QR Code Business Card

Mafia, Geheimdienste und Politik der USA Teil 1 (1865 bis 1938)

Sonntag, 31. Januar 2010-12:47 -|- Eingestellt von: |

Al Capone's cell Von R. Kohler | us​-politik​.ch | — Dieser Teil der Chronik behan­delt die Ent­ste­hung, Immi­gra­tion und Kon­so­li­die­rung der Mafia, die US-​Politik in Latein­ame­rika und die Akti­vi­täten von J. Edgar Hoover, Pres­cott Bush, Joe Ken­nedy und Fran­klin D. Roosevelt.

Die zen­tralen Themen und Per­sonen sind:

Ent­ste­hung der Mafia, Ermor­dung von Abraham Lin­coln, Grün­dung des Secret Ser­vice, Immi­gra­tion der Mafia, Lateinamerika-​Politik der USA, Monroe-​Doktrin, Krieg gegen Spa­nien, Inter­ven­tionen in Kuba, Hon­duras, Nica­ragua, Panama und Gua­te­mala, Erster Welt­krieg, Koope­ra­tion von Pres­cott Bush, Averell Har­riman und George Her­bert Walker, Pro­hi­bi­tion, Kon­so­li­die­rung der Mafia, Die Kar­riere von Joseph Ken­nedy, Partner Frank Costello, J. Edgar Hoover beim FBI, Al Capone in Chi­cago, Flucht der Mafia aus Sizi­lien, Bör­sen­krise 1929 , Die Mafia in New York: Lucky Luciano, Meyer Lansky, Benny Siegel, Joe Mas­seria, Castellammare-​Krieg, Sal­va­tore Mar­anzano, Ame­ri­ka­ni­sie­rung der Mafia, Murder Inc, Albert Ana­st­asia, Roo­se­velt und Ken­nedy, Das Kar­tell der Erd­öl­ge­sell­schaften, John D. Rocke­feller, Aris­to­teles Onassis, Das Attentat auf Roo­se­velt, Auf­he­bung der Pro­hi­bi­tion, Glück­spiel­ge­schäft, Gewerk­schaften, Hero­in­handel, Meyer Lansky, Upton Sin­clair, Die Mafia­kar­riere von Carlos Mar­cello, Mafia­ver­fol­gung, Hoover, die Nazis und die Mafia, Bot­schafter Ken­nedy in Eng­land.

1865: Die Ent­ste­hung der Mafia

Nach 1812 wurde der Feu­da­lismus in Sizi­lien nach und nach gesetz­lich abge­schafft. Da die Land­ade­ligen und Feu­dal­herren die Bauern nicht mehr zur Arbeit zwingen konnten, ver­pach­teten sie ihre Lati­fun­dien an skru­pel­lose Dorf­ho­no­ra­tioren, die die Bauern not­falls mit Schlä­ger­truppen auf die Felder treiben. Gegen die Fran­zosen ent­stand eine Unter­grund­be­we­gung in Form einer Geheim­ge­sell­schaft, die mit dem Slogan "Morte Alla Francia Italia Anela!" Auf­stände anzettelt.

Mit­hilfe der Bauern können die Truppen Gari­baldis 1860 die Bour­bonen stürzen und Sizi­lien wird ein Teil des König­rei­ches Ita­lien. Aber statt der ersehnten Frei­heit von den para­si­tären Land­be­sit­zern folgen nach der Pro­kla­ma­tion des ita­lie­ni­schen Natio­nal­staates die Truppen und Poli­zisten der Bour­go­isie aus dem Norden und beuten den Süden wie eine Kolonie aus.

Poli­tisch bleibt jedoch ein Vakuum, in dem lokale Herr­scher sich durch­setzen können. 1865 schliessen sich die sizi­lia­ni­schen Gross­grund­be­sitzer zu einer grossen Geheim­ge­sell­schaft, der "ono­rata società", zusammen. Mit­glieder dieser "Ehren­werten Gesell­schaft" erobern die Kon­trolle der Stadt­re­gie­rungen und des Manage­ments der Fabriken. Um 1900 gibt es im west­li­chen Drittel der Insel kaum eine Ecke, die sich dem Ein­fluss der Mafia entzieht.

Der Begriff "Mafia" wird 1865 das erste Mal von einer Straf­ver­fol­gungs­be­hörde für Gruppen von kleinen Heh­lern und Orga­ni­sa­toren von Ver­bre­chen ver­wendet. Bald darauf wird er nur noch auf kri­mi­nelle Ver­ei­ni­gungen bezogen, die von einem Boss geleitet werden und über Klientel-​Beziehungen ihre Umwelt beherr­schen. Diese Mafiosi mit ihren Schlä­ger­truppen hatten nie die Absicht, die Bauern und Klein­ge­werbler gegen Unter­drü­cker zu ver­tei­digen, son­dern sie wollten sie selbst ausbeuten.

Das insu­lare Miss­trauen gegen die ita­lie­ni­sche Staats­au­to­rität hat aller­dings zu einem gewissen Schutz mafioser Geschäfte durch manche Bevöl­ke­rungs­gruppen geführt. Obwohl es einen capo di tutti capi gibt, um 1900 ist dies Don Vito Cascio Ferro, der bei Inter­es­sen­kon­flikten und Strei­tig­keiten oberste Auto­rität geniesst, bleiben die Mafiosi lokale Herrscher.

Wäh­rend es in Sizi­lien nie eine ein­heit­liche Orga­ni­sa­tion mit Zen­tral­lei­tung gibt, hat sich in Neapel ein uni­formes, straff hier­ar­chi­sierstes Stadt-​Gangstertum ent­wi­ckelt. Im Unter­schied zur Mafia besetzen Camorra-​Bosse keine hohen poli­ti­schen Posi­tionen und können jeder­zeit aus­ge­wech­selt werden. Bei der Mafia steht die Familie im Vor­der­grund; dagegen rekru­tiert die 'ndran­gheta in Kala­brien ihre Mit­glieder aus den untersten Schichten, die gegen­über sozi­al­re­vo­lu­tio­nären Ideen viel auf­ge­schlos­sener sind.

Ihre kri­mi­nellen Tätig­keiten liegen im Agrar­sektor (Schutz­geld­er­pres­sung für Plan­tagen, Beherr­schung der grünen Märkte) und im poli­ti­schen Bereich (Wahl­stim­men­be­schaf­fung und Ein­schüch­te­rung von Geg­nern) und haben durchaus auch gewerk­schaft­liche Aspekte.

Der Wider­stand des von Fremd­herr­schaft gezeich­ne­teten Südens gegen die Zen­tral­re­gie­rung und die damit ver­bun­dene Schwäche der staat­li­chen Insti­tu­tionen eröffnen jenes Macht­va­kuum, in dem das Briganten-​Gangstertum und die orga­ni­sierte Kri­mi­na­lität ent­stehen kann.
Quellen: Raith: 48 – 82, Davis (1994): 20 – 22, Best: 2.

April 1869: Ermor­dung von Abraham Lincoln

Prä­si­dent Abraham Lin­coln wird vom 21jährigen Schau­spieler John Wilkes Booth, einem angeb­lich ver­rückten Ein­zel­täter, am 16.4.1865 ermordet. Gleich­zeitig mit Lin­coln werden zwei seiner Kabi­netts­mit­glieder an ver­schie­denen Orten in Washington ermordet. Die Motive des Täters und der Tat­her­gang bleiben im Dun­keln, wich­tige Beweis­ma­te­ria­lien ver­schwinden, und Booth wird später im Gefängnis umge­bracht. Diese Ermor­dung im typi­schen Mafi­a­stil ist wie eine Vor­lage für das Kennedy-​Attentat.

Im glei­chen Jahr wird der Secret Ser­vice zur Ver­fol­gung von Falsch­geld­her­stel­lern gegründet, wes­halb er dem Finanz­mi­nis­te­rium unter­steht. Obwohl schon am 10.1.1835 ein bewaff­neter Angriff auf Prä­si­dent Andrew Jackson miss­glückte, wird erst 1881, nach dem Anschlag auf Prä­si­dent James A. Gar­field, eine Poli­zei­be­wa­chung des Weissen Hauses orga­ni­siert. Secret Service-​Agenten über­nehmen Begleit­schutz­auf­gaben, als Prä­si­dent Grover Cleve­land 1884 Mord­dro­hungen erhält.

Und erst nach der Ermor­dung von Prä­si­dent Wil­liam McK­inley am 6.9.1901 ver­fügt der Kon­gress einen Voll­zeit­schutz durch den Secret Ser­vice. Nach einem Mord­ver­such an Harry S. Truman 1951 wird der Begleit­schutz auch auf Fami­li­en­an­ge­hö­rige und den Vize­prä­si­denten aus­ge­dehnt. Quellen: Scott (1993): 295, Marrs: 240f.

1869: Immi­gra­tion in die USA

Wäh­rend dem 19. und 20. Jahr­hun­dert emmi­grieren über eine Mil­lion Sizi­lianer in die USA. Die ita­lie­ni­schen und sizi­lia­ni­schen Ein­wan­derer haben das orga­ni­sierte Ver­bre­chen nicht als erste in die USA gebracht. Es gibt bereits iri­sche und jüdi­sche Gangster, die sich orga­ni­sieren. Die Iren haben kein Sprach­pro­blem und alli­ieren sich mit den Poli­ti­kern, für die sie Wähler ein­schüch­tern oder geg­ne­ri­sche Wahl­ver­an­stal­tungen stören.

Die Sizi­lianer spe­zia­li­sieren sich zuerst auf die Erpres­sung ihrer Lands­leute und auf Falsch­geld­her­stel­lung. In Loui­siana for­mieren sich 1869 vier von der ita­lie­ni­schen Polizei aus Palermo aus­ge­wie­sene Ban­diten zu einem Bund, den sie "Stop­pa­gherra Society" nennen und der eine Art Kolonie der sizi­lia­ni­schen Mafia dar­stellt. Kurz nach dem Bür­ger­krieg orga­ni­siert der Sohn eines sizi­lia­ni­schen Ein­wan­de­rers, Joseph Macheca, die erste Familie in New Orleans, die mehr­heit­lich im Hafen aktiv ist.

Der sizi­lia­ni­sche Mafioso Giu­seppe Espo­sito flüchtet nach der Ermor­dung seines Bosses De Leoni nach New Orleans und ver­sucht als "Radzo" den Lokal­boss Tony Labruzzo zu ent­machten. Dieser schaltet die Poli­zisten Mike und David Hen­nessy ein, worauf Espo­sito ver­haftet und nach Ita­lien abge­schoben wird. Labruzzo wird dar­aufhin von Giuliano Ardotta umge­bracht, und auch Mike Hen­nessy wird erschossen. Ende der 80er Jahre ent­wi­ckelt sich die Orga­ni­sa­tion zur ersten voll orga­ni­sierten Ver­bre­cher­fa­milie in den USA.

An ihrer Spitze stehen als Nach­folger Machecas die Brüder Charles und Tony Matranza, die mit etwa 300 Mit­glie­dern den French Market für die Stan­dard Fruit Com­pany kon­trol­lieren und die Werften und Kais der geg­ne­ri­schen Pro­venz­anos eben­falls unter­jo­chen wollen. David Hen­nessy, alli­iert mit den nea­po­li­ta­ni­schen Pro­venz­anos, schaltet sich in den ent­ste­henden Krieg ein und wird am 15.10.1890 umgebracht.

19 Mit­glieder der Matranza-​Bande werden ange­klagt, aber dank Todes­dro­hungen und Beste­chungen frei­ge­spro­chen. Die erzürnte Bevöl­ke­rung stürmt unter der Füh­rung von Wil­liam S. Par­kinson das Gefängnis und lyncht 11 der Mobster. Nach­folger der Matranzas wird Sam "Silver Dollar" Carolla, der die Kon­trolle der Ter­ri­to­rien der Pro­venz­anos sichert.

Zwi­schen 1890 und 1920 kommen ins­ge­samt mehr als 18 Mil­lionen neue Bürger in die Ver­ei­nigten Staaten, dar­unter sehr viele Kinder, die durch öffent­liche Bil­dung inte­griert werden müssen. Als das Stück des jüdi­schen Autors Israel Zang­will 'The Melting Pot' 1908 in Washington Pre­miere hat, befinden sich die Ver­ei­nigten Staaten mitten in der grössten Ein­wan­de­rungs­welle, die das Land je erlebt hat.

Die Meta­pher des "Schmelz­tie­gels" ver­weis auf eine Ideo­logie, weil die Schranken zwi­schen den ver­schie­denen Eth­nien trotz den Anstren­gungen des Schul­we­sens bestehen bleiben. Alle Ein­wan­de­r­er­gruppen bringen kri­mi­nelle Orga­ni­sa­tionen hervor. Bei­spiels­weise sind die Banden von Jesse Woodson James in den Süd­staaten Anglo-​Saxen.

In Penn­syl­vania formen Ste­fano LaTorre und Santo Volpe "The Men of Mon­te­doro", da um die hun­dert Fami­lien aus diesem sizi­lia­ni­schen Ort stammen. Ihr Ein­fluss auf die Koh­le­mi­nen­ar­beiter führt zur ersten Kon­trolle einer Gewerk­schaft, der United Mine Workers.

In Chi­cago werden nach sozia­lis­ti­schen Agi­ta­tionen auf dem Hay­market und einer Ver­schwö­rung des Manage­ments vier Gewerk­schafts­führer zum Tod ver­ur­teilt und am 1.5.86 gehängt. Dieser Tag wird seither jedes Jahr als Gewerk­schaftstag begangen. Ende des Jahr­hun­derts ent­stehen die iri­sche Orga­ni­sa­tion unter Charles Dion O'Bannion und sizi­lia­ni­sche und ita­lie­ni­sche Gangs wie die "Camoras", die "Secret Hands" oder die "Mys­te­rious Hands", die ihre Lands­leute ter­ro­ri­sieren und erpressen.

Die bekann­teste Gang wird die sizi­lia­ni­sche "Black Hands". Deren Chef ist ab 1905 Dia­mond Joe Espo­sito, der dank seiner Kor­rup­ti­ons­taktik und seinen Bezie­hungen zur Politik zum Boss auf­steigt. Der zweite wich­tige Mann ist Big Jim Colo­simo, der seine Kar­riere bei einer Puff­mutter begann und nun die Pro­sti­tu­tion kontrolliert.

Die zuneh­mende Kon­kur­renz der Gangs führt zu Kämpfen und erfor­dert immer wieder Ver­stär­kung: Espo­sito lässt die Genna-​Brüder aus Sizi­lien kommen, Colo­simo wird Johnny Torrio aus New York holen, und die lokalen Gangs von jungen Kri­mi­nellen werden rekrutiert.

Die sizi­lia­ni­schen Immi­granten in New York lassen sich mehr­heit­lich in Harlem, die nea­po­li­ta­ni­schen vor allem auf der Lower East Side nieder. Die Sizi­lianer Ignazio Lupo Sai­etta und Giu­seppe Morello rekru­tieren aus diesen Quar­tieren die Mit­glieder ihrer Gang, die um die Jahr­hun­dert­wende die grösste der Stadt sein wird. Auch hier gibt es eine "Black Hand", in die sich der Poli­zei­leut­nant Joseph Petro­sino infil­trieren kann. Als er die Poli­zei­ar­beit gegen die Mafia mit ita­lie­ni­schen Fahn­dern koor­di­nieren will, wird er in Sizi­lien angeb­lich von Don Vito Cascio Ferro per­sön­lich ermordet.

Bekannt sind auch die "Five Points" und die "James Street Gang" von Johnny Torrio, dem Neffen von Colo­simo. Die Politik von New York City wird durch die Tam­many Hall, ein ämter­ver­tei­lender Wahl­ap­parat der Demo­kra­ti­schen Partei, beherrscht. Iri­sche und dann auch jüdi­sche Gangster schmieren die Poli­tiker der Tam­many Hall, stellen ihnen die Wahl­helfer und Schläger zur Ver­fü­gung, damit sie von Polizei und Justiz in Ruhe gelassen werden.

Nach bewaff­neten Stras­sen­schlachten im August 1903 zwi­schen der 1200 Mann starken jüdi­schen Gang von Monk Eastman mit riva­li­sie­renden Gangs greifen die Behörden ein, aller­dings nicht, um die Gangs zu eli­mi­nieren, son­dern nur, um einen Waf­fen­still­stand zu ver­mit­teln.
Quellen: Davis (1988): 20 – 28, Delorme: 17 – 33, Gian­cana: 28ff, Marrs: 157, Best.

1898: Lateinamerika-​Politik der USA top

Bereits am 2.12.1823 ver­kün­dete Prä­si­dent James Monroe die nach ihm bekannte Dok­trin, die den Euro­päern jeg­li­chen Ein­fluss in den ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nenten ver­bietet. Die Briten wollen das brö­ckelnde Kolo­ni­al­reich der Spa­nier beerben, was die USA zu ver­hin­dern verstehen.

  • 1824 erfolgt eine mili­tä­ri­sche Inter­ven­tion der USA in Puerto Rico,
  • 1831 in Argen­ti­nien, und
  • 1845 und 1847 in Mexico, worauf die USA die Hälfte des Ter­ri­to­riums annektieren.
  • Nach dem Ende des Bür­ger­kriegs pro­kla­mierte Prä­si­dent Ulysses Grant seinen Glauben an die "offen­kun­dige Bestim­mung" der USA, den gesamten Kon­ti­nent unter ihre Vor­herr­schaft zu bringen. Zur "Ver­tei­di­gung der Demo­kratie" werden lau­fend Unabhängigkeits-​Bewegungen abgeklemmt.

