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Kampf um Rohstoffe (III)

Dienstag, 06. Dezember 2011-12:42 -|- Eingestellt von: |

Von Redak­tion German For­eign Policy | – BERLIN (Eigener Bericht) — Die Bun­des­re­gie­rung bindet die deut­sche Ent­wick­lungs­po­litik enger an das Aus­wär­tige Amt an. Wie das Bun­des­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) mit­teilt, sind Maß­nahmen ein­ge­leitet worden, um eine ver­bes­serte "Steue­rung" der Ber­liner Aus­lands­ak­ti­vi­täten zu errei­chen. Dies gelte in beson­derem Maße für die soge­nannten Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tionen des BMZ.

Eine dichte Ver­kop­pe­lung der Ent­wick­lungs­po­litik mit der all­ge­meinen Ein­fluss­ar­beit der Bun­des­re­gie­rung im Aus­land ist schon vor geraumer Zeit auf dem Gebiet der Roh­stoff­po­litik vor­ge­nommen worden. Damit solle, heißt es, die Ver­sor­gungs­si­cher­heit nicht zuletzt bei den soge­nannten kri­ti­schen Roh­stoffen garan­tiert werden, die für die erfolg­reiche Pro­duk­ti­ons­tä­tig­keit der deut­schen Indus­trie unver­zichtbar seien.

So ist die "Ent­wick­lungs­po­litik" unter anderem in die Grün­dung soge­nannter Roh­stoff­part­ner­schaften mit res­sour­cen­rei­chen Län­dern invol­viert, die die Bun­des­re­gie­rung anstrebt, um sich exklu­sive Rah­men­be­din­gungen für den Zugriff auf wich­tige Lager­stätten zu ver­schaffen. Eine bedeu­tende Rolle spielt in diesem Zusam­men­hang ins­be­son­dere die Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaften und Roh­stoffe (BGR), die im Auf­trag des BMZ in aller Welt die Roh­stoff­lage son­diert — zum Nutzen der deut­schen Industrie.

Kri­ti­sche Rohstoffe

Die Res­sourcen der soge­nannten Ent­wick­lungs­länder sind Gegen­stand eines Stra­te­gie­pa­piers, das das Bun­des­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) bereits letztes Jahr ver­ab­schiedet hat ("Ent­wick­lungs­po­li­ti­sches Stra­te­gie­pa­pier Extrak­tive Rohstoffe").

Das Doku­ment befasst sich unter anderem mit "kri­ti­schen Roh­stoffen". Dabei handle es sich, heißt es, um Roh­stoffe, die "große wirt­schaft­liche Bedeu­tung für Schlüs­sel­sek­toren" der Indus­trie hätten, zugleich jedoch "hohe Ver­sor­gungs­ri­siken" auf­wiesen und nicht durch andere Mate­ria­lien ersetzt werden könnten.

Dazu zählten etwa "Hoch­tech­no­lo­gie­me­talle" wie Kobalt, Platin, Tantal, Wolfram und die soge­nannten Sel­tenen Erden. Die Abhän­gig­keit Deutsch­lands, eines hoch­in­dus­tria­li­sierten Landes ohne bedeu­tende eigene Res­sourcen, von Roh­stof­f­im­porten sei hoch. Zum Beleg führt das Papier die Aus­gaben an, die in Deutsch­land dafür getä­tigt werden.

Allein 2009 betrugen sie dem­nach 89,3 Mil­li­arden Euro. "Der größte Teil" sei mit 71,7 Pro­zent "auf die Ener­gier­oh­stoffe Erdöl, Erdgas und Hart­kohle" ent­fallen; mehr als ein Viertel sämt­li­cher Rohstoff-​Importe (26,3 Pro­zent) gehe jedoch auf den Bedarf an Metallen zurück.[1]

Effi­zi­enz­stei­ge­rung

Da große Anteile der glo­balen Roh­stoff­vor­räte in den soge­nannten Ent­wick­lungs­län­dern zu finden sind, defi­niert das BMZ in dem genannten Stra­te­gie­pa­pier die "Ent­wick­lungs­po­litik" als einen wesent­li­chen Bestand­teil der deut­schen Roh­stoff­stra­tegie. Sie gilt als Hebel, um im Roh­stoff­sektor "leis­tungs­fä­hige Struk­turen" auf­zu­bauen und "die Nut­zung der wert­vollen Res­sourcen" durch "Effi­zi­enz­stei­ge­rung" zu verbessern.

