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Donnerstag, 23. Februar 2012-13:05 -|- Eingestellt von: Julie |
Von Redaktion German Foreign Policy | – Berlin/Dakar (Eigener Bericht) — Trotz schwerer Unruhen hält die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung ihre Unterstützung für den senegalesischen Staatspräsidenten Abdoulaye Wade aufrecht. Berichte in europäischen Medien über die blutigen Proteste in Senegal, bei denen bereits mehrere Todesopfer zu beklagen waren, seien "drastisch überzogen", schreibt die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme.
Zuletzt waren langjährige Verbündete, darunter die USA und Frankreich, von Wade abgerückt. In Senegal kommt es seit rund einem Monat immer wieder zu sozialen Massenprotesten, deren Auslöser eine Entscheidung des senegalesischen Verfassungsgerichts vom 27. Januar war, Wade trotz anderslautender Verfassungsbestimmungen eine weitere Kandidatur für das Präsidentenamt zu gestatten.
Der Präsident und die Regierungspartei, eine Partnerorganisation der FDP, sind unter anderem deswegen unbeliebt, weil ihre an den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) orientierte Politik die soziale Infrastruktur des Landes ruiniert.
Proteste
Unmittelbarer Auslöser der jüngsten Proteste in Senegal war die Kandidatur des bereits seit dem Jahr 2000 regierenden Staatspräsidenten Abdoulaye Wade für eine dritte Amtszeit bei den Wahlen am kommenden Sonntag. Obwohl die senegalesische Verfassung nur zwei Amtsperioden für das höchste Staatsamt vorsieht, hat sich Wade am 27. Januar vom Verfassungsgericht grünes Licht für eine weitere Kandidatur geben lassen.
Direkt im Anschluss an diese Entscheidung kam es zu landesweiten Protesten vor allem in den größeren Städten Senegals, an denen sich mehrere tausend Menschen beteiligten. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den staatlichen Repressionskräften wurden mindestens fünf Menschen getötet. Die Proteste dauern bis heute an; erst am vergangenen Wochenende kam es erneut zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Wirtschaftsfreundlich
Die Unruhen in dem westafrikanischen Staat sind Ausdruck eines tiefer liegenden Unmuts bei weiten Teilen der Bevölkerung über die desaströse soziale Situation. Der seit über zehn Jahren regierende Parti Démocratique Sénégalais (PDS), den Wade anführt, betreibt eine wirtschaftsfreundliche Privatisierungspolitik nach Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), welche die soziale Infrastruktur des Landes weitgehend ruiniert hat. So lag schon im Jahr 2007 die Arbeitslosigkeit in Senegal Schätzungen zufolge bei fast 50 Prozent.
Auch die Stillung alltäglicher Grundbedürfnisse funktioniert kaum. 27 Prozent der Landbevölkerung sind nicht mit sauberem Trinkwasser versorgt, die schon notorisch mangelhafte Stromversorgung führte in den letzten Jahren immer wieder zu sogenannten Stromrevolten der verarmten Bevölkerung.[1] Aus Anlass des drastischen Anstiegs der globalen Lebensmittelpreise im Jahre 2008 kam es auch in Senegal zu massiven sozialen Protesten.
Gute Arbeit
Zu den aktuellen sozialen Unruhen bezieht nun die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) Position und stützt dabei Staatspräsident Wade. Zuletzt waren sogar langjährige Verbündete, etwa die Vereinigten Staaten und Frankreich, angesichts der eskalierenden Demonstrationen deutlich von diesem abgerückt.[2] Wie dagegen der Projektleiter der Stiftung für Westafrika, Werner Nowak, schreibt, sei die Darstellung der Proteste in den Medien "drastisch überzogen".
Nowak zufolge könne von einer "Unregierbarkeit des Landes (…) keine Rede sein". Bei der Berichterstattung in den europäischen Medien handele es sich um einen "Alarmismus", der offenbar einen "Arabischen Frühling in Senegal" herbeisehne. Die politischen Verhältnisse seien jedoch "stabil", das Land sei "eine gereifte Demokratie". Ein weiteres Anwachsen der Proteste hält der Autor schon allein deshalb für unwahrscheinlich, weil viele Menschen meinten, "bis Februar warten zu können und dann die Sache an der Urne zu regeln".
