ihren Heimatstaaten nominiert.
Hierbei liegt der Fokus auf denjenigen Weltregionen, in denen Deutschland strategische Interessen verfolgt: Die ausländischen "Munich Young Leaders" kommen aus dem Nahen und Mittleren Osten, aus aufstrebenden asiatischen "Schwellenländern" wie Indien und aus den traditionellen deutschen Einflussgebieten in Ost– und Südosteuropa.[5]
Systemwechsel per Krise
Im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz erhalten die "Munich Young Leaders" die Möglichkeit zu vertraulichen Gesprächen mit hochrangigen westlichen Politikern, Unternehmern und Militärs. Neben der Auswahl der Gesprächspartner sorgen dabei die deutschen Angehörigen des Elitennetzwerks dafür, dass deutsche Interessen und Positionen die Diskussion bestimmen.
So berichtet etwa "Munich Young Leader" Ina Schütt aus der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts, man habe bei der letztjährigen Sicherheitskonferenz "sehr offen" mit dem serbischen Außenminister Vuk Jeremic über die "Spannungslage beim Umgang Serbiens mit dem Kosovo und die europäische Perspektive Serbiens" gesprochen.[6]
Ihr Kollege Markus Meyer, Bundeswehrmajor und Mitarbeiter der Planungsgruppe im Bundespräsidialamt, resümiert ein ebenfalls 2011 erfolgtes Zusammentreffen mit dem US-Finanzmagnaten George Soros zum Thema China. In seinem Report fordert er von der Volksrepublik, ihr politisches und ökonomisches "System weiter (zu) verändern" — und prognostiziert gleichzeitig, dass es "keine Veränderung ohne eine Form von Krise geben" werde.[7]
Deutsche Konzepte
Dass sich die Diskussionen des Elitennetzwerks in erster Linie um Kernpunkte der deutschen Außenpolitik drehen, zeigen auch die Berichte deutscher "Munich Young Leaders" über die letztjährigen Gespräche mit dem stellvertretenden russischen Außenminister Alexander Grushko und dem deutschen EU-Energiekommissar Günther Oettinger.
So wurde Russland einerseits als "strategischer Partner" im Rahmen einer "europäischen Sicherheitsarchitektur" bezeichnet und andererseits militärpolitisch in die Schranken verwiesen: "Die Munich Young Leaders betonten, dass es (…) in russischer Verantwortung liege, sich intensiv um eine Lösung der 'frozen conflicts' in der Region — zum Beispiel in Transnistrien — zu bemühen."[8]
Die Vorstellungen Oettingers von einer "Energiepartnerschaft über die Grenzen der EU hinaus" werden dem entsprechenden Bericht zufolge von den "Munich Young Leaders" geteilt: "Regionen wie die Maghreb-Zone, Russland, die Türkei, der Balkan und der Kaukasus müssen fest integriert werden, um langfristig Versorgungssicherheit für die EU zu garantieren."[9]
Rivale China
Abgesehen von ihren Treffen anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz initiieren die "Munich Young Leaders" regelmäßig sogenannte Reunions. Die letzte Veranstaltung dieser Art fand im Juni vergangenen Jahres in Kiew statt und wurde von den ukrainischen Angehörigen des Elitennetzwerks organisiert.
Gemeinsam mit den deutschen Kollegen und Teilnehmern aus Armenien, Indien, Israel, Kuwait, Polen und Russland diskutierte man der Körber-Stiftung zufolge "die außenpolitischen Prioritäten der Ukraine".
Dass es dabei nicht zuletzt um die Durchsetzung deutscher Wirtschaftsinteressen gegenüber der globalen Konkurrenz ging, lässt der Bericht der "Munich Young Leaders" über ihr Gespräch mit dem ukrainischen Außenminister Kostjantyn Hryschtschenko deutlich erkennen: "Thema war das Engagement Chinas als Kreditgeber und Investor in der Ukraine."[10]
Quelle: German Foreign Policy
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[1] Munich Young Leaders 2012; www.koerber-stiftung.de
[2] "Durch die Munich Young Leaders ist es gelungen, neue Ideen in die sicherheitspolitische Debatte einzubringen". Interview mit Ambika Vishwanath. Europäische Sicherheit 4/2011
[3] zur Körber-Stiftung s. Großmacht Deutschland und Der wankende Hegemon
[4] zu Ischinger s. Auf dem Radarschirm der Weltpolitik und Ein gewisser Way of Life
[5] Munich Young Leaders; www.koerber-stiftung.de. S. auch Munich Young Leaders
[6] Bericht zum ersten Konferenztag. München, 4. Februar 2011; www.koerber-stiftung.de
[7] Diskussion mit George Soros. München, 5. Februar 2011; www.koerber-stiftung.de
[8] Diskussion mit Alexander Grushko. München, 6. Februar 2011; www.koerber-stiftung.de
[9] Diskussion mit Günther Oettinger. München, 5. Februar 2011; www.koerber-stiftung.de
[10] Zweite Reunion der Munich Young Leaders vom 24. — 26. Juni 2011; www.koerber-stiftung.de
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Kategorie » Militär, Politik/Wirtschaft « | Tags » Außenpolitik, Deutschland, Eliten, Ischinger, Körber-Stiftung, Militär, Münchner Sicherheitskonferenz, Munich Young Leaders, Nachwuchseliten, Politik, Think Tank «
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