Meist wird der ame­ri­ka­ni­sche Impe­ria­lismus reli­giös legi­ti­miert: Schon im Krieg gegen die Mexi­kaner in den 1840er Jahre wurde mit Rekurs auf die Prä­des­ti­na­ti­ons­lehre behauptet, Gott selbst habe die Pferde und Kanonen der Ver­ei­nigten Staaten gesegnet.

1859 ver­tei­digte Horace Greeley die Mas­saker an den Prä­ri­ein­dia­nern mit der­selben Logik: "Diese Leute müssen aus­sterben — es kann ihnen nie­mand helfen. Gott hat die Erde denen gegeben, die sie sich untertan machen und sie zu kul­ti­vieren ver­stehen; es wäre ver­messen, sich seinem gerechten Auf­trag zu wider­setzen."

Die Politik der USA ist von Anfang auf die Eli­mi­na­tion der Urein­wohner aus­ge­richtet, denn die Kolo­ni­sa­tion war nicht auf Herr­schaft, son­dern auf pri­vat­recht­liche Ansied­lung ange­legt. Des­halb gab es, im Unter­schied zu den spa­ni­schen Kolo­nien, nie eine Mestizengesellschaft.

Wäh­rend Jahr­hun­derten grenzte man die Indianer ‚aus der Gesell­schaft' aus und ver­drängte sie. Um ihnen die Lebens­grund­lage zu ent­ziehen, wurden bis 1897 fast alle Bisons (30 – 40 Mio. Tiere) geschlachtet.

Erst 1924 erhielten die Indianer auf dem Papier die volle Staats­bür­ger­schaft, was sich aber in der Praxis nicht durch­setzte.
1893 beschliesst die Königin von Hawai, den Ein­fluss der aus den USA ein­ge­wan­derten Pflanze und Mis­sio­naren ein­zu­schränken. Unter US-​Präsident Ulysses S. Grant war mit dem König von Hawai ein "Ver­trag auf Gegen­sei­tig­keit" unter­zeichnet worden, der das König­reich fak­tisch zu einem Pro­tek­torat der USA machte.

Mit 250 Mari­ne­sol­daten orga­ni­sieren die USA 1983 einen Putsch, der die Mon­ar­chie abschafft und eine ame­ri­ka­freund­liche Regie­rung ein­setzt.
Die Depres­sion im Winter 1893/​94 brachte grosse Arbeits­lo­sig­keit, gewalt­tä­tige Streiks in den Stahl­werken von Penn­syl­vania und den Koh­le­berg­werken von West Virginia.

Der Auf­ruhr zwang die Olig­ar­chen an der Ost­küste, etwas zu finden, um den "Eiter aus dem anar­chis­ti­schen, sozia­lis­ti­schen und popu­lis­ti­schen Furunkel zu ziehen", wie ein Banker aus Phil­adel­phia sich ausdrückt.

Prä­si­dent Wil­liam McK­inley setzt auf die Idee eines ame­ri­ka­ni­schen Empire: Seit 1895 führte José Marti den zweiten Unab­hän­gig­keits­krieg in Kuba, und McK­inley orga­ni­sierte die Explo­sion des Pan­zer­kreu­zers USS Maine im Hafen von Havanna, um Spa­nien den Krieg zu erklären.
McK­inley unter­grub alle Ver­suche der Spa­nier zu ver­han­deln.
Die Pres­se­zaren Joseph Pulitzer von World und Wil­liam Ran­dolph Hearst vom New York Journal behaup­teten meh­rere Wochen lang, die Spa­nier hätten eine Mine gelegt.

Die USA erobern Puerto Rico und unter­stellen es bis zur for­malen Annek­tion von 1952 einem US-​Gouverneur. Auf einer der schönsten Inseln der Karibik, Vie­ques, testet das US-​Militär 2008 an 200 Tagen im Jahr scharfe Bomben.
Beim Feldzug auf den Phil­ip­pinen mas­sa­krieren die Marines 200'000 Ein­wohner.

Albert Beve­r­idge, repu­bli­ka­ni­scher Senator aus Indiana, meint 1901: "Wir werden nicht klein beigeben im Auf­trag, unserer Rasse, unter Gottes Wille welt­weit als Treu­hän­derin der Zivi­li­sa­tion zu wirken, und wir werden mit unserem Werk wei­ter­ma­chen, ohne wie Sklaven, die zu ihrer Arbeit gepeitscht werden, unseren Schmerz her­aus­zu­schreien, son­dern mit Dank­bar­keit für ein Unter­nehmen, das unserer Kraft würdig ist, mit Dank­bar­keit gegen­über dem all­mäch­tigen Gott, dass er uns als sein aus­er­wähltes Volk bezeichnet hat, das fortan seine Hei­lung der Welt anführen darf."

1911 kommt eine Unter­su­chungs­kom­mis­sion zum Schluss, ein Explo­si­ons­un­glück im Maschi­nen­raum habe den Unter­gang des Schiffes und den Tod von 260 See­leuten aus­ge­löst. Die USA diri­gieren die Innen­po­litik und inter­ve­nieren bei Wider­stand mili­tä­risch: 1906, 1912 und 1917, wonach bis 1934 eine US-​Militärverwaltung besteht.

Wegen der Kon­trolle der Häfen und der Hafen­ge­werk­schaften arbeiten die Import– und Export­firmen, vor allem wenn sie mit schnell­ver­derb­li­chen Gütern han­deln, mit der Mafia zusammen. In der Revo­lu­tion von 1911 in Hon­duras spielt die Mafia von New Orleans eine füh­rende Rolle. Dabei werden die euro­päi­schen Banken und Inves­toren zurück­ge­drängt, und die US-​Bananenfirmen bekommen freie Hand.

Samuel Zemurray von der Cuy­amel Banana Com­pany, die später zur United Fruit gehört, finan­ziert den in einem Bor­dell von New Orleans geplanten Coup.
Bereits 1903 und 1905 haben die USA die "Ord­nung wie­der­her­ge­stellt" und 1919 und 1924 erfolgen erneute mili­tä­ri­sche Inter­ven­tionen.
Die Koope­ra­tion von US-​Firmen, dem Militär, der Mafia und lokalen Herr­schern bewährt sich in ganz Latein­ame­rika: Nach einer ersten Inter­ven­tion 1853 machte sich der Ame­ri­kaner Wil­liam Walker 1855 dank seiner Söld­ner­armee zum Prä­si­denten von Nicaragua.

1857 und 1860 inter­ve­nieren die US-​Marines erneut in Nica­ragua. 1909 stürzten die Marines Prä­si­dent Zelaya und die USA besetzten das Land, wobei die Mafia ihre Zusam­men­ar­beit mit den US-​Firmen institutionalisiert.

Nach der Inter­ven­tion von 1912 wurde Adolfo Diaz an die Macht gesetzt, der den Ame­ri­ka­nern die Kon­trolle des Finanz­sys­tems Nica­ra­guas und den Bau einer Mili­tär­gar­nison bei Managua erlaubte, wo die Marines bis 1925 blieben.
1914 erfolgte der Bryan-​Chamorro-​Vertrag, der den USA das exklu­sive Recht auf den Bau eines geplanten Kanals sicherte. Nachdem der US-​Schützling Emi­liano Cha­morro sich an die Macht geputscht hat, greifen die Marines gegen die Unab­hän­gig­keits­armee von Augusto Cesar San­dino 1927 erneut ein und bauen die berüch­tigte Natio­nal­garde auf, an deren Spitze Ana­st­asia Somozo 1932 die Macht übernimmt.

1903 erwei­terte Theo­dore Roo­se­velt die Monroe-​Doktrin, indem die USA die Funk­tion der "Welt­po­lizei" über­nehmen müsse bei einem "Fehl­ver­halten" eines Staates: "Stän­diges Fehl­ver­halten oder die Unfä­hig­keit, die auf eine all­ge­meine Locke­rung der Bande der zivi­li­sierten Gesell­schaft hin­aus­läuft, können in Ame­rika, wie auch anderswo, am Ende das Ein­greifen irgend­einer zivi­li­sierten Nation erfor­der­lich werden lassen."

Da der kolum­bia­ni­sche Senat sich wei­gerte, die Nut­zungs­rechte des geplanten Kanals in der Pro­vinz Panama den Ame­ri­ka­nern für hun­dert Jahre zu über­lassen, orga­ni­sierte Roo­se­velt die Revo­lu­tion vom 3.11.1903 in der Pro­vinz Panama, worauf die USA die Gebiets­ab­tren­nung erzwangen.

Eine Inva­sion in der kolum­bia­ni­schen Pro­vinz war bereits 1860 erfolgt. Auf­grund der offen­sicht­li­chen Mani­plua­tion zahlt der US-​Kongress 1921 den Kolum­bia­nern eine Ent­schä­di­gung von $25 Mio. Trotzdem erhält Panama 1926 fak­tisch den Status eines Bundesstaates.

Prä­si­dent Wil­liam Taft pro­phe­zeit 1912: "Die gesamte Hemi­sphäre wird uns gehören, da sie uns kraft der Über­le­gen­heit unserer Rasse mora­lisch eigent­lich schon jetzt gehört". In den nächsten 25 Jahren folgen 12 wei­tere Inter­ven­tionen und 8 Inva­sionen. 1915 wird die Repu­blik Haiti erstickt: Unter Wil­liam B. Caperton landet ein Korps in Port-​au-​Prince und zwingt das Land, wie schon im Falle der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik 1907, die Militär-​, Zivil– und Finanz­ver­wal­tung sowie das Zoll– und Steu­er­system in die Hände der Ame­ri­kaner zu über­geben. Die Ame­ri­kaner befürch­teten, das hoch ver­schul­dete Land könnte seine Schul­den­zah­lungen ein­stellen. Bis 1934 halten die USA das Mili­tär­pro­tek­torat aufrecht.

1921 wird mit einer US-​Intervention Prä­si­dent Her­rera in Gua­te­mala gestürzt, der sich gegen die Expan­si­ons­pläne der United Fruit stellt.
1923 werden Pläne für eine Föde­ra­lis­ti­sche Repu­blik von Gua­te­mala, Hon­duras und El Sal­vador ver­ei­telt. General Smedley D. Butler schreibt am 21.8.31 in der New York Times:

  • "Ich half 1903, Hon­duras für die ame­ri­ka­ni­schen Frucht­firmen zu öffnen.
    Ich half 1914 Mexico, und spe­ziell Tam­pico, die Ölin­ter­essen zu sichern.
    Ich half, aus Haiti und Kuba einen netten Platz zu machen, wo die Jungs von der National City Bank Geld ver­dienen können.
    Ich half ein halbes Dut­zend zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Repu­bliken für die Wall Street weich­zu­kopfen.
    Ich half 1909 – 1912, Nica­ragua für die inter­na­tio­nale Bank Brown Bro­thers zu säu­bern.
    Ich öffnete die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik 1916 für die ame­ri­ka­ni­schen Zucker­firmen.
    In China beschützte ich Stan­dard Oil.

Rück­bli­ckend denke ich, dass ich Al Capone einige Tipps hätte geben können. Er betrieb seine Erpres­sungs­ge­schäfte in 3 Distrikten, ich arbei­tete in drei Kontinenten."

1927 behauptet der ame­ri­ka­ni­sche Bot­schafter in Paris, Myron Herrick:
"Die Ver­ei­nigten Staaten gieren nicht nach Land. […] Wer uns impe­ria­lis­ti­sche Absichten unter­stellt, kennt die Fakten nicht oder ist unauf­richtig."

Nachdem die USA in ganz Latein­ame­rika tota­li­täre Mili­tär­re­gimes instal­liert haben, ver­kündet Prä­si­dent Fran­klin Roo­se­velt 1934 die "Politik der gut­nach­bar­schaft­li­chen Bezie­hungen". Quellen: Delorme: 17 – 33, CIA-​Info: 15f, Davis (1988): 20 – 28, Best, Lemoine (2003), Ramonet (2003b), Lapham, Kinzer.
1917: Erster Weltkrieg

Der Unter­gang des Pas­sa­gier­damp­fers Lusi­tania vor der Süd­küste Eng­lands im Mai 1915 lie­fert Woo­drow Wilson den Vor­wand, gegen Deutsch­land in den Krieg zu ziehen.

Die Presse heizt die Stim­mung an, indem behauptet wird, bel­gi­sche Nonnen würden von den Deut­schen über glü­henden Kohlen geröstet.
Der erste Welt­krieg eröffnet unge­ahnte Ver­dienst­mög­lich­keiten für Bör­sen­spe­ku­lanten wie J. P. Morgan oder Edward H. Har­riman, der 1898 mit Kre­diten von Wil­liam Rocke­feller, Otto Kahn, Jacob Schiff und Felix War­burg die Kon­trolle der Union Pacific Rail­road über­nommen hatte. (Anm.: Alles unter Roth­schilds finan­zi­eller Deckung)

Der Bruder von John D. Rocke­feller besitzt die National City Bank (später City Bank), die die Waf­fen­in­dus­trie für den Krieg reor­ga­ni­sierte.
Percy A. Rocke­feller über­nahm die Kon­trolle der Remington Arms Com­pany, die die USA, Eng­land und Russ­land mit Maschi­nen­ge­wehren, auto­ma­ti­schen Pis­tolen und Muni­tion beliefert.

Trotz dem Kriegs­ein­tritt der USA wegen dem Busi­ness und der Absicht, die Welt­macht­stel­lung der Eng­länder zu übernehmen

, prä­sen­tiert Wilson seine "Vier­zehn Punkte" auf der Frie­dens­kon­fe­renz in Ver­sailles mit der Begrün­dung: "Ame­rika hat das unend­liche Pri­vileg, seine Bestim­mung zu erfüllen und die Welt zu retten".

Pres­cotts Vater Samuel P. Bush, Prä­si­dent der Buckeye Steel Cas­tings, wird 1918 dank Har­riman direkt dem Direktor der staat­li­chen Waf­fen­be­schaf­fung unter­stellt und nützt diese Posi­tion für die Rüs­tungs­firma Remington.
1934 beschäf­tigt sich ein Unter­su­chungs­aus­schuss des Senats mit den Machen­schaften des als ‚Mer­chant of Death' bezeich­neten Waf­fen­dea­lers im 1. Welt­krieg. Zudem ist Samuel Bush Prä­si­dent der Federal Reserve Bank von Cleve­land und Berater des Prä­si­denten Her­bert Hoover.

Zusammen mit seinem Freund E. Roland Har­riman wurde Pres­cott Bush 1916 in die ras­sis­ti­sche Yale-​Geheimgesellschaft Skull & Bones auf­ge­nommen.
Der exklu­sivste von rund einem Dut­zend Geheim­bünden der Ivy-​League nimmt jedes Jahr nur 15 Mit­glieder auf. Zur Ivy-​League gehören acht Eli­te­uni­ver­si­täten im Nord­osten der USA: Brown Uni­ver­sity, Columbia Uni­ver­sity, Cor­nell Uni­ver­sity, Darmouth Col­lege, Har­vard, Prin­ceton, Uni­ver­sity of Penn­syl­vania und Yale (Ivy Plus unfasst noch das Mas­sa­chus­setts Institut of Tech­no­logy und die Stan­ford University).

Den Zugang zu diesen Uni­ver­si­täten gelingt fast nur nach dem Besuch teurer Pri­vat­schulen wie der Phil­lips Aca­demy (die die Bushs besuchten), der ‚legacy' (der Vater und der Gross­vater haben bereits an dieser Uni stu­diert) und der Spen­den­zah­lung. Har­vard ist mit einem Fond von $22 Mia. die reichste Uni­ver­sität, gefolgt von Prin­ceton und Yale mit je etwa der Hälfte.

Die S&B wurde 1832 gegründet und umfasst heute 800 Mit­glieder. In Har­vard ist es der Porcel­lian Club und in Prin­ceton der Ivy-​Club, die das Old-​Boy-​Network und damit das rigide Klas­sen­system der USA reproduzieren.

Die Mit­glieder dieser Aris­to­kratie schanzen sich die obersten Stellen im Staat (in den Gerichten, im Kon­gress, der CIA und der Regie­rung) und in der Wirt­schaft (in den Anwalts­kanz­leien und den Kon­zernen) zu.
George Her­bert Walker baut 1919 die Pri­vat­bank W.A. Har­riman & Co mit auf, an der unter anderem Percy Rocke­feller als Direktor mit­be­tei­ligt ist.
Averell Har­riman bekommt nach mona­te­langem Tak­tieren unter nie ver­öf­fent­lichten Kon­di­tionen die von den USA am Ende des ersten Welt­kriegs kon­fis­zierten Dampf­schiffe der Hamburg-​Amerika-​Linie, was ihm das Monopol für die nächsten 20 Jahre sichert.

Die W.A. Har­riman fusio­niert mit der Pri­vat­bank Morton & Co. und ver­schafft sich 1922 über die Warburg-​Bank den Zugang zur deut­schen Schwer­in­dus­trie und zu rus­si­schen Ölkonzessionen.

1921 hei­ratet Pres­cott Bush Wal­kers Tochter Dorothy und wird 1926 Vize­prä­si­dent der W.A. Har­riman Bank. Als Geschäfts­führer der Union Ban­king Corp. und der Hamburg-​Amerika-​Linie wird Bonesman Bush einer der wich­tigsten Unter­stützer der Nazis.

Nach der Fusion mit dem Bank­haus Brown Bro­thers 1931 wird die Brown Bro­thers Har­riman zur grössten und poli­tisch ein­fluss­reichsten Pri­vat­bank Ame­rikas, und Averell Har­riman berät in Sachen Finanzen ins­ge­samt 6 US-​Präsidenten. Er finan­ziert als Partner von Pres­cott Bush über die Union Ban­king nicht nur die Nazis, son­dern mit seiner Garanty Trust Com­pany auch die Auf­rüs­tung der Sowjet­union.
Quellen: Tarpley/​Chaitkin: 13 – 20, Ploppa, Brö­ckers, Birn­baum, Lapham (2004), Fan­tasia (2004), Lau­rent: 18.