Zudem attestiert Nowak der Regierungspartei PDS, insbesondere "in den ländlichen Gebieten" zuletzt "teilweise gute Arbeit geleistet" zu haben.[3] Die Proteste deuten darauf hin, dass die senegalesische Bevölkerung diese Auffassung nur bedingt teilt.
Partnerorganisation
Die Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung, die bereits 1980 ein eigenes Büro in Dakar eröffnet hat und seitdem über gute Beziehungen zu den politischen Eliten Senegals verfügt, kommt nicht von ungefähr. Die Regierungspartei PDS ist eine Partnerorganisation der FDP und wie diese Mitglied in der Liberalen Internationalen.
Die Naumann-Stiftung führt seit Jahren mit dem PDS und seinen Vorfeldorganisationen gemeinsame Unternehmungen durch, die von der Vermittlung von "Grundlagen der Parlamentsarbeit bis zu Pilotprojekten zur Dezentralisierung der Kommunalverwaltung" reichen.[4]
So veranstaltete die Stiftung zum Beispiel im vergangenen Jahr einen Workshop, bei dem Mitglieder der Jugendorganisation des PDS eine "Führungskräfte"-Ausbildung erhielten.[5] Bei dem früheren Minister des PDS und jetzigen Sonderberater des Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten Mamadou Lamine Ba handelt es sich um einen Altstipendiaten der Naumann-Stiftung.
Ins Amt gebombt
Naumann-Stipendiat Ba ist zudem Vorsitzender des African Liberal Network (ALN), eines politischen Netzwerks von über 20 liberalen Parteien aus 19 afrikanischen Ländern. Das ALN wiederum ist eng mit der Liberalen Internationalen und mit der Naumann-Stiftung assoziiert, die mit seiner Hilfe ihren wirtschaftsliberalen Vorstellungen auf dem afrikanischen Kontinent Geltung zu verschaffen sucht.
Hochrangige Vertreter aller drei Organisationen wohnten im Mai 2011 der Amtseinführung des ivorischen Staatspräsidenten Alassane Ouattara in Abidjan bei, der erst einen Monat zuvor — unter Billigung Berlins — durch eine militärische Intervention Frankreichs in Côte d'Ivoire an die Macht gebombt worden war. Ouattaras Partei, der Rassemblement des Républicains, ist ebenfalls Mitglied des ALN.
Die Naumann-Stiftung wertete seinerzeit seine gewaltsame Inthronisierung mit Hilfe der früheren Kolonialmacht als ein Zeichen dafür, "dass sich die Demokratien des Kontinents nicht mehr mit der Usurpation von Macht" abfänden.[6]
Dass es bisweilen gewaltsamer Methoden bedarf, um Parteigänger wie Ouattara in Amt und Würden zu hieven [7] oder sie — wie Wade — dort zu halten, das nimmt die Stiftung offenkundig billigend in Kauf.
Quelle: German Foreign Policy
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[1] Germany Trade and Invest: Wirtschaftsentwicklung 2010 Senegal; www.gtai.de
[2] "Une erreur"; Jeune Afrique No. 2665
[3] Kaffeesatzleserei und Proteste am Cap Vert. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Senegal; www.freiheit.org
[4] Senegal; www.freiheit.org
[5] Multiplikatoren der liberalen Jugendarbeit in Senegal; www.freiheit.org
[6] Liberale bei der Amtseinführung Präsident Ouattaras; www.freiheit.org
[7] s. auch Der Mann vom IWF, Spiel mit dem Feuer, Das Recht des Stärkeren (II) und Die Herrschaft der Wenigen
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Kategorie » Politik/Wirtschaft « | Tags » Abdoulaye Wade, African Liberal Networkm, Deutschland, FDP, Friedrich-Naumann-Stiftung, Senegal, Unruhen «
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