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Kriegsnobelpreisträger: Empörung wegen Koranverbrennung

Donnerstag, 23. Februar 2012-10:24 -|- Eingestellt von: |

Von Werner Pirker | junge Welt | — Die US-​Truppen scheinen es gera­dezu darauf anzu­legen, sich die gesamte afgha­ni­sche Bevöl­ke­rung zum Feind zu machen. Nachdem im Januar Inter­net­vi­deos auf­ge­taucht waren, in denen ame­ri­ka­ni­sche Sol­daten auf getö­tete Auf­stän­di­sche pissen, wurde nun bekannt, daß auch Koran­ver­bren­nungen zu den Frei­zeit­ver­gnü­gungen der Besatzer gehören.

Selbst wenn ein Spre­cher der ISAF-​Truppen von einer »unsach­ge­mäßen Ent­sor­gung« mus­li­mi­scher Schriften redet, macht dies die hinter diesem Van­da­lenakt ste­hende Geis­tes­hal­tung nur noch deutlicher.

Mus­lime ver­stehen — wie andere Gläu­bige auch — bekannt­lich keinen Spaß, wenn sie sich in ihren reli­giösen Gefühlen ver­letzt fühlen, ver­stehen Mus­lime . In den ach so »auf­ge­klärten«, sich auf ihr »jüdisch-​christliches Erbe« beru­fenden Län­dern des Wes­tens mag reli­giöser Eifer als Mas­sen­phä­nomen weniger ver­breitet sein.

Für die US-​Gesellschaft, die sich bei allem Prag­ma­tismus stets auch an der Grenze zum reli­giösen Wahn befindet, trifft dies eher nicht zu. Davon abge­sehen sollten Bücher­ver­bren­nungen, die übri­gens auch zum abend­län­di­schen Erbe zu zählen sind, gene­rell geächtet sein.

Die gegen­wär­tigen Pro­teste in Afgha­nistan sind kei­nes­wegs als Aus­druck einer über­trie­benen reli­giösen Emp­find­lich­keit zu sehen. Sie reflek­tieren viel­mehr die sich aus­brei­tende Wut über eine Fremd­herr­schaft, die jeg­li­chen Respekt gegen­über den Men­schen des besetzten Landes, ihren Tra­di­tionen und Wert­vor­stel­lungen ver­missen läßt.

Dabei mag nach den Jahren des Taliban-​Tugendterrors in Teilen der afgha­ni­schen Gesell­schaft durchaus die Hoff­nung auf eine von den Besat­zern geför­derte Demo­kra­ti­sie­rung und Moder­ni­sie­rung des Landes bestanden haben. Diese Zuver­sicht ist gründ­lich zer­stört worden. Bushs War on Terror war auf die Zer­schla­gung jeg­li­chen Wider­standes gegen die west­li­chen Welt­ord­nungs­mächte gerichtet — Obama führt diesen schmut­zigen Krieg unver­drossen fort.

In Afgha­nistan bedeu­tete das die Ein­set­zung eines kor­rupten, volks­feind­li­chen Regimes, weil nur ein sol­ches Gewähr bot, den Besatzer­in­ter­essen nach­zu­kommen. Der Terror der Okku­panten eska­lierte indessen derart, daß das Mario­net­ten­re­gime es mit­unter für ange­bracht hielt, sich von den Strip­pen­zie­hern zu distanzieren.

Die von den Befreiern ver­trie­benen Unter­drü­cker kehren als Befreier zurück. Der Afghanistan-​Krieg ist für die NATO ver­loren. Pakistan, dessen stär­kere Ein­bin­dung in die west­liche Glo­bal­stra­tegie das eigent­liche Ziel des Waf­fen­ganges am Hin­du­kusch war, kon­ter­ka­riert diese Absichten mit einer auf die Kon­trolle über Afgha­nistan aus­ge­rich­teten Politik, die es über die Taliban-​Connection umzu­setzen sucht.

Dem Desaster im Irak und in Afgha­nistan steht der vor­läu­fige Sieg in Libyen gegen­über. In Syrien und im Iran soll diese Erfolgs­ge­schichte fort­ge­schrieben werden.

Der Frie­dens­no­bel­preis­träger im Weißen Haus erweist sich seiner Sol­daten würdig: Er pisst auf den Frieden.

Quelle: junge Welt

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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