1920: Pro­hi­bi­tion top

Wäh­rend der Pro­hi­bi­tion (16.1.20 – 5.12.33) ent­wi­ckeln sich die Gangs zu eigent­li­chen Industrieimperien-​Besitzer. Bereits vor dem ersten Welt­krieg führte einige Staaten wie Kansas auf­grund reli­giöser und femi­nis­ti­scher Lob­by­gruppen das Alko­hol­verbot ein.

Der Krieg ver­stärkte den Alko­ho­lismus, was die Ein­füh­rung des natio­nalen Ver­bots von Her­stel­lung, Ver­trieb und Ver­kauf alko­ho­li­scher Getränke erleich­terte. Die jüdi­schen Mobster (Dutch Schultz mit der Firma Sea­grams und Jack "Legs" Dia­mond) sind die ersten im Alko­hol­schwarz­brennen und –schmuggeln.

Jüdi­schen Ursprungs sind auch die Bronfman-​Brothers in Kanada sowie Arnold Roth­stein und Mannie Kessler in New York. Die Iren steigen eben­falls von Anfang an ins Boot­leg­ging ein: Big Bill Dwyer in New York, Steve Wal­lace, Dan Car­roll und Joe Ken­nedy in Boston, Tommy McGinley in Cleve­land, Tommy Banks in Min­nea­polis und Charles O'Bannion in Chicago.

Nach den Juden und Iren ent­de­cken die ita­lie­ni­schen Gangs, die viel gewalt­tä­tiger sind und sich oft gegen­seitig bekämpfen (z.B. Sizi­lianer gegen Nea­po­li­taner), den Markt.

Aller­dings arbeiten Juden und Ita­liener auch manchmal zusammen. Die ita­lie­ni­sche Mafia, die bisher vor allem die Pro­sti­tu­tion und die Geld­spiele beherrschte, wird erst durch den Alko­hol­schmuggel eine bedeu­tende Macht.
Um Dia­mond Joe Espo­sito nicht in die Quere zu kommen, bleibt Big Jim Colo­simo in Chi­cago beim Pro­sti­tu­ti­ons­ge­schäft. Sein Neffe Johnny Torrio holt 1919 Al Capone aus New York, und sie ver­su­chen zu zweit, Colo­simo von den Vor­teilen des Alko­hol­schmug­gels zu überzeugen.

Da er nicht ein­schwenkt, wird er am 11. Mai 1920 von Frankie Yale umge­bracht. Danach baut John Torrio ein wei­teres Alko­hol­kar­tell in Chi­cago auf. Wäh­rend drei Jahren kann Torrio den Frieden auf­recht­er­halten, indem er die anderen Gang­führer über­zeugt, dass ohne Ban­den­kriege mehr Geld zu ver­dienen ist.

1923 wollen ver­schie­dene Gangs ihre Ter­ri­to­rien erwei­tern, und neue sizi­lia­ni­sche Immi­granten kommen in Chi­cago an, die die Unione Sici­liana unter­wan­dern, um am Alko­hol­ge­schäft mit­zu­ver­dienen. In den 20er Jahren ereignen sich 500 Mafia­morde in Chi­cago, fast alle ohne eine Ver­ur­tei­lungen der Täter.

Die Macht­stel­lung von Dia­mond Joe Espo­sito ist gesi­chert, weil er den für die Alko­hol­pro­duk­tion not­wen­digen Zucker­im­port kon­trol­liert, angeb­lich eine von Prä­si­dent John Calvin Coo­lidge per­sön­lich aus­ge­stellte Lizenz. Espo­sito erzählt von meh­reren Treffen mit Coo­lidge, für den er im Gegenzug bei den Wahlen Stimmen organisiert.

Der Boss demons­triert seine Macht, indem er von den Ita­lie­nern ver­langt, mit den hüb­schesten Bräuten vor der Hoch­zeits­nacht zu schlafen. Trotz dieser Ent­wür­di­gung wird ihm wäh­rend den 20 Jahren seiner Herr­schaft keine Jung­frau verweigert.

Johnny Torrio, Al Capone, Jake Guzik, Paul Ricca, Murray Hum­phreys, Frank Nitti, Jack McGurn und Tony Accardo kamen alle auf­grund von Espo­sitos poli­ti­schen Bezie­hungen von New York nach Chi­cago und arbeiten für ihn. Die sechs Genna-​Brüder leiten die ille­galen Destil­le­rien im Patch und schmieren über 400 Polizisten.

Auf­kom­mende Kon­kur­renten im Alko­hol­ge­schäft werden mit Bomben bekämpft, wofür Gangs wie die "42" ange­stellt werden. Allein 1925 werden über 100 Bom­ben­at­ten­tate verübt. Der wil­deste der Auf­steiger ist Al Capone, der 1928 im Alter von 29 Jahren das höchste Pri­vatein­kommen in den USA erzielt: $105 Mio.

In New York City wird die Kor­rup­tion durch die Vor­macht­stel­lung der Tam­many Hall beson­ders geför­dert. Es gibt zwei domi­nie­rende kri­mi­nelle Orga­ni­sa­tion: Die jüdi­sche um Arthur Roth­stein mit Arnold "Dutch Schultz" Fle­gel­heimer und James J. Hines. Und die ita­lie­ni­sche Orga­ni­sa­tion um Albert C. Mari­nelli mit Joe Mas­seria, der Mitte der 20er Jahre zum domi­nanten Alko­hol­dealer in New York auf­steigt und ein rie­siges Ver­mögen anhäuft.

Carlo Gam­bino, Joe Adonis und Albert Ana­st­asia arbeiten für "the Chi­nese", wie der vul­gäre Mas­seria wegen seinen dicken Backen und schmalen Augen von seinen Feinden genannt wird.
Bereits ein Jahr nach Ein­füh­rung des Alko­hol­ver­bots bestehen in New York 5000 Spe­kea­sies, deren Zahl bis 1927 auf 40'000 ansteigt.

Der 1920 zum Prä­si­denten gewählte Warren Har­ding, selbst ein Alko­ho­liker, wird wegen seiner sexu­ellen Bezie­hungen erpresst, die grossen Schmuggler zu schützen.

Die unpo­pu­läre Pro­hi­bi­tion macht die Gangster zu Helden und salon­fä­higen Geschäfts­herren und fes­tigt die Bezie­hungen zwi­schen Gangs­tern mit der ame­ri­ka­ni­schen Politik, da Poli­zisten, Richter und Staats­be­amte durch die enormen Pro­fite gross­züzig besto­chen werden können. Laut dem Chi­ca­goer Poli­zei­chef Charles Fitz­morris sind 60% der Poli­zisten im Alko­hol­ge­schäft tätig. Von den jähr­lich bis zu 4000 wegen ille­galer Glück­spiele Ange­klagten werden durch­schnitt­lich ledig­lich 175 vor Gericht gestellt.

Auf­grund der Ban­den­kriege und des wach­senden Drucks der Behörden ver­legen die Gangs ihre Haupt­sitze in die umlie­genden Vor­orten. Eine Bewe­gung weg von den tra­di­tio­nellen Zen­tren zu besser kon­trol­lier­baren Gemeinden ent­steht. Aber die Gangster ver­su­chen in allen Städten, die Ämter­ver­tei­lung zu beeinflussen.

Poli­tiker, die oft nur mit ent­spre­chenden Stim­men­käufen gewählt werden, bleiben für Skan­dale am expo­nier­testen und lassen des­halb den Mobster den benö­tigten Frei­raum. Jour­na­listen, Richter, Jus­tiz­be­amte, Poli­zisten und FBI-​Beamte haben nichts zu fürchten, da sie in den Augen der Mafia nur ihren Job tun. Wenn sie sich schmieren lassen, wird aller­dings Loya­lität erwartet.

Auch nor­male Bürger haben nichts zu befürchten, es sei denn, sie haben Spiel­kre­dite von Loan Sharks auf­ge­nommen, die sie nicht zurück­zahlen können. Gefähr­lich leben hin­gegen Infor­manten und Zeugen, die bei Pro­zessen aussagen.

Dutch Schultz baut sein Number Racket-​Imperium auf und ver­dient vor­wie­gend an den armen Schwarzen. Das ein­fache Spiel besteht darin, dass der Spieler eine Zahl zwi­schen 0 und 999 wählt, bei der rich­tigen Zahl aber höchs­tens 600 Mal den Ein­satz aus­be­zahlt bekommt. Da viele spielen, setzt Dutch Schultz $80'000 pro Tag um. Dazu kommen die Pfer­de­renn­wetten, wofür Dutch Schultz das Mathe­ma­tik­genie Otto Berman als Spiel­bank­ex­perte anstellt.

Mit der Zeit beginnt jedoch die ita­lie­ni­sche Mafia, Geld­spiele und Wetten zu kon­trol­lieren, wobei die Juden die "Banken" und "Buch­hal­tungen" wei­ter­be­treiben und die Run­ners meist Schwarze sind.

Die Kon­trol­leure kas­sieren 35% der Ein­nahmen, wenn sie die Polizei schmieren, sonst 30% und die "Bank" über­nimmt die Schmier­gelder. Der Kon­trol­leur bezahlt sei­ner­seits 20 bis 25% seiner Ein­nahmen an die Run­ners. Diese ziehen bei einem Gewinner aber auch einen Teil für sich ab. In New York werden die Pro­fite aus dem ille­galen Spiel­ge­schäft auf $500 Mio. geschätzt.

Die Mobster, die die Number-​Rackets kon­trol­lieren, sind zudem die grössten "Loan sharks": für 20% Zins pro Woche leihen sie denen Geld, die sonst keines mehr bekommen, und ihre Methoden der Wie­der­ein­trei­bung sind effi­zient.
Quellen: Gian­cana: 30ff, 178, Lacey: 59, Best: 9, Davis(1993): 30 – 36, Delorme: 39, 77 – 83, Geffen, Behr (2002).
1920: Joe Ken­nedys Kar­riere top

Joseph Patrick Ken­nedy steigt in den Alko­hol­schmuggel ein und ver­dient damit das Kapital, um an der Börse im grossen Mass­stab zu inves­tieren.
Sein Vater, Patrick Joseph Ken­nedy, der Sohn des 1848 aus Dun­ga­nas­town in Irland ein­ge­wan­derten Patrick Ken­nedy, wurde 1885 nur 27jährig Abge­ord­neter von East Boston im Reprä­sen­tan­ten­haus. Er begann seinen sozialen Auf­stieg dank seinem blü­henden Alkoholgeschäft.

Da er im "Hin­terhof von Boston" äusserst populär war, wurde er dreimal zum Senator gewählt, Mit­glied des Zen­tral­ko­mi­tees und später Vor­sit­zender des Stra­te­gie­aus­schusses der Demo­kra­ti­schen Partei. Trotz dieses Auf­stiegs blieb Patrick Joseph Ken­nedy letzt­lich nur ein Lokal­po­li­tiker, wes­halb er seinen 1888 gebo­renen Sohn Joseph Patrick an die aris­to­kra­ti­sche Har­vard schickte.

Obwohl Joe ein Star im Base­ball war, blieb er auf­grund seiner irisch-​katholischen Her­kunft von vielen Akti­vi­täten des Campus aus­ge­schlossen. Er setzte sich zum Ziel, mit 30 Mil­lionär zu sein, damit er "auf diese pro­tes­tan­ti­schen Bas­tarde pissen" könne. Nach dem Har­vard­ab­schluss bekam Joe Ken­nedy dank dem poli­ti­schen Ein­fluss seines Vaters einen Posten als staat­li­cher Bankre­visor mit einem Jah­res­ge­halt von $1500.

Da es Joe gelang, die kleine Columbia Trust Com­pany, an der sein Vater wesent­lich mit­be­tei­ligt war, vor einer Über­nahme zu retten, wofür er sich mit $45'000 per­sön­lich ver­schul­dete, wurde er vom Auf­sichtsrat mit nur 26 zum jüngsten Bank­prä­si­denten der USA befördert.

1914 hei­ra­tete er Rose Fitz­ge­rald, die Tochter des eben raus­ge­wor­fenen Bür­ger­meis­ters von Boston. Mit vielen gewagten Ein­sätzen in legalen und anderen Geschäften ent­stand der Grund­stock von Ken­nedys Ver­mögen.
Um den Aktiv­dienst zu ver­meiden, stieg Ken­nedy 1917 als stell­ver­tre­tender Manager der Beth­lehem Steel in der rie­sigen Fore River Werft, wo Zer­störer gebaut werden, ein.

Daneben kaufte er sich eine Ver­triebs­kon­zes­sion der Uni­versal Pic­tures.
John F. Fitz­ge­rald gewinnt am 5.11.1918 die Wahl zum Reprä­sen­tanten von Boston gegen den eben­falls demo­kra­ti­schen Kon­kur­renten Peter F. Tague. "Honey Fitz" Fitz­ge­rald for­derte Tague heraus, da dieser sich nicht an einem ein­träg­li­chen Grund­stück­handel mit dem Fore River Shi­pyard, wo sein Schwie­ger­sohn Joe Ken­nedy im Manage­ment tätig ist, betei­ligen wollte.

Seine Wahl­kampf­or­ga­ni­sa­toren, zu denen Joe Ken­nedy gehört, rekru­tieren ita­lie­ni­sche Immi­granten und Pro­fi­boxer, die Tague-​Wähler mit­tels Dro­hungen und Schlägen umstimmen. Ein Drittel der ungül­tigen Stimmen kommen von Per­sonen, die nicht im Bezirk leben, andere Stimmen lauten auf Namen von Kriegs­ge­fal­lenen oder noch in Europa sta­tio­nierten Sol­daten. Am meisten fal­sche Stimmen kommen aus dem Pro­sti­tu­ier­ten­mi­lieu. Am 24.10.19 wird Fitz­ge­rald nach acht­mo­na­tiger Unter­su­chung wegen Wahl­be­trugs aus dem Reprä­sen­tan­ten­haus ausgeschlossen.

1942 schickt Joe Ken­nedy den dann 79-​jährigen noch­mals ins Rennen, um den popu­lären New Deal Demo­kraten Joseph E. Casey, einer von Roo­se­velts Favo­riten und daher mög­li­chen Kon­kur­renten seines Sohnes Joe Jr. zu schwä­chen. Der Repu­bli­kaner Henry Cabot Lodge Jr. gewinnt dann zwar, aber die Ken­nedys haben gelernt, wie man mit viel Geld und geschickter Pro­pa­ganda auch einen sehr guten Kan­di­daten aus­schalten kann. 1920 steigt Ken­nedy bei der Mas­sa­chu­setts Elec­tric ein und zieht nach New York an die Wall Street.

Nach dem Krieg arbeitet Joe Ken­nedy als Leiter der Akti­en­ab­tei­lung des Mak­ler­hauses Hayden, Stone and Com­pany und macht dank Insi­der­in­for­ma­tionen mit Bör­sen­spe­ku­la­tionen so viel Geld, dass er sich für seine sechs­köp­fige Familie ein neues Zwölf­zim­mer­haus in Brookline und einen neuen Rolls-​Royce kaufen kann. Wie­viel und wie Ken­nedy Geld ver­dient, bleibt sein Geheimnis, auch seiner Familie gegen­über, die gelernt hat, nie­mals Fragen dar­über zu stellen.

Joe Ken­nedy, dessen Vater schon Alkohol impor­tierte, benutzt medi­zi­ni­sche Erlaub­nis­pa­piere für den Import von kana­di­schem Whiskey, wovon er 200'000 Kisten ins Land geschmug­gelt haben soll. Damit wird er zu einem Kon­kur­renten der Mafiosi, zu denen er zwangs­läufig auch part­ner­schaft­liche Kon­takte unterhält.

Anfangs schifft Ken­nedy eng­li­schen Scotch und Gin an die 12-​Meilen Grenze, wo Frank Costellos Leute den Alkohol über­nehmen, wes­halb Costello später behauptet, er habe Ken­nedy reich gemacht. Ken­nedy arbeitet wäh­rend Jahren auch mit Owny Madden zusammen und mietet Leute von Murder, Inc, um mit den Gewerk­schaften fertig zu werden.

Weil Ken­nedy auf dem Gebiet der jüdi­schen Purple Gang in Detroit ohne Erlaubnis geschmug­gelten Rum ver­kauft, will diese seinen Kopf. Ken­nedy geht nach Chi­cago und bittet Dia­mond Joe Espo­sito um Unter­stüt­zung. Da ihm dieser das Leben rettet, bleibt er in der Schuld der Mafia von Chicago.

Die Gewinne aus dem Alko­hol­schmuggel inves­tiert Ken­nedy meist an der Börse und betei­ligt sich an einer Kino­kette. Er gibt seine Stelle bei Hayden, Stone and Com­pany 1923 auf und eröffnet sein eigenes Büro in Boston: "Joseph P. Ken­nedy, Ban­kier". Für seine bisher sieben Kinder und seine Frau Rose gründet Ken­nedy Treu­hand­fonds, womit er ihnen eine wirt­schaft­liche Unab­hän­gig­keit für poli­ti­sche Kar­rieren ermög­licht. Sie sollten schliess­lich über je $10 Mio. ver­fügen können.

Nachdem er, offenbar auch mit Gel­dern der Mafia Chi­cagos, die Kon­trolle der "Film Boo­king Office of Ame­rica" erringt, zieht Ken­nedy 1925 nach Hol­ly­wood.
Hol­ly­wood ist seit 1912 von jüdi­schen Flücht­lingen aus Ost­eu­ropa (Samuel Goldman, Louis B. Mayer, Karl Lemmle, Wil­liam Fox, Adolph Zukor, Harry Cohn und die Brüder Jack und Harry Warner) auf­ge­baut worden, die wie nie­mand sonst den Ame­rican Way of Life defi­nieren.