Dabei stimmt sich das BMZ eng mit allen anderen Minis­te­rien ab, die mit der Materie befasst sind. So betei­ligt es sich an dem vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­rium initi­ierten Roh­stoff­dialog mit deut­schen Kon­zernen wie auch laut dem Stra­te­gie­pa­pier "an der gemein­samen Initia­tive" mit den Minis­te­rien für Äußeres, Wirt­schaft und Umwelt sowie der deut­schen Wirt­schaft "zur Kon­zi­pie­rung von Roh­stoff­part­ner­schaften mit res­sour­cen­rei­chen Ländern".

Zwei dieser "Roh­stoff­part­ner­schaften" sind mitt­ler­weile in die Wege geleitet worden.[2] Dabei müsse man sich, heißt es in dem Stra­te­gie­pa­pier, auch der EU bedienen, um den "dis­kri­mi­nie­rungs­freien" Zugriff auf die glo­balen Res­sourcen zu sichern. Es solle in Zukunft gegen die angeb­liche "Dis­kri­mi­nie­rung der EU im Roh­stoff­zu­gang in Dritt­län­dern (…) kon­se­quent vor­ge­gangen werden".[3]

Straffer gesteuert

Ergän­zend ver­sucht die Bun­des­re­gie­rung, die Schlag­kraft der deut­schen Außen­ak­ti­vi­täten — nicht zuletzt auch auf dem Roh­stoff­sektor — durch eine engere Anbin­dung der "Ent­wick­lungs­po­litik" an das Aus­wär­tige Amt zu erhöhen. Wie das BMZ mit­teilt, werden künftig zusätz­liche Mit­ar­beiter des BMZ an die deut­schen Aus­lands­ver­tre­tungen ent­sandt, um dort eine ver­bes­serte "Steue­rung" der deut­schen Akti­vi­täten zu erreichen.[4]

Ins­be­son­dere solle, heißt es, die "Steue­rungs­fä­hig­keit der Bun­des­re­gie­rung gegen­über den staat­li­chen Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tionen" ver­grö­ßert werden. Zu diesen gehört ins­be­son­dere die Gesell­schaft für Inter­na­tio­nale Zusam­men­ar­beit (GIZ), die ihrer­seits eben­falls in die deut­sche Roh­stoff­po­litik inte­griert ist.

So betreibt sie etwa ein Pro­jekt, das unter dem Titel "Regio­nale Roh­stoff­go­ver­nance in fra­gilen Staaten West­afrikas" in Côte d' Ivoire, Liberia und Sierra Leone durch­ge­führt wird. Es zielt darauf ab, einen insti­tu­tio­nellen Rahmen zu schaffen, der den deut­schen Zugriff Zugriff auf die dor­tigen Roh­stoff­res­sourcen erleich­tert (german​-for​eign​-policy​.com berich­tete [5]).

Markt­ana­lysen

Ein wich­tiges Instru­ment der Res­sour­cen­po­litik des BMZ ist die Han­no­ve­raner Bun­des­an­stalt für Geo­wis­sen­schaften und Roh­stoffe (BGR), eine "Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tion" der soge­nannten deut­schen Ent­wick­lungs­ko­ope­ra­tion. Ihre Auf­gabe besteht in der sys­te­ma­ti­schen Sich­tung und Ana­lyse beste­hender Roh­stoff­vor­räte in aller Welt sowie in der Erstel­lung logistisch-​technischer Kon­zepte für deren Ausbeutung.

