QR Code Business Card

Gauck statt Wulff?

Mittwoch, 04. Januar 2012-10:09 -|- Eingestellt von: |

Den Teufel mit dem Beel­zebub aus­treiben? Eine War­nung für linke Dis­kus­si­ons­foren im Internet | Ein Gast­bei­trag von Holdger Platta | — Heute morgen bekam ich vom Mailing-​Forum einer ver­dienst­vollen linken Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion die Über­le­gung ins Haus geschickt, daß es viel­leicht sinn­voll sei, Joa­chim Gauck als Nach­folger für Chris­tian Wulff ins Spiel zu bringen. Ich kann nur sagen: bloß das nicht!

Wir benö­tigen einen Bun­des­prä­si­denten, der bereit und in der Lage ist, vor allem auch Für­spre­cher der Ärmsten der Armen in unserem Lande zu sein, der ALG-​II-​BezieherInnen also, der Armuts­rent­ne­rInnen, der Auf­sto­cke­rInnen und­so­weiter (sehr gerne übri­gens könnte das auch eine Bun­des­prä­si­dentin sein!). Und bringe des­halb in Erinnerung:

Joa­chim Gauck wäre ein sol­cher Bun­des­prä­si­dent nicht. Ganz im Gegen­teil! Was Chris­tian Wulff mit der Aus­strah­lung eines ewigen Ober­pri­ma­ners nicht zuwe­ge­brächte, selbst wenn er es ver­suchte, das könnte Joa­chim Gauck, dem man ein gewisses Cha­risma nicht abspre­chen kann, bei vielen Men­schen durchaus gelingen: die Bür­ge­rinnen und Bürger davon zu ‚über­zeugen’, daß Hartz-​IV doch eigent­lich eine prima Sache sei. Jeden­falls ist das Auf­fas­sung von Joa­chim Gauck!

Hier einige Bei­spiele, mit welch pas­to­ralen Segens­sprü­chen Gauck diese all­täg­lich prak­ti­zierte Men­schen­ver­ach­tung namens Hartz-​IV ver­sehen hat:

Bereits im Sommer des Jahres 2004 bezeich­nete Joa­chim Gauck die Bür­ge­rinnen und Bürger, die gegen das Men­schen­ver­elen­dungs­ge­set­zes­werk Hartz-​IV demons­trierten, als „töricht und geschichtsvergessen“ — allein des­halb, weil diese Men­schen den Begriff der „Mon­tags­de­mons­tra­tionen“ wie­der­auf­leben ließen (Quelle: RP-​Online vom 09.08.04).

Ich meine: so spricht einer, der sich — ohne Mit­leid den Arbeits­losen gegen­über — als Gefan­gener der eigenen Lebens­ge­schichte erweist.

Joa­chim Gauck hat die Sozi­al­staats­ver­pflich­tung der Bun­des­re­pu­blik gegen­über den Hilfs­be­dürf­tigen mit den Worten kritisiert:

„Diese Redu­zie­rung des Lebens­glücks auf Wohl­fahrt und Wohl­stand halte ich nicht für kind­lich, son­dern für kindisch.“

(Quelle: Welt-​Online vom 07.06.10, Her­vor­he­bung durch Fett­druck: H.P.).

Ich meine: mit sol­cher Eises­kälte spricht kein mit­füh­lender Mensch, son­dern ein Mann, der sich offen­kundig eher als Steiß­trommler der Nation versteht.

Joa­chim Gauck hat die humanen Grund­mo­tive der men­schen­wür­digen Exis­tenz­si­che­rung für alle Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik mit dem Ver­dacht belegt:

„Wir stellen uns nicht gerne die Frage, ob Soli­da­rität und Für­sorg­lich­keit nicht auch dazu bei­tragen, uns erschlaffen zu lassen.“

(Quelle: Welt-​Online vom 07.06.10).

„Uns“? – Nun, ich meine: mit dieser wört­li­chen Über­nahme von Thesen aus den Pro­pa­gan­da­schriften der Unternehmer-​Organisation „Initia­tive Neue Soziale Markt­wirt­schaft“ (siehe deren Bro­schüre: „Mehr Frei­heit für Eigen­in­itia­tive!) stellt sich Gauck auf die Seite der Sozi­al­staats­ver­nichter in diesem Land und lie­fert diesen Vor­wände für noch bös­ar­ti­gere Kür­zungen im Sozi­al­be­reich. Außerdem klingen auch in dieser Aus­sage von ihm die Töne einer Schwarzen Päd­agogik durch.

Und schließ­lich: Joa­chim Gauck hat die Zer­stö­rung unseres Sozi­al­staats mit den fol­genden Worten gefeiert:

„Als Ger­hard Schröder einst die Frage auf­warf, wie viel Für­sorge sich das Land noch leisten kann, da ist er ein Risiko ein­ge­gangen. Solche Ver­suche mit Mut brau­chen wir heute wieder.“

(Quelle: Die Welt vom 07.06.10, Her­vor­he­bung durch Fett­druck: H.P).

Das ist im Klar­text ein Plä­doyer für noch mehr Men­schen­ver­elen­dung in diesem Land. Und was hier „Mut“ genannt wird, ist in Wahr­heit nichts anderes als Brutalität.

Ich meine: mit der­ar­tigen Äuße­rungen reiht sich Joa­chim Gauck ohne jede Ein­schrän­kung ein in die Front jener Poli­ti­ke­rInnen, die mit der Agenda 2010 zig Mil­lionen von Men­schen in bit­terstes Elend gestürzt haben.

Ich meine: er ver­tieft damit das Unglück und die Spal­tung in der Bun­des­re­pu­blik, statt sich ein­zu­setzen für die Ärmsten der Armen in unserem Land.

Ich meine: so spricht nicht ein Pfarrer, der mit seiner Christ­lich­keit auf der Seite des Nächsten steht, son­dern eher der Ver­treter einer Theo­logie der Herzlosigkeit.

Einem sol­chen Men­schen – offen­kundig heillos in sich selber ver­strickt, in die eigene höchst­per­sön­liche Lebens­ge­schichte – darf man das höchste Amt, das in der Bun­des­re­pu­blik zu ver­geben ist, nicht anvertrauen.

Eine der­ar­tige Absage an Mit­ge­fühl und Soli­da­rität darf unser Land nicht reprä­sen­tieren – weder nach innen noch nach außen hin.

Der „Kan­di­daten der Herzen“, wie Gauck 2010 gern von den Medien bezeichnet worden ist, wäre nicht unbe­dingt ein Mann der Reichen, – das also, was bei Chris­tian Wulff in wach­sendem Maße zuta­ge­tritt -, mit Sicher­heit aber ein Mann, der etwas gegen die Ärmsten der Armen in diesem unserem Lande hat.

Unserem Land tut weder das eine noch das andere gut.


© Holdger Platta

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Vielen Dank, lieber Holdger!

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Gesellschaft/Soziales, Parteien u. Politiker « | Tags » , , , , , , , , , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 219 · heute: 2 · zuletzt: 20. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.