Im Bedürfnis nach Assi­mi­la­tion schufen die Aus­sen­seiter eine idea­li­sierte Welt, bei der das Böse immer vom guten Helden besiegt wird. Mayer ver­schob seinen Geburtstag auf den 4. Juli und fei­erte ihn jeweils mit grossem Pomp und hun­derten von illus­tren Gästen.

Auch die meisten berühmten Schau­spie­le­rInnen wie Kirk Dou­glas, Paul Newman, Lili Palmer Clark Gable, Tony Curtis oder Judy Hol­liday sind jüdi­scher Her­kunft und werden zum Inbe­griff der ame­ri­ka­ni­schen Kultur. Trotzdem werden Juden bis in die 30er Jahre nicht in die Klubs der Rei­chen auf­ge­nommen, und die gesell­schaft­liche Aner­ken­nung bleibt den ‚Superame­ri­ka­nern' versagt.

Wäh­rend die Familie in New York wohnt, ver­gnügt sich Joe Ken­nedy mit Jean Harlow, Anita Page und Greta Garbo und ver­sucht sich als Film­pro­du­zent von Low­bud­get­filmen. Seine wich­tigste Geschäfts­part­nerin und Lieb­ha­berin ist Gloria Swanson, die ihm einen Sohn (Joseph) zur Welt bringt. Ken­nedy über­nimmt fak­tisch die Kon­trolle über ihr Leben, startet die Gloria Pro­duc­tions und ver­sucht ver­geb­lich, von der Katho­li­schen Kirche einen Dis­pens zu erhalten, der das Zusam­men­leben erlaubt hätte. Rose setzt sich häufig nach Europa ab und kom­pen­siert ihre Frus­tra­tion mit Einkäufen.

Beson­ders der junge Jack leidet unter den dau­ernden Absenzen seiner Eltern. Mit Käufen und Ver­käufen von Film­ge­sell­schaften berei­chert sich Ken­nedy um geschätzte $5 Mio. in Hol­ly­wood.
Quellen: Hersh: 35 – 43, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/​Horowitz: 7 – 54, Gian­cana: 73, 214, Wolfe: 125ff, Jaco­bo­vici, Russel (2000), Geffen, Amara, Gabler.

1924: J. Edgar Hoover und das Bureau of Investigation

John Edgar Hoover wird im Mai 1924 vor­läu­figer Chef des Bureau of Inves­ti­ga­tion, ernannt vom Gene­ral­staats­an­walt Harlan Fiske Stone.
Hoover über­nahm 1918 24jährig die General Intel­li­gence Divi­sion, mit dem Auf­trag, die sub­ver­siven Umtriebe zu stu­dieren. Das Bureau of Inves­ti­ga­tion wurde 1909 vom ras­sis­ti­schen und schwach­sin­nigen Prä­si­denten Theo­dore Roo­se­velt gegründet, der seine Kar­riere als Poli­zei­kom­missär in New York begann.

Charles Bona­parte, dem Gross­neffen Napo­leons, ging mit 9 Agenten gegen die Arbeiter-​Bewegung vor. Die Syndikalismus-​Bewegung mobi­li­sierte 4 Mio. Strei­kenden in 2665 Streiks in einem Jahr. Zur Bekämp­fung der Gewerk­schaften wurden Bür­ger­ver­eine und Frei­wil­li­gen­ver­bände wie die Ame­rican Pro­tec­tive League gegründet und von der Indus­trie finan­ziert. Innen­mi­nister A. Mit­chell Palmer liess am 2.1.19 ganze Stadt­viertel abrie­geln und durch­su­chen, um Linke zu finden. Hoover beur­teilte die vor­ge­nom­menen Raz­zien, Ver­haf­tungen, Ver­ur­tei­lungen und Aus­wei­sungen als "zu lasch".

In seinem Eifer umging er die Grund­rechte im Kampf gegen die Anar­chisten und Kom­mu­nisten, indem er diese ohne Gerichts­ur­teile aus­schaffen liess (am 21.12.19 249 Per­sonen und am 2.1.20 556). Das Vor­gehen Hoo­vers kos­tete Palmer seine Kar­riere, im Gegen­satz zu Hoover, der zu seiner Ver­tei­di­gung begann, nicht nur Infor­ma­tionen über Radi­kale und Schwarze zu sam­meln, son­dern auch über gewählte Poli­tiker, Richter und Wissenschaftler.

Im Jahre 1920 ver­haf­tete die Polizei 4000 "sub­ver­sive Ele­mente" in 33 Städten. Bekannt wurden die beiden Anar­chisten Nicola Sacco und Bar­to­lomeo Van­zetti, die dem Rache­willen der Poli­tiker und der Polizei zum Opfer fielen. Die Mafiosi Joe und Butsey Morelli aus Pro­vi­dence, Rhode Island, waren für die den Anar­chisten zuge­scho­benen Über­fälle und Morde ver­ant­wort­lich.
Am 22.8.21 wurde Hoover von Jus­tiz­mi­nister Harry Daug­herty zum Vize­di­rektor des Bureau of Inves­ti­ga­tion, das bereits Dos­siers über 500'000 Per­sonen besitzt, ernannt.

Stone ver­bietet dem neuen Bun­des­po­li­zei­chef Unter­su­chungen in poli­ti­schen Pro­zessen und ordnet eine Reform der Abtei­lung an. Des­halb säu­bert Hoover das kor­rupte Netz seiner 657 Agenten, baut eine Eli­te­truppe auf und führt eine auto­ri­täre Hier­ar­chie ein.

Die Agenten des streng pres­by­te­ria­nisch erzo­genen Juristen dürfen nicht trinken, keine Schnurr­bärte tragen, werden bei Ehe­bruch sofort gefeuert, per­ma­nent kon­trol­liert und in Akten erfasst. Die Repres­sion der linken Arbei­ter­ver­tre­tungen, die Ver­ur­tei­lungen und Rück­schaf­fungen von Kom­mu­nisten und Anar­chisten und das neue Ein­wan­de­rungs­ge­setz lassen die Zahl der Ein­wan­derer ab 1924 stark zurückgehen.

Der Johnson-​Reed Immi­gra­tion Act kommt auf­grund der ‚Beweise' der Intel­li­genz­for­scher zustande, wonach Schwarze, arme Weisse und Süd– und Ost­eu­ro­päer, wobei vor allem die jüdi­schen Ein­wan­derer gemeint sind, geistig min­der­wertig und kri­mi­na­li­täts­ge­fährdet seien.

Die mas­sive Beschrän­kung der Ein­wan­de­rung wird unter­stützt durch den Ku-​Klux-​Klan, der Mitte der 20er jahre 5 Mio. Mit­glieder zählt. Der Ku-​Klux-​Klan war 1915 wie­der­ge­gründet worden, um die eth­ni­sche, reli­giöse und mora­li­sche ‚Ein­heit' des ‚Weissen Ame­rika' zu schützen. Nach einigen Skan­dalen bricht die Bewe­gung 1925 aber zusammen.

Hoover und seine Agenten legen trotz des Ver­bots nicht nur über Linke, Bür­ger­rechtler und Kri­mi­nelle, son­dern auch über Poli­tiker Dos­siers an. Am 25.3.25 eröffnet Hoover sein "Obs­cene File". Seine Macht beruht auf diesen — zum Teil intimen — pri­vaten Daten, mit denen er die Poli­tiker erpressen kann. Kein Prä­si­dent wagt es, Hoover zu ent­lassen. Sein Stell­ver­treter Wil­liam Sul­livan bezeichnet Hoover als den grössten Erpresser aller Zeiten.

Dank diesen Unter­lagen bleibt Hoover bis zu seinem Tod 1972 Direktor des FBI und über­lebt acht Prä­si­denten und 16 Jus­tiz­mi­nister. Er ist den Prä­si­denten aller­dings auch gefällig: Auf Wunsch von Roo­se­velt, Truman, Johnson und Nixon lässt er deren Gegner überwachen.

1925 wird zur Stär­kung des umstrit­tenen FBI die pri­vate National Crime Com­mis­sion geschaffen, aller­dings nicht um den Alko­hol­schmuggel und das Gangs­tertum zu bekämpfen, son­dern um die Macht der Polizei im Kampf gegen die Gewerk­schaften zu stärken. Die Grün­dungs­ver­samm­lung findet bezeich­nen­der­weise in den Räumen der United States Steel Cor­po­ra­tion statt.
1928 erklärt der Oberste Gerichtshof das Abhören von Tele­fon­ge­sprä­chen für verfassungsmässig.

Am 2.4.28 stellt Hoover seinen Lebens­partner Clyde Tolson ein, der Guy Hottel mit­bringt. Die beiden werden seine Ver­trau­ens­männer an der Spitze des Federal Bureau of Inves­ti­ga­tion. Nebenbei ist Hoover zugleich Direktor einer Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft.
Quellen: Davis (1984), Fox: 65, Theoharis/​Cox: 21 – 88, 159, Schulz: 41, Todd, Sum­mers (1993), Tarpley/​Chaitkin: 536f,

1925: Al Capone in Chicago

Benito Mus­so­lini besuchte 1924 das erste Mal Sizi­lien, und schickt kurz darauf meh­rere Infan­te­rie­re­gi­mente nach Sizi­lien. Der Prä­fekt Cesare Mori baute ein System von Spit­zeln auf und konnte 1926 die Macht der Mafia bre­chen, indem er mit Folter und Erpres­sung die 11'000 Ver­haf­teten zum Reden brachte. Selbst die beiden mäch­tigsten Bosse Don Calo Viz­zini und Genco Russo kamen ins Gefängis. Mus­so­lini löste damit eine Mafiosi-​Fluchtwelle, wozu Ste­fano und Antonio Mag­ad­dino, Sal­va­tore Mar­anzano, Joe Bonanno, Mike Cop­pola, Joe Pro­faci und Joe Magliocco gehörten, ins Para­dies der Pro­hi­bi­tion aus.

Bis Mitte des Jahr­hun­derts emi­grieren ins­ge­samt über 5 Mio. Ita­liener in die USA, die die lokale Struktur der bis­he­rigen Mafia in den USA ver­än­dern.
In Chi­cago unter­wan­derten die Neu­an­kömm­linge aus Sizi­lien die Unione Sici­liana, eine 1895 gegrün­dete Genos­sen­schaft für gegen­sei­tige Hilfe, und benutzten sie als Front für kri­mi­nelle Aktivitäten.

Michele Merlo, einer der Bosse Chi­cagos, starb am 8.11.24 an Krebs. Die Mafia hatte im fol­genden Mühe, sich zu behaupten. In internen Kämpfen werden sechs füh­rende Mafiosi umge­bracht: Angelo Genna und Sam Samoots Amatuna (1925), Antonio Lom­bardo (1928), Pas­quale Lolordo (1929), Giu­seppe Aiello (1930) und Ago­s­tine Loverdo (1931).

Neben den ver­schie­denen Mafia-​Familien und dem Syn­dikat von Torrio mit Alfonso Capone gibt es die iri­sche North Side Gang, die eben­falls im Alko­hol­ge­schäft tätig ist. Ihr Chef, Charles Dion O'Bannion, wurde am 10.11.24 in seinem Blu­men­laden, in dem Al Capone für $10'000 rote Rosen und Johnny Torrio für $10'000 Chry­san­themen für das Begräbnis von Merlo bestellt hatten, ermordet. O'Bannion soll selbst für den Mord von 24 Per­sonen ver­ant­wort­lich gewesen sein.

Zum Kon­flikt kam es, weil seine Männer meh­rere Last­wagen mit Alkohol der Genna-​Brüder ent­führten. Nach­folger O'Bannions wurden Frank Gusen­berg und George "Bugs" Moran. Sowohl die Gennas wie auch die Aiellos gehören im Gegen­satz zu Torrio der Unione Sici­liana an.

Im Januar 1925 wollen der 17jährige Sam Gian­cana und Leo­nard Gia­nola Johnny Torrio im Auf­trag Al Capones umbringen, ver­letzen ihn aber nur. Capone erträgt es nicht, dass Torrio sich wei­gert, den Kuchen zu teilen. Torrio ver­lässt dar­aufhin die Stadt mit seinen ange­häuften $40 Mio. und über­lässt Capone seinen Platz.

Dieser schaltet nun sys­te­ma­tisch alle Kon­kur­renten aus: Gian­cana wird im Mai 1925 erneut enga­giert, um die Gennas aus­zu­schalten: Nachdem Angelo, Mike und Tony Genna umge­kommen sind, flüchten die rest­li­chen drei Brüder. Gian­cana bringt am 3.10.28 auch seinen Mentor und Beschützer Dia­mond Joe Espo­sito um. Am 8.1.29 wird Pas­qua­lino Lolordo von Joe Aiello und den Brü­dern Frank und Pete Gusen­berg ermordet.

Al Capone, der im Laufe seiner Kar­riere 215 Morde ange­ordnet haben soll, orga­ni­siert das Manage­ment des Ver­bre­cher­kar­tells, das mit­hilfe der geschmierten Koope­ra­tion von Poli­ti­kern, Polizei und Jus­tiz­be­amten $60 – 250 Mio. Umsatz erwirt­schaftet. Der popu­läre Capone gibt der Bevöl­ke­rung, was sie will: Alkohol, Sex und Spiele, und zusammen mit Paul Ricca führt er die poli­ti­schen Bezie­hungen Espo­sitos weiter. Das Syn­dikat Al Capones ist mit der Lolordo-​Familie ver­bündet, die mit der Aiello-​Familie in Kon­flikt steht.

Am 14.2.29 wird die iri­sche North Side Gang mit einem sie­ben­fa­chen Mord aus­ge­schaltet. Die Mörder fahren am Valen­tinstag in einem Poli­zei­auto und in Uni­form beim Treff­punkt vor und erschiessen die nichts­ah­nenden Anwe­senden. Capone steht hinter der Ermor­dung von Frank und Pete Gusen­berg, Jack May, Al Weins­hank und Adam Heyer. Bugs Moran, eigent­li­ches Ziel des Anschlags, und seine Leib­wächter Willie Marks und Ted News­berry über­leben, weil sie ver­spätet zum Treff­punkt erscheinen.

Moran zweigte Capones Alkohol ab und ver­kaufte ihn an eigene Kunden. Moran ver­liert trotz dem fehl­ge­schla­genen Attentat seine Macht­basis und zieht sich aus dem Alko­hol­ge­schäft zurück.
Damit besitzen Al Capone und und Don Giu­seppe Aiello, der am 23.10.30 im Auf­trag von Pas­quale Pres­ti­gio­comi ermordet wird, das Alko­hol­mo­nopol in Chicago.

Aber Al Capones Berühmt­heit als ‚scar­face' ist den anderen Mafiosi ein Dorn im Auge, weil es das Geschäft gefährdet. Mafia-​Bosse von ver­schie­denen Fami­lien und Städten treffen sich im Mai 1929 in Atlanta City und teilen die Ter­ri­to­rien den ein­zelnen Fami­lien zu. Auf­grund der Pro­hi­bi­tion sys­te­ma­ti­sierte sich die Koope­ra­tion zwi­schen den Schmugg­lern der ein­zelnen Staaten, wobei die grossen Bosse des Nord­wes­tens den Ton angeben.

Dazu gehören Al Capone, Joe Adonis, Lepke Buch­alter, Moe Dalitz, Johnny Torrio, Lucky Luciano, Frank Costello, Charlie Solomon, Waxey Gordon, Longy Zwillman, das Rein­feld Syn­dikat, Meyer Lansky und Bugsy Siegel. In Neben­ge­sprä­chen wird beschlossen, dass der publi­zi­täts­süch­tige Al Capone, der die Plätze von Torrio und Espo­sito und damit die Macht in Chi­cago über­nommen hatte, gehen muss.

Auf dem Nach­hau­seweg von Atlanta wird Capone wegen uner­laubtem Waf­fen­be­sitz ver­haftet und zu einem Jahr Gefängnis ver­ur­teilt. Kaum ent­lassen, kommt Al Capone wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung erneut für 11 Jahre ins Gefängnis.

Paul Ricca über­nimmt den Vor­sitz in Chi­cago. Ricca hiess Paul DeLucia, bis er 1920 in die USA flüch­tete. Er wurde 17jährig wegen Mordes ver­ur­teilt und brachte unmit­telbar nach seiner Ent­las­sung den Zeugen, der ihn ins Gefängnis gebracht hatte, um. In den USA arbei­tete er dann in der Zen­trale von Espo­sito, dem Café Bella Napoli, woher er seinen Über­namen "the Waiter" hat. Die Medien sind über­zeugt, dass Frank "the Enforcer" Nitti der Nach­folger von "Scar­face" sei, was Ricca, Hum­phreys und Jake Guzik, der für die Finanzen zuständig ist, ziem­lich freie Hand lässt.

Tat­säch­lich plante Nitti zusammen mit Capones Cousin Rocco Fischetti die Kon­trolle der Orga­ni­sa­tion zu über­nehmen, aber Ricca hat die Rücken­de­ckung des Syn­di­kats. 1939 wird Capone ent­lassen, stirbt aber kurz darauf an Syphilis, die er sich bei einer seiner min­der­jäh­rigen Pro­sti­tu­ierten zuge­zogen hatte.
Quellen: Bradley, Raith: 72f, Delorme: 87ff, 133 – 145, Gian­cana: 30 – 34, 67, Best: 4,10, Behr (2002), Olgiatti, Russel (2000).

Oktober 1929: Börsenkrise

Drei Monate vor dem Börsen-​Crash 1929 stösst Joe Ken­nedy alle Aktien ab, wie Michel C. Bou­vier auch. Er gehört damit zusammen mit Indus­tri­ellen wie Wil­liam Crapo Durant von der General Motors und John Davison Rocke­feller zu den Aus­lö­sern des "Schwarzen Freitags".