Die BGR berät das Ent­wick­lungs­mi­nis­te­rium laut eigener Angabe auf "den Sek­toren Geo­logie, Roh­stoffe und Bergbau, Energie, Grund­wasser und Boden sowie Geo­ri­siken" und "führt Pro­jekte der Tech­ni­schen Zusam­men­ar­beit mit Ent­wick­lungs­län­dern durch". Zu ihren Auf­gaben zählt sie aus­drück­lich die "Siche­rung der Roh­stoff­ver­sor­gung der deut­schen Wirt­schaft", der sie "wissenschaftlich-​technische Infra­struktur zur Ver­fü­gung" stellt.[6]

Zuletzt hat die BGR die Deut­sche Roh­stoff­a­gentur (DERA) gegründet. "Ziel der Agentur", erklärt die BGR, "ist es, aktu­elle roh­stoff­wirt­schaft­liche Markt­ana­lysen und Kon­zepte bereit­zu­stellen und die Ver­sor­gung der Wirt­schaft mit Roh­stoffen zu unterstützen."[7]

Roh­stoff­klemme

Auch die BGR beklagt, die Ver­sor­gung der deut­schen Indus­trie mit zen­tralen Roh­stoffen werde immer pre­kärer. Anfang Oktober hat sie daher eine Tagung zum Thema "Roh­stoff­si­che­rung für die deut­sche Wirt­schaft" durch­ge­führt. Zu den Teil­neh­mern gehörten neben Dele­gierten der Bun­des­re­gie­rung und der EU auch Ver­treter von Unter­nehmen, den rund 80 Indus­trie– und Han­dels­kam­mern sowie deren Dach­ver­band, dem Deut­schen Indus­trie– und Han­dels­kam­mertag (DIHK).

Im Rahmen der Tagung sollte erör­tert werden "welche Maß­nahmen die Politik ergreifen kann und was die Unter­nehmen tun, um der sich abzeich­nenden Roh­stoff­klemme zu entgehen".[8] Im Ankün­di­gungs­text hieß es, die Roh­stoff­ver­sor­gung werde zu einem immer grö­ßeren Risiko für die deut­sche Wirt­schaft. Mehr als fünfzig Pro­zent aller deut­schen Unter­nehmen befürch­teten, "die erfor­der­li­chen Roh­stoffe gar nicht mehr zu erhalten".

Dies zu ver­hin­dern bemüht sich nicht nur die "Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tion" BGR, son­dern auch ihr Auf­trag­geber, das BMZ, das die soge­nannte deut­sche Ent­wick­lungs­po­litik auch in den Dienst der deut­schen Roh­stoff­ver­sor­gung stellt.

Quelle: German For­eign Policy

Anm. d. Red.: Hier findet Ihr die anderen Teile dieses Arti­kels: Teil 1 und Teil 2

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[1] BMZ-​Strategiepapier 4/​2010: Ent­wick­lungs­po­li­ti­sches Stra­te­gie­pa­pier Extrak­tive Roh­stoffe; www​.bmz​.de

[2] s. dazu Offen­siven gegen China (II) und Ver­bün­dete gegen Bei­jing (II)

[3] BMZ-​Strategiepapier 4/​2010: Ent­wick­lungs­po­li­ti­sches Stra­te­gie­pa­pier Extrak­tive Roh­stoffe; www​.bmz​.de

[3] Aus­wär­tiges Amt und Bun­des­mi­nis­te­rium für wirt­schaft­liche Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung erhöhen Effi­zienz und inten­si­vieren Zusam­men­ar­beit; www​.bmz​.de 11.11.2011

[4] s. dazu Roh­stoff­go­ver­nance

[5] Auf­gaben und The­men­felder; www​.bgr​.bund​.de

[6] s. dazu Kampf um Roh­stoffe und Kampf um Roh­stoffe (II)

[7], [8] Aktu­elles; www​.bgr​.bund​.de

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gelesen: 132 · heute: 3 · zuletzt: 21. Mai 2012

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