Ken­nedy wird wie Ber­nard Baruch oder Jean Paul Getty dank dem Bör­sen­crash zum Mul­ti­mil­lionär, weil er sichere Aktien wie bei­spiels­weise von General Elec­tric kauft, die von $391 auf $10 gefallen sind.

In den USA ver­rin­gert sich die Pro­duk­tion um 90%. Die Ent­las­sungs­welle führt zu einer Arbeits­lo­sig­keit von 25% und dazu, dass die Bauern ihre Ernten ver­nichten, obwohl die Bevöl­ke­rung hun­gert, dass viele Woh­nungen leer stehen, wäh­rend die Men­schen campen müssen und dass sie sich keine Kleider mehr kaufen können und frieren, obwohl die Lager­häuser zum Bersten voll sind. Die Kom­mu­nis­ti­sche Partei und andere Arbei­ter­or­ga­ni­sa­tionen haben regen Zulauf und orga­ni­sieren Streiks und Fabrik­be­set­zungen, die mit Truppen nie­der­ge­knüp­pelt werden.

Dou­glas MacAr­thur und Dwight D. Eisenhower spielen eine zen­trale Rolle bei der Bekämp­fung der unbe­waff­neten Ver­samm­lungen. Selbst gegen die 12'000 Vete­ranen des Ersten Welt­kriegs, die in Washington die Zah­lung ihrer Ent­schä­di­gungen ein­for­derten, schiessen die mobi­li­sierten Truppen.
Hoo­vers Ansehen bricht dar­aufhin zusammen, und der Gou­ver­neur von New York, Fran­klin D. Roo­se­velt, gewinnt die Wahlen 1932 mit einem Erd­rutsch­sieg, aller­dings weniger auf­grund seines Kon­zepts des New Deal, son­dern weil er die Pro­hi­bi­tion abschaffen will.

Auf­grund der inter­na­tio­nalen Kre­dit­sys­teme ist die ganze Welt vom Zusam­men­bruch betroffen. Allein in den Indus­trie­län­dern sind 1930 bereits 35 Mio. Men­schen ohne Arbeit. Vor allem in Deutsch­land bewirkt die poli­ti­sche Radi­ka­li­sie­rung auf­grund der Arbeits­lo­sig­keit von 40% den Nähr­boden für den Erfolg des Natio­nal­so­zia­lismus und den 2. Welt­krieg.
Quellen: Martin: 81f, Best: 16ff, Kessler (1997), Collier/​Horowitz: 35 – 54, Hil­le­s­heim, Cash 5.1.96.

1931: Die Mafia in New York

Charlie Luciano, Ben­jamin Siegel und Meyer Lansky hatten sich schon vor der Pro­hi­bi­tion ken­nen­ge­lernt und schlossen ihre ita­lie­ni­sche und jüdi­sche Bande zum Kampf gegen die iri­schen Gruppen zusammen. Charlie Luciano, als Neun­jäh­riger 1906 von Sizi­lien ein­ge­wan­dert, machte seine ersten Erfah­rungen mit soge­nannten Schutz-​Rackets. Er nutzte als 18jähriger die grosse Zahl der Rausch­gift­süch­tigen in der Gegend um die East Tenth Street, indem er sich eine halbe Fla­sche Opium kaufte und deren Inhalt in kleinen Mengen weiterverkaufte.

Beim Ver­kauf seiner dritten Fla­sche wurde er erwischt und zu 8 Monaten Erzie­hungs­an­stalt ver­ur­teilt. Als er 5 Jahre später wegen Hero­in­han­dels ver­haftet wird, ent­geht er dem Gefängnis, weil er die Beamten zu einem Dro­gen­lager an der Mul­berry Street führt, worauf meh­rere seiner Kon­kur­renten von der Bild­fläche verschwinden.

Meyer Lansky wurde 1902 in Grodno (Polen) als Meyer Suchowl­jansky geboren und kam 1912 in die USA. Seine ersten Erfah­rungen machte Meyer mit Craps-​Spielen an Stras­sen­ecken an der Lower East Side in Man­hattan. Er ver­dingte sich als Wacht­posten, Ein­bre­cher und Schläger für Gewerk­schaften, die Streik­bre­cher ver­prü­geln und Maschinen und Waren sabo­tieren liessen.

Bereits im Alter von 16 Jahren ver­suchte er ver­geb­lich, Zuhälter zweier Pro­sti­tu­ierten zu werden. Ange­zogen durch die neue phan­tas­ti­sche Ein­kom­mens­quelle mit Alko­hol­schwarz­handel gab Lansky seinen Job als Auto­me­cha­niker für immer auf.

Seine bür­ger­liche Fas­sade bleibt jedoch ein Auto– und Last­wa­gen­ver­leih. Lansky orga­ni­sierte mit Benny Siegel, Sohn von ein­ge­wan­derten rus­si­schen Juden, den Alko­hol­trans­port und stellte Freunde wie Moe Sedway oder Red Levine als Über­wa­cher und Fahrer ein. Siegel ist ein geschickter Auto­dieb und wird wegen seiner Furcht­lo­sig­keit Bugsy genannt.

Lansky wurde Geschäfts­partner des unver­fro­renen Fat Al Levy und Schütz­ling des Arche­typen für das orga­ni­sierte Ver­bre­chen in Ame­rika, Arnold Roth­stein.
Der welt­män­ni­sche und char­mante Roth­stein traf nur sepa­rate Abspra­chen, so dass nie­mand, der auf­fliegt, sein Impe­rium durch Geschwät­zig­keit in Gefahr bringen kann. Als erster Jude erlangte er bedeu­tenden Ein­fluss in den rauch­ge­schwän­gerten Hin­ter­zim­mern der Tam­many Hall und wurde zum ‚König' der Alkoholschmuggler.

Arnold Roth­stein erhielt am 4.11.28 beim Park Cen­tral Hotel Kugeln in den Bauch, nachdem in Cleve­land das erste bekannte Mafia-​Meeting im Hotel Statler statt­fand, an dem 27 Mafiosi aus dem Osten, dem Süden und dem Mitt­leren Westen der USA teil­nahmen. "The Brain" starb zwei Tage später im Kran­ken­haus, nachdem er sich bis zuletzt gewei­gert hatte, der Polizei auch nur den kleinsten Hin­weis auf Täter oder Motiv zu geben.

Luciano ver­suchte, Meyer zu erpressen und lernte ihn so kennen. Nun koor­di­nierten Luciano, Lansky und Siegel den Alko­hol­schmuggel und ver­kauften in ihren Speakea­sies den selben Alkohol. Später kamen die Nea­po­li­taner Frank Costello (Fran­cesco Cas­tiglia) und Vito Genovese zum Team dazu. Luciano bean­spruchte schon früh die Füh­rung der Gang und plante mit Siegel die Dieb­stähle, Ent­füh­rungen, den Trans­port und Ver­kauf von Alkohol.

Der diplo­ma­ti­sche Costello spe­zia­li­sierte sich auf das Schmieren von Poli­zisten, und Lansky küm­merte sich um die Finanzen. Der bru­tale Genovese, der oft eigene Wege geht, galt als der Schläger der Gang. Bis Mitte der 20er Jahre kon­trol­lierte Lucianos Gang meh­rere Destil­le­rien, eine Last­wa­gen­flotte, um Alkohol von Kanada nach New York zu bringen, Lager­häuser, ein Entführer-​Team für die Alko­hol­lie­fe­rungen der kon­kur­ren­zie­renden Schmuggler sowie Dut­zende von Speakeasies.

Ins­ge­samt beschäf­tigte die Gang etwa 100 Per­sonen und soll $4 Mio. pro Jahr ver­dient haben, was sich Luciano, Lansky, Siegel und Costello unter­ein­ander auf­teilten. Joe Mas­seria bemerkte den erstaun­li­chen Auf­stieg von Lucianos Gang und begann, Luciano zu umwerben, damit dieser sich seiner Orga­ni­sa­tion anschliesst.

In New York tobte Ende der 20er Jahre der "Castellammare-​Krieg": In Brooklyn leben Hun­derte von Sizi­lia­nern aus Cas­tell­am­mare, west­lich von Palermo, die durch ihre Her­kunft eine Art Clan bilden. Sal­va­tore Mar­anzano wurde vom sizi­lia­ni­schen Capo di tutti capi Don Vito Cascio Ferro in die USA gesandt, mit dem Auf­trag, die ame­ri­ka­ni­sche Mafia unter sizi­lia­ni­sche Kon­trolle zu bringen.

Mar­anzano wurde zum Führer des Castellammare-​Clans und begann, Joe Mas­se­rias Macht zu unter­graben, indem er dessen Alko­hol­lie­fe­rungen ent­führen liess und die Speakea­sies zwang, seinen Alkohol zu ver­kaufen. 1928 ver­langte Mas­seria Tribut und liess prompt einen Mann von Mar­anz­anos Clan umbringen, als dieser sich wei­gerte zu zahlen. Es folgten Morde an wei­teren Cas­tell­am­ma­rese in anderen Städten, worauf Mar­anzano seine Angriffe auf Mas­se­rias Alko­hol­ge­schäfte intensivierte.

Mas­seria war der Situa­tinon je länger je weniger gewachsen, bis er schliess­lich die Ermor­dung aller Cas­tell­am­me­rese anord­nete, worauf ein eigent­li­cher Krieg aus­brach, da Mar­anzano durch seine 400 Männer zurück­schlagen liess. Nach einem Jahr hat Mas­seria bereits 50 seiner Männer ver­loren. Zu dieser Zeit beginnt die Gang von Luciano als Teil von Mas­se­rias Orga­ni­sa­tion mit Ana­st­asia und Gam­bino zusammenzuarbeiten.

Diese Alli­anzen sind aller­dings nicht stabil: Mas­se­rias Schütz­ling Carlo Gam­bino wech­selt zu Mar­anz­anos Orga­ni­sa­tion, zu der auf­stei­gende Kräfte wie Joe Pro­faci, Joe Bonanno und die Mag­ad­dinos gehören, als er das Gefühl hat, Mas­seria werde unterliegen.

Luciano wei­gerte sich, die Seite zu wech­seln, und wurde des­halb am 16.10.29 von Mar­anz­anos Män­nern in eine Falle gelockt und so geschlagen, dass sein Gesicht für immer ent­stellt bleibt. Sie hängten ihn an den Daumen an einen Baum und bear­bei­teten ihn mit Rasier­klingen und bren­nenden Ziga­retten bis zur Bewusst­lo­sig­keit, schlitzten ihm die Kehle auf und warfen ihn in ein Lager­haus. Nur durch Zufall wurde er gefunden und über­lebte, ‚lucky', wenn auch mit blei­benden Schäden. Zu diesem Zeit­punkt hatte er 17 Haft­strafen hinter sich.

1931 wech­selten Luciano und Genovese aber eben­falls die Seite. Luciano trifft Mas­seria am 15.4.31 im Restau­rant Nuova Villa Tam­ma­rano auf Coney Island zum Lunch. Als Luciano auf die Toi­lette geht, stürzen Genovese, Ana­st­asia, Siegel und Adonis herein und erschiessen Masseria.

Sal­va­tore Mar­anzano ist nun der mäch­tigste Boss im Land und beruft im Mai ein Mee­ting aller Fami­lien des Landes in einer grossen Ban­kett­halle in der Bronx ein, zu dem 400 Männer erscheinen. Er erklärt sich zum Boss der Bosse und ver­kündet eine neue Orga­ni­sa­ti­ons­struktur, wobei er den Begriff "Cosa Nostra" braucht. Mar­anzano ist der gebil­detste aller Bosse: er spricht sechs Spra­chen, ist ein guter Rhe­to­riker und ein grosser Ver­ehrer Cäsars, den er auf Latei­nisch liest, und lebt nach den Maximen von Mac­chia­velli.

Mar­anzano führt die mili­tä­ri­sche Orga­ni­sa­tion der Mafia ein: La Cosa Nostra wird in 24 Fami­lien ein­ge­teilt und von je einem "Capo" regiert. Dem Boss steht ein "Soto­capo" (Stell­ver­treter) zur Seite. Sie befehlen meh­rere "Capo­re­gime" (Leut­nants), die für die "button men" (Sol­daten) ver­ant­wort­lich sind. Eine strenge Befehls– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hier­ar­chie soll die Dis­zi­plin und Effi­zienz der Orga­ni­sa­tion garan­tieren. Gleich­zeitig ver­stärkt Mar­anzano mit dem Obli­ga­to­rium von Katho­li­zismus und ita­lie­ni­scher Natio­na­lität die tra­di­tio­nellen Werte und ver­langt unbe­dingte Ein­hal­tung der Omertà.

New York wird in 5 Fami­lien auf­teilt: Die Maranzano-​Familie in Brooklyn mit Joe Bonanno als Stell­ver­treter. Eine zweite in Brooklyn mit Mar­anz­anos gutem Freund Joe Pro­faci als Boss und mit Joe Colombo als Soto­capo. Eine dritte in Brooklyn mit Vin­cent Man­gano, dem Herr­scher über die Werft, mit Ana­st­asia als Unter­boss und Adonis, Gam­bino und Sca­lise als Leut­nants. Der extro­ver­tierte Adonis heisst eigent­lich Doto, hat aber seinen Namen in Hom­mage an seine Schön­heit gewechselt.

Im Gegen­satz zum ruhigen und ele­ganten Gam­bino, der vor­wie­gend für das Alko­hol­ge­schäft zuständig ist, gilt sein Vor­ge­setzter Ana­st­asia als blut­dürstig und jäh­zornig. Man­ganos Bruder Philip steigt in der Inter­na­tional Longshoremen's Asso­cia­tion auf, und Ana­st­asia macht für Man­gano viel Geld, indem er die Schiffs­ge­sell­schaften und –besitzer, Hafen­ar­beiter und Kapi­täne erpresst.

Mit der Kon­trolle des Hafens lassen sich auch grosse Gewinne mit Schmuggel von Alkohol und Drogen machen. Anstelle von Mas­seria steht jetzt Lucky Luciano, zu dem Costello und Genovese gehören, an der Spitze der vierten Orga­ni­sa­tion. Luciano über­nimmt Mas­se­rias Lotterie-​Rackets und ist Mar­anz­anos Kronprinz.

Anstelle der bis­he­rigen Reina-​Gang wird eine fünfte Familie geschaffen, die von Tommy Luc­chese geführt wird und zu der Frank Sca­lise gehört. Im ganzen Land zählt die Cosa Nostra 4000 – 5000 Mit­glieder und hat 30 – 40'000 Verbündeten.

Mar­anzano weiss, dass er seine eroberte Macht gegen die ambi­tio­nierten Jungen ver­tei­digen muss und plant, Al Capone, Frank Costello, Joe Adonis, Vito Genovese und Lucky Luciano umbringen zu lassen. Luciano hält nichts von den tra­di­tio­nellen Werten eines Mar­anzano, ihm geht es ums Geld­ma­chen, wes­halb er Lansky und Siegel mit der Cosa Nostra asso­zi­iert haben will.

Mar­anzano setzt den jungen iri­schen Killer Vin­cent "Mad Dog" Coll auf Luciano und Genovese an und teilt seine Pläne unvor­sich­ti­ger­weise seinen Ver­bün­deten mit, von denen einer Luciano warnt. Luciano kommt ihm zuvor, indem er ihm am 10.9.31 vier Killer der Siegel-​Lansky-​Gang in Uni­formen von Steu­er­be­amten in sein Büro schickt. Danach sichert sich Luciano die Macht, indem er die Säu­be­rung der alten Garde anordnet: 60 Maranzano-​Loyalisten werden umge­bracht. Damit ist der Ver­such fehl­ge­schlagen, die US-​Mafia von Sizi­lien aus zu kontrollieren.

Unter dem Pseud­onym Charles Ross orga­ni­siert Luciano eine ‚Frie­dens­kon­fe­renz' im Waldorf-​Astoria, in dem er resi­diert. Dabei voll­zieht sich die end­gül­tige Ame­ri­ka­ni­sie­rung der Mafia: Eine Kom­mis­sion von zwölf Bossen unter Lei­tung von Vin­cent Man­gano (Prä­si­dent), mit Lucky Luciano, Joe Pro­faci, Joseph Colombo, Frank Milano und anderen, soll demo­kra­tisch Aktionen und Strei­tig­keiten regeln. Aller­dings hat diese Kom­mis­sion keine zen­tra­lis­ti­sche Struktur, son­dern dient der Abgren­zung von Ter­ri­to­rien, und die 24 Fami­lien bleiben autonom.

Miami bleibt eine offene Stadt, wo alle Geschäfte betreiben können. Die Ein­tei­lung Mar­anz­anos lässt Luciano bestehen, aber er fügt jedem Boss einen "Con­si­gliere" (Berater) bei. Auch in der Unter­welt herrscht nun das markt­wirt­schaft­liche Prinzip des Laissez faire, wobei Geschäfts­in­ter­essen im Vor­der­grund stehen und nicht mehr for­male soziale Struk­turen wie Fami­lien– und Natio­nal­zu­ge­hö­rig­keit. Aller­dings sta­bi­li­siert das eth­ni­sche Bewusst­sein die Unter­welt dahin­ge­hend, dass Auf­ga­ben­tei­lung und Kom­pe­ten­zen­ver­tei­lung sich ent­spre­chend der Her­kunft durchsetzt:

  • Die Iren sind für Poli­ti­ker­be­ste­chung zuständig und stark in den Gewerk­schafts­er­pres­sungen ver­treten. Nach eigenen Angaben haben Luciano und Costello 1932 die Tam­many Hall, die poli­ti­sche Schalt­zen­trale New Yorks, in der Hand.
  • Die Juden, die nie zum innersten Kreis gehören, sind in Spiel­ge­schäften und Finanz­an­ge­le­gen­heiten favo­ri­siert, und
  • die Ita­liener über­nehmen Gewalt­akte und bean­spru­chen die Füh­rung. Luciano ist damit der erste moderne Mafia­boss, beraten von Meyer Lansky.

Nach dem Modell der Gang von Siegel und Lansky (The Bug and Meyer Mob) stellt Luciano die später so benannte Murder, Incor­po­rated auf die Beine, die in den 30er und 40er Jahren in New York und New Jersey Mord auf Bestel­lung aus­führt. Haupt­ziel ist, dass keine Ver­bin­dung zwi­schen Auf­trag­geber und Opfer her­ge­stellt werden kann, da die Auf­trag­geber die Täter nicht kennen.

Des­halb werden oft pro­fes­sio­nelle Killer aus anderen Staaten ange­heuert, um einen Auf­trag zu erle­digen. Albert Ana­st­asia kon­trol­liert die von Louis "Lepke" Buch­alter und Jacob "Gurrah" Shapiro geführte, eigen­stän­dige Orga­ni­sa­tion. Beide hatten mit Erpres­sungen bei den Hafen­ar­bei­tern und in der Beklei­dungs­in­dus­trie begonnen.

Die jüdi­schen und ita­lie­ni­schen Mörder ver­dienen $200 in der Woche, müssen aber immer ver­fügbar sein. Das Haupt­quar­tier ist ein immer geöff­neter Süs­sig­keits­laden in Brooklyn, das "Mid­night Rose's". Ana­st­asia hat durch die Kon­trolle der Murder Inc. und des Hafens eine unglaub­lich starke Macht­po­si­tion inner­halb der Mafia und wird Ende der 30er "Mad Hatter", "Earth­quake" und "Lord High Exe­cu­tioner" genannt.

Man schätzt die Zahl der aus­ge­führten Ermor­dungen der Murder Inc. auf min­des­tens 400 – 500, viel­leicht aber auch viel mehr. Mit­ilfe seines Bruder Anthony "Tough Tony" Ana­st­asio, der Vize­prä­si­dent der Inter­na­tional Longs­horemen, aber nie offi­zi­elles Mit­glied der Cosa Nostra wird, kon­trol­liert Ana­st­asia effi­zient den Hafen von Brooklyn.
Quellen: Delorme: 12 – 15, 57 – 68, Davis (1994): 34 – 58, Russel (2000), Best: 4f, Kon­kret Nr.7/1973: 49f, Behr: 111 – 119, Amendt: 28, Lacey: 55 – 64, Anson: 306f.

1932: Roo­se­velt und Kennedy

Fran­klin Delano Roo­se­velt wird mit der Unter­stüt­zung der Mafia, die über Joe Schenk Mil­lionen in die Wahl­kam­pagne fliessen liess, zum Prä­si­denten gewählt. 1937 soll Ricca, unter­dessen offi­zi­eller Boss von Chi­cago, sogar im Weissen Haus emp­fangen worden sein.

Joe Ken­nedy arbei­tete im Wahl­kampf­aus­schuss, spannte den Her­aus­geber Wil­liam Ran­dolph Hearst für die Nomi­na­tion ein und zahlte bei­nahe $100'000 an Roo­se­velts Wahl, ohne dann aber einen Job in der Regie­rung zu bekommen. Dafür wird Ken­nedy von Roo­se­velt als Vor­sit­zender der "Secu­ri­ties and Exch­ange Com­mis­sion", der staat­li­chen Kom­mis­sion zur Bör­sen­über­wa­chung, ein­ge­setzt. Ken­nedy gehört nicht nur zu den Pro­fi­teuren, son­dern zu den Aus­lö­sern der Wirt­schafts­krise. Dem erstaunten Publikum erklärt Roo­se­velt: "Diebe fangen Diebe am besten."

Ken­nedy führt tat­säch­lich harte Bestim­mungen ein und erzwingt die Offen­le­gung der Han­dels­ge­schäfte der Makler. Dank der Erfolge dieser Sta­bi­li­sie­rungs­po­litik wird Ken­nedy zum Ver­trauten Roo­se­velts.
Zudem kann er sich bei einer Reise mit Roo­se­velts Sohn nach Eng­land die Kon­zes­sionen von Gordon's Gin und Dewars– und Haig-​Whiskeys sichern und gründet "Somerset Impor­ters". Ihm gehört ein Teil einer Pfer­de­renn­bahn Hia­leah, was neben seiner Spiel­lei­den­schaft die Kon­takte zu Mobstern aufrechterhält.

Die Auf­he­bung der Pro­hi­bi­tion führt zu einem vehe­menten Kampf mit der Mafia, die sich eben­falls Kon­zes­sionen sichern will. Eine beson­dere Feind­schaft ver­bindet Ken­nedy mit Meyer Lansky und Joseph "Doc" Sta­cher, nachdem diese 1927 eine ganze Ladung iri­schen Whiskey ent­führten, wobei elf Männer getötet wurden. Ken­nedy glaubte zuerst, Zwillman hätte ihn bestohlen.

Da er nicht nur den Alkohol verlor, son­dern die Wittwen und Ange­hö­rigen ent­schä­digen musste, kos­tete ihn dies ein Ver­mögen. Ken­nedys Firma und Costellos Firma "Alli­ance Dis­tri­bu­tors" sind Mitte der 30er Jahre erbit­terte Kon­kur­renten, nachdem es einen Streit zwi­schen ihnen gegeben hat.
Quellen: Davis(1988): 39, Kessler (1997), Best: 18, Collier/​Horowitz: 73 – 85.

1933: Das Kar­tell der Erdölgesellschaften

Die sieben bedeu­tendsten Ölge­sell­schaften Exxon, Mobil Oil, Texaco, Gulf Oil, Stan­dard Oil of Cali­fornia, Anglo-​Persian Oil Com­pany und Royal Dutch-​Shell unter­zeichnen ein kar­tell­ähn­li­ches Abkommen zur Aus­beu­tung der ara­bi­schen Ölfelder.

Bisher wurde das meiste Öl in den USA geför­dert und von John D. Rocke­fel­lers Stan­dard Oil Com­pany raf­fi­niert. Diese wurde 1911 auf­grund von Anti­trust­ver­fü­gungen in Stan­dard Oil of New Jersey (=Exxon), Stan­dard Oil of New York (=Mobil Oil), Stan­dard Oil of Cali­fornia, Stan­dard Oil of Ohio, Stan­dard Oil of Indiana und Mara­thon Oil auf­ge­teilt. Noch 1920 wurden zwei Drittel des Öls in den USA geför­dert, aber die übrigen Welt­mächte zogen Kon­se­quenzen aus dem ersten Welt­krieg und ver­suchten, an die Ölvor­räte im Nahen Osten heranzukommen.

Vor allem die Eng­länder hatten sich mit einer 60jährigen Kon­zes­sion im Iran den zweiten Platz im Ölge­schäft gesi­chert. Zudem standen den Euro­päern die poli­tisch unsi­cheren rus­si­schen Ölfelder von Baku, die mit dem Kapital der Nobels und Roth­schilds erschlossen wurden, und die Ein­rich­tungen der Royal Dutch Com­pany in Niederländisch-​Ostindien zur Verfügung.

Im Juli 1928 wurde die vor dem Krieg gegrün­dete Tur­kish Petro­leum Com­pany unter den Ame­ri­ka­nern (Exxon, Gulf und Mobil bekamen 23.75%), den Briten (Anglo-​Persian und Royal Dutch-​Shell 47,5%) und Fran­zosen (Com­pa­gnie Française des Pétroles 23,75%) auf­ge­teilt. Der Besitzer Calouste Sarkis Gul­ben­kian behielt 5% der Aktien, womit die wei­tere Kon­kur­renz aus­ge­schlossen werden konnte.

Im Sep­tember 1928 wurden von Henri Deter­ding (Royal Dutch-​Shell), Walter Teagle (Stan­dard Oil of New Jersey) und John Cadman (Anglo-​Persian) auch die Auf­tei­lung der Märkte fest­ge­legt.
1933 wurde auch Gulf Oil ins das Kar­tell mit­ein­be­zogen und Kuwait auf­ge­teilt. Aller­dings hatte sich die Stan­dard Oil of Cali­fornia bereits Saudi-​Arabien unter den Nagel gerissen, indem Harry St. John Philby mit König Ibn Saud eine Kon­zes­sion aushandelte.

Aber die Stan­dard Oil of Cali­fornia kann sich auf den abge­spro­chenen Märkten nicht durch­setzen, wes­halb 1933 Aramco (Arabian-​American Oil Com­pany) gegründet wird, die sich zum grössten Erd­öl­pro­du­zenten ent­wi­ckeln wird. Wäh­rend der Depres­sion sinkt der Ölpreis auf 10 Cents pro Barrel, und die Aramco muss ver­su­chen, da die Bohr­türme in Texas und Mexico förm­lich aus dem Boden schiessen, die För­de­rung anderswo radikal zu unter­binden.
1935 wird über Harry St. John Philby ein neues Abkommen zwi­schen König Ibn Saud und der Aramco geschlossen, das ihr die Pro­duk­tions– und Trans­port­rechte bis ins Jahr 2000 garantiert.

Rocke­feller lässt das sau­di­sche Öl von Aris­to­teles Sokrates Onassis trans­por­tieren, der 1930 die ersten sechs Tanker kaufte und den ersten Gross­tanker Ariston bauen lässt. Onassis wurde 1906 in Smyrna (Türkei) geboren. Sein Vater war ein wohl­ha­bender Tabak­händler und Leiter der Börse bis zum 1. Welt­krieg, der das Ver­mögen seiner Familie zunichte machte. Onassis floh 1922 vor den grau­en­haften eth­ni­schen Säu­be­rungen der Türken, die Kara­tass besetzten, nach Grie­chen­land und kaufte mit dem geret­teten Geld seinen inhaf­tierten Vater frei.

1923 wan­derte er mit $250 nach Argen­i­nien aus. In Buenos Aires arbei­tete er in einer Tele­fon­ge­sell­schaft, han­delte mit tür­ki­schem Tabak und Opium, kre­ierte er eine eigene Ziga­ret­ten­marke für Frauen und schmug­gelte Alkohol in die USA.
Nachdem die grie­chi­sche Regie­rung die Anhe­bung der Zoll­steuer um 1000% beschlossen hat, reiste Onassis 1928 nach Grie­chen­land, wo er seinen Kon­takt zu Minister Mich­a­la­ko­poulas auf­baute, um eine Aus­nah­me­re­ge­lung für ihn zu erwirken.

Onassis wurde kurz darauf grie­chi­scher Vize­konsul, erhielt die griechisch-​argentinische Dop­pel­na­tio­na­lität, arbei­tete im Devi­sen­schwarz­markt und hatte mit Spio­nage zu tun. 1932 wurde ein Ver­si­che­rungs­be­trug für eine angeb­lich gesun­kene Fracht, an dem Onassis betei­ligt war, unter­drückt, indem die Dos­siers ver­schwinden.
Quellen: Marrs: 276, Epstein: 6 – 14, Best: 53, Evans, Morgenthaler.

Februar 1933: Das Attentat auf Roosevelt

Der Bür­ger­meister von Chi­cago, Anton Cermak, ist mit Roo­se­velt an einer Ver­an­stal­tung in Miami. Cermak wurde dank seinem Ver­spre­chen, mit Al Capones Orga­ni­sa­tion in Chi­cago auf­zu­räumen, zum Bür­ger­meister gewählt. Der Krieg Cer­maks gegen die Capone-​Organisation nützt vor allem dem Kon­kur­renten Teddy New­berry. Nach einem Mord­ver­such an Frank Nitti liess Ricca New­berry umbringen, und Cermak, der um sein Leben fürch­tete, flüch­tete nach Florida.

Ricca enga­gierte Joe Zan­gara, den Espo­sito fünf Jahre früher aus Sizi­lien holen liess und nach Flo­rida setzte, um den Zucker­im­port aus Kuba zu über­wa­chen. Zan­gara war Eli­te­schütze der ita­lie­ni­schen Armee und ist auf­grund seiner Spiel­lei­den­schaft stark verschuldet.

Giu­seppe Zan­gara feuert am 15.2.33 angeb­lich fünf Schüsse auf den Prä­si­denten, ohne ihn aller­dings zu treffen. Sechs Leute werden in der Schies­serei getroffen, dar­unter Cermak. Zan­gara hat eine .32 Pis­tole, Cermak wird mit einer .45 getroffen und stirbt drei Wochen später.

In der Nähe von Zan­gara steht ein zweiter unbe­merkter Killer. Die Unter­su­chung ergibt, dass Zan­gara ein Ein­zel­täter mit psy­cho­ti­schen Pro­blemen sei, der unter chro­ni­schen Magen­be­schwerden leidet, für die er die herr­schende Klasse ver­ant­wort­lich mache. Zan­gara wird ver­ur­teilt und auf dem elek­tri­schen Stuhl hin­ge­richtet. Roo­se­velt erhöht die Zahl seiner Leib­wächter danach um das 20fache und fährt nachher fast ur noch im geschlos­senen Wagen.
Quellen: Cal­lahan: 146, Gian­cana: 63f, Karel 2009.

Dezember 1933: Die Auf­he­bung der Prohibition

Mit der Auf­he­bung der Pro­hi­bi­tion muss sich die Mafia neue Geld­quellen erschliessen. Meyer Lansky, Moe Dalitz, Sam Tucker und andere gründen die Molaska Cor­po­ra­tion, die ille­gale Schnap­sher­steller mit Roh­stoffen belie­fern. Da mit der Lega­li­sie­rung eine hohe Alko­hol­steuer ein­ge­führt wird, geht der ille­gale Schmuggel weiter, wobei die Gewinn­margen massiv zurückgehen.

Auch andere Schmuggler wie Sam Bron­fman (Sea­gram), Lewis S. Rosen­stiel (Schenley Distil­lers), Joe Rein­feld, Longy Zwillman und Doc Sta­cher (Browne Vint­ners), Joe Linsey (White­hall Dis­tri­bu­ters) oder Joe Fusco der Capone-​Gang (Gold Seal Liquors) lega­li­sieren ihre Geschäfte, zumin­dest zum Teil.

Prak­tisch alle Alko­hol­firmen sind ehe­ma­lige Schmuggler. Die meisten suchen sich erträg­li­chere Ein­nah­me­quellen und nehmen ihre kri­mi­nellen Akti­vi­täten vor der Pro­hi­bi­tion wieder auf.

In den Aus­sen­be­zirken der Städte blühen die "Carpet Joints", eine Kom­bi­na­tion von Flüs­ter­kneipe und Spiel­ka­sino, die eben­falls Schmier­geld­zah­lungen an die lokalen Poli­zei­be­amten und Poli­tiker erfor­dern. Die "Ricks", die von 1933 an diese Tep­pich­schuppen betreiben, sind die ehe­ma­ligen Flüsterkneipenbesitzer.

Meyer Lansky kon­zen­triert sich auf das Glück­spiel­ge­schäft, haupt­säch­lich in Sara­toga, wo er zusammen mit Frank Cas­tello und Joe Adonis das Piping Rock Casino auf­baut. Auf dieser Basis eta­bliert er sich als Nach­folger von Arnold Roth­stein und wird eine Art Ban­kier der Unter­welt, Experte in Geld­wä­scherei, Finanz­ma­ni­pu­la­tionen und Buchmacherei.

Paul Ricca ver­sucht an einer Geheim­kon­fe­renz im Hotel Bis­marck in Chi­cago, Lucky Luciano, Rocco Fischetti, Harry Ducket und Syl­vester Agoglia zu über­zeugen, die Gewerk­schaften unter Kon­trolle zu bringen. Murray Hum­phreys hatte die Idee, nicht nur poli­ti­sche Macht der Arbeitnehmer-​Organisationen zu sichern, son­dern sich an den vollen Gewerk­schafts­kassen zu berei­chern.
Die Kon­trolle der Arbeiter und die Öffnung der Gewerk­schafts­kassen wird mit Inti­mi­da­tion erreicht, was Sam Gian­cana, Willie Bioff und Johnny Roselli übernehmen.

Die Mafia von Chi­cago nistet sich über Joe Ken­nedy in Hol­ly­wood ein. Roselli über­wacht die Akti­vi­täten in Kali­for­nien, zusammen mit Bugsy Siegel, Mickey Cohen und Frank Costello. George Browne und Willie Bioff werden an die Spitze der Kino­ge­werk­schaft Inter­na­tional Alli­ance of Thea­trical Stage Employees gesetzt. Die Gangster kon­zen­trieren ihre Inves­ti­tionen als gute Kapi­ta­listen in Berei­chen, in denen die Gewerk­schaften eher schwach sind.

Ver­häng­nis­voll für die Arbeiter ist die Über­nahme der Kon­trolle der Hafen­ar­beiter (Longs­horemen) unter Joseph Patrick Ryan (Prä­si­dent von 1927 – 53) und der Last­wa­gen­fahrer (Bro­ther­hood of Teams­ters) unter Daniel Tobin (1907 – 52).

Im New Yorker Hafen koor­di­nieren die ver­schie­denen Gangster die Kon­trolle durch die Grün­dung der Varick Enter­prises Inc, die den Umschlag des Hafens über­prüft, Abgaben ein­zieht und ver­teilt. Der starke Mann hinter Ryan ist Wil­liam J.McCormick. Neben den Hafen– und Trans­port­ge­werk­schaften können sich die Mafiosi vor allem bei den Labo­rers (Bau­ge­werbe) und im Gast­ge­werbe einnisten.

Für ihre Schläger, die sie gegen Arbei­ter­for­de­rungen und Streiks ein­setzen, kas­sieren sie anfäng­lich von den Fir­men­be­sit­zern. Mit der Kon­trolle der Gewerk­schafts­spitzen kas­sieren sie auch einen Teil der Gewerk­schafts­ab­gaben der Arbeiter. Manchmal über­nehmen die Mobster die Firmen auch gleich selbst.
Beson­ders übel geht es in der Tex­til­in­dus­trie New Yorks zu, wo die Gewerk­schaften Lepke Buch­alter und Gurrah Shapiro anheuern, die die Streik­bre­cher erfolg­reich bekämpfen und sich gewaltsam in den Besitz einiger Klei­der­firmen bringen.

Nach der Depres­sion und dem Ver­schwinden der Kom­mu­nisten in der McCarthy-​Hysterie und der Arbeits­kämpfe bleiben die Mobster als Para­siten trotzdem in ihren Machtpositionen.

Lucky Luciano kon­zen­triert sich auf soge­nannte Dienstleistungs-​Rackets: Buch­ma­cherei, Pro­sti­tu­tion und Dro­gen­handel. Mit dem Ende der Pro­hi­bi­tion gewinnt der Hero­in­handel an Bedeu­tung und ver­spricht noch höhere Gewinne als der Alko­hol­schmuggel. Nach der Erfin­dung der Injek­ti­ons­spritze 1864 wurde das 1803 ent­deckte Mor­phin als Wun­der­mittel für kranke und gesunde Sol­daten verwendet.

Die Firma Bayer brachte 1898 das Heroin als Hus­ten­mittel auf den Markt und warb mit dessen "Fähig­keit, Mor­phin­süch­tige schnells­tens zu heilen".
Dann löste der Erste Welt­krieg eine eigent­liche Such­t­epi­demie aus, worauf die meisten Staaten ver­suchten, mit Vor­schriften und Ver­boten dagegen anzukämpfen.

In Deutsch­land wurde Heroin zwar 1921 ver­schrei­bungs­pflichtig, aber erst seit 1958 ist es nicht mehr als Medi­ka­ment erhält­lich und wird durch Valium und Librium ersetzt.

In den USA wurde das Heroin 1924 ver­boten, worauf einige Paten ins Geschäft ein­stiegen. Die meisten Mafiosi waren jedoch gegen den unmo­ra­li­schen Drogenhandel.

Lucianos geniale Idee ist die Ver­bin­dung von Heroin und Pro­sti­tu­tion: süch­tige Dirnen sind wil­lige Arbeits­kräfte und erlauben einen dop­pelten Gewinn. Wenn sie in den Bor­dellen Heroin an die Freier wei­ter­ver­kaufen, sogar einen drei­fa­chen. Vier Jahren später kon­trol­liert Lucky Luciano 200 Bor­delle mit 1800 Pro­sti­tu­ierten und macht damit $10 Mio. Gewinn jährlich.

Meyer Lansky reist 1935 ins bri­ti­sche Shanghai und orga­ni­siert den Hero­in­handel mit "Pocken­n­arbe" Huang, dem Chef der "Grünen", und Chang Hsiao-​lin, dem Chef der "Roten". Die Gang der "Grünen" arbei­tete mit den Fran­zosen zusammen und besorgte für sie Rausch­gift– und Geheim­dienst­ge­schäfte, die "Roten" kol­la­bo­rierten mit dem bri­ti­schen Geheimdienst.

!927 zer­schlugen die Gangs zusammen mit Tschiang Kai-​schek den Gene­ral­streik der Arbei­ter­be­we­gung gegen die aus­län­di­schen Wirt­schafts­mächte und gegen die Gene­ra­lität. Das Mas­saker an den vor­mals ver­bün­deten Kom­mu­nisten dau­erte einige Monate. Tschiang Kai-​schek ver­wan­delte das Opi­um­verbot in ein Staats­mo­nopol, das aller­dings Ende 1928 wieder auf­ge­hoben wurde, da sich in der Ille­ga­lität grös­sere Geschäfte machen lassen. Die Huangs kon­trol­lieren seither den Osten, die Changs den Westen Chinas.

Für Meyer Lansky lie­fert Chang ab 1935 Heroin aus seinen Raf­fi­ne­rien, wäh­rend Huang den Trans­port in die USA kontrolliert.

Um nicht von einer Lie­fer­or­ga­ni­sa­tion abhän­ging zu sein, baut Meyer Lansky eine zweite Hero­in­kette auf. Da die Mafia in Sizi­lien von Mus­so­lini bekämpft und unter­drückt wird, kommt diese als Han­dels­partner nicht in Frage.
Fündig wird Meyer Lansky in Istanbul: Die Brüder Elio­poulos kaufen tür­ki­sches Opium auf und trans­por­tieren es — teil­weise schon zu Mor­phin ver­ar­beitet — nach Mar­seille.

Dort beherr­schen die beiden Bosse Paul Bon­na­ven­ture Car­bone und François Spi­rito die aus Korsen rekru­tierte Unter­welt. Der Umsatz deren Hero­in­raf­fi­nerie ver­grös­sert sich dank der Zusam­men­ar­beit mit Meyer Lansky um das Dreissigfache.

Ein wich­tiger Mann wird zudem der Finanz­makler John Pullman, der dafür sorgt, dass die nötigen Bank­ge­schäfte von nun an mit Schweizer Dis­kre­tion erle­digt werden. Meyer Lansky steigt 1936 in Hal­landale ins Glück­spiel­ge­schäft ein, das Julian "Pota­toes" Kaufman dort auf die Beine gestellt hat. Flo­rida ent­wi­ckelt sich zum Para­dies für Glück­spieler. Meyer Lansky über­sie­delt 1938 für drei Jahre nach Kuba.

Ful­gencio Batista, seit 1933 nach einem Putsch an der Macht, und Meyer Lansky schliessen einen Ver­trag: Lansky zahlt Batista $3 Mio. pro Jahr und bekommt dafür nach die Rechte für das Glück­spiel­ge­schäft auf der Insel, womit der Einzug der Mafia und des Glück­spiel– und Frei­er­tou­rismus in der Karibik beginnt.

Der Waf­fen­händler Rolando "El Tigre" Mas­ferrer über­zeugte Batista, sich mit Meyer Lansky zu asso­zi­ieren. Der kuba­ni­sche Senator schützt die Mob­in­ter­essen mit seiner Pri­vat­armee und baut eine lang­jäh­rige Freund­schaft mit den Traf­fi­cantes auf, die auch nach Cas­tros Macht­über­nahme anhält.

Der seit 1933 die Politik domi­nie­rende Feld­webel Ful­gencio Batista stellte die Glück­spiele im Januar 1937 unter mili­tä­ri­sche Kon­trolle und wollte die Ein­nahmen aus diesem Geschäft erhöhen. Dazu stellte er Lou Smith, ein erfolg­rei­cher Betreiber von Renn­an­lagen aus New Eng­land, an, der Frank Erikson und Lansky nach Kuba holte.

Meyer Lansky, der seit 5 Jahren Spiel­kon­zes­sionen hat, baut sein Impe­rium auf der Insel aus: er kauft fünf Hotels, pachtet und kauft ver­schie­dene Spiel­ka­sinos und pachtet im Namen von Rocke­fel­lers Chase Man­hattan Bank die Renn­bahn von Havanna.

Nach der Wahl Batistas zum Prä­si­denten ver­lässt Meyer Lansky 1940 Kuba und setzt Santos Traf­fi­cante Sr. als seinen Stell­ver­treter ein, den die US-​Drogenbehörde zukünftig für den Koor­di­nator der Dro­gen­ge­schäfte hält. Auf­grund der schlechten Wirt­schafts­lage ver­liert Batista die auf Druck der Ame­ri­kaner durch­ge­führten Wahlen 1944 und geht für 8 Jahre ins Exil nach Flo­rida.
Quellen: Geffen, Gian­cana: 69 – 72, Fox: 210, Olgiatti, Best: 6f, 32, Moldea: 4f, Behr: 160 – 170, 174f, Lacey, Russel (2000), Amendt: 28, Anson: 306f, Bar­tho­lomew (4): 18.

1934: Upton Sinclair

Der Jour­na­list und Schrift­steller Upton Sin­clair gewinnt die demo­kra­ti­schen Vor­wahlen in Kali­for­nien haus­hoch, mit mehr Stimmen als alle anderen Kan­di­daten zusammen. Sin­clair prak­ti­ziert einen inves­ti­ga­tiven Jour­na­lismus: Sein Roman Der Dschungel von 1906, in dem er die Aus­beu­tung der Arbeiter in Chi­cago schil­derte, erreichte Mil­lio­nen­auf­lage. Er pro­du­zierte einen Film von Sergej Eisen­stein, ver­tei­digte Sacco und Van­zetti und war eine sozia­lis­ti­sche Berühmtheit.

Er ver­sprach im Wahl­kampf, die durch die Wirt­schaft­krise gras­sie­rende Armut abzu­schaffen, indem er die leer­ste­henden Fabriken von den Besit­zern pachten und die Lei­tung den Arbei­tern über­geben und eine neue Steuer für Film­stu­dios ein­führen würde. Alle 700 Zei­tungen in den USA starten dar­aufhin eine Ver­leum­dungs­kam­pagne, die von den Gross­braue­reien, Sou­thern Pacific, Stan­dard Oil und der Elek­tri­zi­täts­firma PG&E finan­ziert wird, in der Sin­clair als Anti­christ und kom­mu­nis­ti­scher Agi­tator dar­ge­stellt wird.

Die Kinos zeigen Kurz­filme der Firma Whi­taker & Baxter, in denen seine Anhänger als zer­lumpte Gal­gen­vögel dar­ge­stellt werden, die von einer Revo­lu­tion sowje­ti­scher Art träumen.

Sin­clair ver­liert die Wahl knapp und ver­lässt 1966 Kali­for­nien, als Ronald Reagan Gou­ver­neur wird. Immerhin führten Sin­clairs Ent­hül­lungen und Schriften dazu, dass der Kon­su­men­ten­schutz ver­bes­sert wurde.
Quellen: Halimi/​Wacquant, Karel 2009

1935 New Deal

1935 führt Roo­se­velt die 'Social Secu­rity' ein, um der Radi­ka­li­sie­rung ent­gegen zu treten und den Kapi­ta­lismus zu retten. Aller­dings gilt die Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung nicht für die Arbeiter im tiefsten Seg­ment (Tel­ler­wä­scher, Dienst­mäd­chen, Gepäck­träger, Haus­an­ge­stellte etc), also die Schwarzen.

Dagegen pro­fi­tieren die Weissen vom New Deal. Roo­se­velt räumt den Arbei­tern die Ver­tre­tung durch Gewerk­schaften ein und akzep­tiert zunächst die eigent­lich ille­galen Streiks. Aber die Unter­nehmen setzen ihre Milizen gegen die Strei­kenden ein, was die Polizei unter­stützt, und Roo­se­velt mobi­li­siert die Natio­nal­garde gegen die Streikenden.

Der New Deal ver­sagt bei der Land­wirt­schaft, weil Roo­se­velt die Dros­se­lung der Pro­duk­tion durch­setzt, obwohl es sich nicht um eine Über­pro­duk­ti­ons­krise han­delt. Trotzdem erreicht das Brut­to­in­land­pro­dukt 1937 wieder den Stand von 1929. Roo­se­velt kürzt die staat­li­chen Sub­ven­tionen, worauf die Krise sofort wieder ein­setzt. Erst die Auf­rüs­tung für den Zweiten Welt­krieg beendet die Krise.
Quellen: Karel 2009.

1935: Die Mafia-​Karriere von Carlos Mar­cello top

Calo­gero Min­acore wurde 1910 in Ravunsa Sizi­lien geboren.
Der Vater musste, da er den glei­chen Namen hatte wie einer der Auf­seher auf der Zucker­pflan­zung, auf der er arbei­tete, für sich und seine Familie einen neuen Namen suchen. Seine Eltern liessen sich in den USA ein­bür­gern, was für Sohn Carlos ver­säumt wurde. 1928 ver­übte Mar­cello sein erstes Ver­bre­chen: ein $7000-​Bankraub mit drei min­der­jäh­rigen Kom­plizen. Er wurde von seinem Bruder ver­raten, aber eine Anklage gegen ihn und seine Kom­plizen wurde fallengelassen.

Nach einem wei­teren bewaff­neten Raub­über­fall wurde er erneut ver­haftet und zu 9 – 12 Jahren Gefängnis ver­ur­teilt, die er am 28.5.30 antrat. Nach 4 Jahren Gefängnis wurde er vor­zeitig ent­lassen, nachdem ihm Gou­ver­neur O. K. Allen auf Druck kor­rupter Beamte, die von Mar­cellos Vater gratis mit Gemüse belie­fert wurden, Straf­er­lass gewährte. Mar­cello über­nahm die Bar ‚Brauner Bomber' in Gretna, wo er Drogen an junge Schwarze verkaufte.

25jährig tritt er dank Frank Todaro der Mafia von Loui­siana bei und hei­ratet 1936 dessen Tochter Jac­que­line. Kurz darauf gründet er mit seinem Bruder Vin­cent die Spiel­au­to­ma­ten­firma "Jef­ferson Music Company".

Frank Costello kommt nach New Orleans, nachdem Bür­ger­meister Fio­rello La Guardia in New York seine Spiel­kästen öffent­lich mit einer Axt zer­trüm­merte. Bür­ger­meister und Senator Huey B. Long emp­fängt Costellos Spiel­ma­schinen mit offenen Armen, weil er damit, so die Begrün­dung, staat­liche Wohl­tä­tig­keits­pro­gramme finan­zieren möchte.

Long wurde 1928 Gou­ver­neur, machte sich mit publi­zi­täts­wirk­samen Mass­nahmen einen Namen und befreun­dete sich als Senator im New Yorker Jet-​set mit Costello. Vom ersten Jah­res­ge­winn der neu­ge­grün­deten Pelican Novelty Com­pany von $800'000 gehen monat­lich $20'000 an Long und $600 werden an Wittwen und Waisen ausbezahlt.

Carlos Mar­cello wird Frank Costellos Partner: Mar­cello kann 250 der 1000 Spiel­au­to­maten Costellos ver­walten und zwei Drittel der Ein­nahmen davon ein­ste­cken. Um das ver­bo­tene Spiel­ge­schäft zu sichern, schmiert er den Poli­zei­chef Beau­re­gard Miller. Mit Waf­fen­ge­walt werden überall seine Auto­maten instal­liert und Mar­cello erwirbt sich den Ruf eines unnach­gie­bigen Eintreibers.

Die Mafia von New Orleans unter Sam Carolla ist, da es keine riva­li­sie­rende Banden gibt, die ein­zige nicht straff hier­ar­chisch orga­ni­sierte im ganzen Land. Die bis anhin iso­lierte Mafia von Loui­siana wird nun Teil des natio­nalen Syn­di­kats, und Costello, Carolla und Finanz­fach­mann Meyer Lansky beschliessen, in New Orleans ein Unterwelt-​Kommunikationszentrum zu errichten, wäh­rend Cre­scent City zum Finanz­zen­trum wird. Long setzt sich für die Inter­essen des Mob ein und wird dafür geschmiert.

Meyer Lansky schreibt Finanz­ge­schichte, als er für Long ein Num­mern­konto in der Schweiz eröffnet. Aller­dings wird Long 1935 im Zusam­men­hang mit seinen Prä­si­dent­schafts­am­bi­tionen gierig; er ver­langt über $3 Mio. Schmier­gelder pro Jahr. Sey­mour Weiss, Ver­wal­tungsrat der Stan­dard Fruit, dealt mit Costello und Rosen­stiel und ist der Schmier­geld­zahler von Long.

Roo­se­velt setzt das IRS auf Long und Weiss an, nachdem Long Prä­si­dents­schafts­ab­sichten äusserte, und Long wird dar­aufhin eli­mi­niert. Offi­ziell wurde Long von einem ver­rückten Arzt erschossen, der dann selbst sofort umge­bracht wird. Ver­mut­lich ist Guy Molony, der in in Zen­tral­ame­rika meh­rere Revo­lu­tionen für die Bana­nen­firmen mit­or­ga­ni­siert hat, der Mörder Longs.

New Orleans Bür­ger­meister T. Semmes Walmsley hatte den frü­heren Poli­zei­chef Molony kurz vorher zurück­ge­bracht. Molony baute beim Zusam­men­bruch der Bana­nen­wirt­schaft in den 30er Jahren einen erfolg­rei­chen Dro­gen­handel mit der hon­du­ra­ni­schen Staats-​Airline TACA auf und wird später durch die CIA geschützt. Seine Kon­kur­renten im Hero­in­handel, zu denen Mar­cellos Kol­lege Nofio Pecora gehören, fliegen auf.

Die Früch­te­firmen sind schon seit langem mit der Mafia liiert. Weil ihre Pro­dukte ver­derb­lich sind, können sie leicht mit­tels Streiks erpresst werden. Um die Gewerk­schaften zu kon­trol­lieren, enga­gierten die erfolg­rei­chen Firmen Mobs­ters: in New Orleans arbei­tete United Fruit bereits mit dem Boss Joe Mach­echa zusammen. Aus den sizi­lia­ni­schen Vac­caro Bro­thers ent­stand Stan­dard Fruit & Ship­ment.

Sey­mour Weiss von der Stan­dard Fruit koope­riert mit Frank Costello, und der Enkel von Lucca Vac­caro, Blaise d'Antoni, geschäftet mit Paul Frankie Carbo von der Lucchese-​Familie. Mit Longs Mord kann eine ganze Serie von Kor­rup­ti­ons­auf­de­ckungen ver­hin­dert werden. 1940 wird aller­dings fast der gesamte Hafen von New Orleans ange­klagt wegen Erpres­sung und Betrug, inklu­sive Earl Long, Hueys Bruder und Nachfolger.

Carlos Mar­cello ver­kauft im März 1938 einem FBI-​Agenten 23 Pfund Mari­huana, wird ver­haftet und zu einem Jahr Gefängnis und $76'830 Busse ver­ur­teilt. Er wird jedoch mit einer Busse von nur $400 nach 9 Monaten, erneut dank O.K. Allen, frei­ge­lassen. Nach der Begna­di­gung 1935 gibt es gegen Mar­cello Anklagen wegen Über­fälle und Raub, Steu­er­hin­ter­zie­hung, Über­fälle mit Tötungs­ab­sicht eines Poli­zisten und eines Repor­ters und Dro­gen­han­dels, aber keine kommt je vor Gericht. Dazu kommen die meist sehr grau­samen Morde, denen Mar­cello ver­däch­tigt, aber nie­mals ange­klagt wird.
Quellen: Gian­cana: 64f, Davis(1988): 29 – 41, Best: 7.

Mafia­ver­fol­gung

Thomas E. Dewey wird von Bür­ger­meister Fori­ello La Guardia zum Son­der­an­kläger von New York ernannt. La Guardia wurde 1932 gewählt, nachdem sein Vor­gänger Jimmy Walker wegen Schmier­gel­dern zurück­treten musste, und ver­sucht nun ernst­haft, das Glück­spiel­ge­schäft, die Kor­rup­tion und die Macht der Tam­many Hall zu brechen.

Dewey for­dert die Bevöl­ke­rung über das Radio zur Mit­hilfe auf, und im ersten Monat melden sich bei ihm 3000 Infor­manten. Seine Ver­fol­gung der Mobster, die ihnen als "the Big Heat" in Erin­ne­rung bleibt, startet mit Dutch Schultz und seinen Number-​Rackets. Schultz, wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung ange­klagt, bittet das Syn­dikat, Dewey umzu­bringen. Aber das Risiko wird als zu gross ein­ge­stuft. Am 23.10.35 wird Dutch Schultz zusammen mit seinem Ban­kier Otto Berman und seinen Leib­wäch­tern Lulu Rosen­krantz und Abraham "Abe" Landau im Palace Chop House in Newark, New Jersey, von Charly "the Bug" Workman und Emma­nuel "Mendy" Weiss umgebracht.

Dewey ermit­telt danach gegen Lucky Luciano und sein Pro­sti­tu­ti­ons­un­ter­nehmen, das diesem $12 Mio. jähr­lich ein­bringt. Luciano war unan­ge­nehm auf­ge­fallen, weil er die Schau­spie­lerin Thelma Todd zu Tode prü­geln liess. Da die Ange­stellten des Paramount-​Studios und die Kri­mi­nal­po­lizei von Santa Monica die Beweise ver­schwinden liessen, wurde der Tod als töd­li­cher Selbst­un­fall klassiert.

Dewey lässt 68 Zeugen, davon 40 Pro­sti­tu­ierte, im Pro­zess auf­treten. Luciano, der sich bei seinen Dirnen sie­benmal mit Tripper und mit Syphilis ange­steckt hatte, wird 1936 zu 30 bis 50 Jahre Haft ver­ur­teilt, nachdem 3 Pro­sti­tu­ierte gegen ihn aus­sagten. Das ein­zige Beweis­ma­te­rial gegen Luciano kommt von der hero­in­süch­tigen Stras­sen­hure "Cokey" Flo Brown, die ihre Geschichte nach meh­reren Tagen im Gefängnis ohne Drogen erzählte.

Über Vito Genovese kann Luciano sein Unter­nehmen von der Zelle in Dan­ne­mora aus wei­ter­leiten. 1932 ver­liebte sich Genovese in eine ver­hei­ra­tete Frau, die er zwölf Tage nach dem Tod ihres erwürgten Ehe­mannes hei­ra­tete. Nach den Flit­ter­wo­chen tätigte Genovese ein Erpres­sungs­ge­schäft mit Fer­nand "the Shadow" Boccia im Spielgeschäft.

Anstatt die $150'000 zu teilen, setzte er zwei Killer auf Boccia an und bezahlte dann den einen der beiden, um seinen Kol­legen zu ermorden. Aber dieser über­lebte und ging zur Polizei. 1938 flieht Genovese nach Ita­lien, um einer Ver­haf­tung durch Dewey wegen dem Mord an Boccia von 1934 zu ent­gehen, und Frank Costello ersetzt Genovese.

1936 wird Lepke Buch­alter ange­klagt, Heroin im Wert von $10 Mio. von Shanghai und Hong Kong in die USA geschmug­gelt zu haben. Ana­st­asia ver­steckt Buch­alter, auf dessen Kopf eine Beloh­nung von $1 Mio. aus­ge­schrieben wird, muss aber immer wieder Zeugen beste­chen, weil Buch­alter wei­terhin für die Murder Inc. und an Schutz­er­pres­sungen von Firmen arbeitet.

Lucky Luciano ent­scheidet im August 1939 im Gefängnis, Buch­alter zu opfern, um dem Son­der­er­mittler Thomas Dewey den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Kopf der Murder Inc. wird über Meyer Lansky ange­wiesen, sich Hoover zu ergeben.

Costello trifft sich auf Ver­mitt­lung von Lewis Rosen­stiel mit Hoover, der Buch­alter am 24.8.39 mit grosser Publi­zität fest­nimmt. Dewey und die Polizei von New York fühlen sich aus­ge­trickst, da Hoover hinter ihrem Rücken arbeitet und ausser Pres­ti­ge­er­folg absahnen nichts zum "Big Heat" bei­trägt. Lansky, der Lucianos Dro­gen­handel und die Geld­trans­ak­tionen wei­ter­führt, gewährt den Rosen­stiels dar­aufhin unbe­schränkte Spiel­kre­dite im Hotel Nacional in Havanna.

Er pro­fi­tiert beson­ders von diesem Deal, lässt ihn doch nicht nur Hoover, son­dern auch Ans­linger in Ruhe. Obwohl er in den Berichten von FBN und FBI oft figu­riert, wird er, abge­sehen von einer kurzen Periode, in der Robert Ken­nedy ver­sucht, Licht in die Casinos von Las Vegas zu bringen, nie abge­hört oder genauer unter die Lupe genommen. Als Lansky schliess­lich ange­zeigt wird, steckt das IRS dahinter.

Da Abraham Reles und Allie Tan­nen­baum 1940 wegen Immu­ni­täts­zu­si­che­rung zu singen beginnen, kommen Workman und Weiss wegen dem Mord an Dutch Schultz im Gefängnis.

Dank deR Aus­sagen kann die Polizei 40 Morde der Murder Inc. auf­klären, ohne aber einen Zusam­men­hang zur Mafia beweisen zu können. "Abe Kid Twist" Reles, dessen Spe­zia­lität Mord mit Eis­pi­ckeln war, wird am 12.11.41, obwohl unter Poli­zei­schutz ste­hend, aus dem Fenster des sechsten Stocks des Half Moon-​Hotels geworfen. Er hätte kurz darauf gegen Ana­st­asia aus­sagen sollen.

Joe Adonis rühmt sich, den Staats­an­walt, der die Unter­su­chung von Reles Tod nach nicht mal einem Tag ein­stellt und Ana­st­asias Namen vom Fahn­dungs­re­gister streicht, im Griff zu haben. Zusätz­lich zu den ergie­bigen Schutz­geld­er­pres­sungen steigt Adonis in den Ziga­ret­ten­markt ein.

Tau­sende von Ver­kaufs­ma­schinen werden instal­liert und oft mit gestoh­lenen Zigar­retten von Last­wa­gen­lie­fe­rungen der Kon­kur­renz gefüllt. Buch­alter und Weiss landen 1944 auf dem elek­tri­schen Stuhl. Buch­alter ist der ein­zige bedeu­tende Mafiosi der ame­ri­ka­ni­schen Geschichte, der legal hin­ge­richtet wird. Shapiro, wegen Mord zu lebens­läng­lich ver­ur­teilt, stirbt im Gefängnis.

Damit ver­liert die Mur­ders Inc. an Bedeu­tung, und die jüdi­schen Namen werden seltener.

Auch Bugsy Siegel wird wegen Mord an Harry Green­baum, einem Gangster aus dem Umkreis von Lepke Buch­alter, der Siegel ver­pfiffen hat, ver­haftet. In der Zelle, mit allen VIP-​Privilegien aus­ge­stattet, ent­wi­ckelt er den Plan, dem Dream­land Kuba ein zweites in Las Vegas ent­ge­gen­zu­stellen, weil Nevada 1931 das Glück­spiel lega­li­sierte. Dank seinem Jugend­freund und Bier­schmuggler George Raft ist Siegel nach Hol­ly­wood gekommen und hat dort sowohl Film­pro­du­zenten wie auch Schau­spie­le­rInnen, die auf ihre grosse Kar­riere hofften, erpresst.

Die $500'000, die er pro Jahr so erwirt­schaf­tete, inves­tierte er weit­ge­hend in den Drogen– und Mäd­chen­handel. Mit­hilfe seines Ver­tei­di­gers Jerry Geisler und dem rät­sel­haften Tod einiger Zeugen kommt Siegel bald wieder frei und macht sich daran, in Las Vegas ein luxu­riöses Hotel mit inte­griertem Casino auf­zu­bauen. Der spä­tere Schau­spieler Raft arbeitet in Lanskys Casinos in Havanna und London.
Quellen: Davis (1994): 59, Delorme: 60, 115ff, Best: 5 – 8, 19, Sum­mers (1993): 238f, Lacey: 110, Knorr (1992a): 45.

1937: Hoover, die Nazis und die Mafia

J. Edgar Hoover bekämpfte bisher die Pro­sti­tu­tion und die Erpres­sungs­ge­schäfte der Mafia, aber nicht die ver­bo­tenen Wetten der Pfer­de­renn­bahnen, die nach dem Ende der Pro­hi­bi­tion das meiste Geld ein­bringen. Hoover liebt die Pferdewetten.

Im Juli 1933 konnte Hoover nur mit viel Lob­bying, indem er dif­fa­mie­rende Infor­ma­tionen über andere Kan­di­daten streute, und Mord (oder Glück) seine Stelle behalten: Der ihm feind­lich gesinnte Staats­an­walt Thomas Walsh starb zwei Tage vor Amts­an­tritt als Jus­tiz­mi­nister an einem Infarkt.

Der neue Jus­tiz­mi­nister Homer Cum­mings star­tete einen Anti-​Gangster-​Kriegszug, zusammen mit einer vom Jour­na­listen Henry Suydam gelei­teten, breit ange­legten PR-​Kampagne. Die Erfolge der Jagd auf Einzelgänger-​Banditen wie "Machine Gun" Kelly, "Baby Face" Nelson oder John Dil­linger wurden vor allem Hoover zuge­schrieben, der Louis B. Nichols als Leiter der Crime Records Divi­sion für die Public Rela­tion einstellte.

Mit der För­de­rung der G-​Man-​Unterhaltungskultur (Filme, Gro­schen­hefte, Comics) kann sich Hoover zum Volks­helden sti­li­sieren. Er baute eine Zen­tral­kartei für Fin­ger­ab­drücke und eine Natio­nale Poli­zei­aka­demie auf und stellte die FBI-​Akten den Poli­zei­dienst­stellen zur Ver­fü­gung, worauf sich die Bezie­hungen zu den lokalen Ord­nungs­hü­tern etwas ver­bes­serte.
Wäh­rend sich die Mafia als "Orga­ni­sa­tion" eta­bliert, gibt Hoover deren Bekämp­fung 1937 ziem­lich abrupt auf und behauptet, es gebe keine natio­nale Verbrecherorganisation.

Laut Boss Car­mine Lam­bordazzi hat die Mafia Hoover in der Tasche. Hoover fährt gele­gent­lich nach Man­hattan und trifft Frank Costello. Der Mafiosi hatte Hoover in den frühen 30er Jahren auf der 5th Avenue in New York ange­spro­chen und ihn seither "kultiviert".

Hoover und Costello sind Freunde und treffen sich in Washington, im Cen­tral Park, in der Lobby des Waldorf-​Astoria, an den Pfer­de­rennen oder bei einem gemein­samen Freund. Hoover mag es nicht, mit einem monat­li­chen Geld­cou­vert geschmiert zu werden, wes­halb Costello Pfer­de­rennen mani­pu­lieren lässt, um Hoover bei der Stange zu halten. Frank Erikson, der grösste und mäch­tigste Buch­ma­cher, infor­miert Costello über ein bevor­ste­hendes abge­kar­tetes Rennen, der dann den Chro­nisten Walter Win­chell benach­rich­tigt, wel­cher wie­derum Hoover ins Bild setzt.

Der FBI-​Direktor kann so selbst ent­scheiden, wie­viel er gewinnen will. Er selbst setzt immer nur die legalen $2, aber einer seiner Agenten oder Clyde Tolson setzen grosse Summen, im Schnitt $200, und gewinnen immer. Hoover lässt sich auch in Mafia­kreisen sehen wie im Stork Club von Sherman Bil­lingsley in New York, in Joe's Stone Crab Restau­rant von Jesse Weiss in Miami oder bei Del Webb, Casi­no­be­sitzer in Las Vegas, der ihn gratis einquartiert.

Hoover hat Kon­takt mit Ed Levinson, John Drew, Ray Ryan, Art Samish, Dub McCa­nahan, einem Marcello-​Partner, Johnny Roselli oder Irving Davidson. Die Mafia hilft Hoover, solange es nicht um ihr eigenes Geschäft geht, dafür lässt Hoover die Mobster in Ruhe. Als Costello in den frühen 50er Jahren von einem fleis­sigen FBI-​Agenten über­wacht wird, ver­setzt Hoover diesen nach einem Tele­phon­anruf Costellos nach Alaska.

Das­selbe pas­siert einem anderen FBI-​Agenten, der Lansky bewacht und nach Georgia ver­setzt wird. Costello ist der wich­tiste Kon­takt­mann der Mafia mit der Ober­welt in den 40er und 50er Jahren, bis er von Gigante ange­schossen wird. Danach zieht er sich dann eine Art Halb­pen­sion zurück, wobei er immer noch Deals arran­giert und Streit zwi­schen Mobstern schlichtet.

Der Jour­na­list Walter Win­chell, Hoo­vers Freund, kennt auch Owney "the Killer" Madden, Meyer Lansky, der in New York im selben Haus wohnt, und Joe Ken­nedy per­sön­lich. Als Ken­nedy 1933 eine Affäre hatte mit dem Broadway Show­girl Evelyn Cro­well, der Wittwe des New Yorker Gangs­ters Larry Fay, und im New York Journal-​American dar­über berichtet wurde, besuchte Ken­nedy Winchell.

Die beiden befreun­deten sich, die Story konnte unter­drückt werden und Ken­nedy wurde zu einer der Schlüs­sel­quellen für seine Bou­le­vard­ge­schichten.
Meyer Lansky ist im Besitz von kom­pro­mit­tie­renden Photos, auf denen Hoover gut erkennbar seinem Freund Clyde Tolson einen bläst. Lansky schmiert auch Nahe­ste­hende Hoo­vers und bekommt sogar FBI-​Reports von den FBI-​Agenten, die ihn "über­wa­chen" sollen.

Der Still­hal­te­pakt dauert bis zum Tode Hoo­vers. Manchmal behin­dert Hoover aktiv und bewusst ein Vor­gehen gegen die Mafia, zum Bei­spiel als der Pfer­de­renn­ser­vice­be­sitzer James Ragen dem FBI über seine neuen Kon­kur­renten alles berichtet, was er weiss. Das FBI startet zwar eine Ope­ra­tion, ver­wei­gert Ragen aber Begleit­schutz. Nachdem dieser von Lenny Patrick und Dave Yaras auf Befehl von Jake Guzik umge­bracht wird, weist Hoover seine Agenten an, die Unter­su­chung abzubrechen.

Der FBI-​Direktor, der Homo­se­xu­elle in der Öffent­lich­keit als per­vers bezeichnet, hat auch feti­schis­ti­sche und pädo­phile Ten­denzen. Er ver­kleidet sich bei Sex­par­ties als Frau, und die Sit­ten­po­lizei von New Orleans ver­haf­tete ihn Ende der 20er Jahre einmal mit einem min­der­jäh­rigen Strich­jungen. Da Henry G. C. Cor­coran damals inter­ve­nierte und eine Straf­ver­fol­gung ver­hin­derte, kann sich dieser im Gegenzug ille­gale Geschäfte erlauben, ohne mit Straf­ver­fol­gung rechnen zu müssen. Der Ex-​Agent Guy Hottel erzählt, wenn er betrunken ist, von Sex-​Parties ohne Mäd­chen bei Hoover, wes­halb Hoover ihn jeweils in Poli­zei­ge­wahrsam nehmen lässt.

Da Hottel aber zuviel weiss, ent­lässt Hoover ihn nicht. Hoover lässt jedes Gerücht über seine eigene Homo­se­xua­lität unter­drü­cken und seine Agenten wäh­rend 23 Jahren gegen die "homo­se­xuals right groups" vor­gehen, um davon abzu­lenken. Offenbar macht Hoover das Risiko der mög­li­chen Ent­de­ckung seiner Homo­se­xua­lität paranoid.

Hoover befindet sich von 1941 – 71 in psych­ia­tri­scher Behand­lung, und oft ver­hält er sich sehr brutal gegen­über Homo­se­xu­ellen (wie gegen Sumner Welles) und benutzt Gerüchte angeb­li­cher Homo­se­xua­lität als poli­ti­sche Waffe (wie gegen Adlai Ste­venson). Hoover besteht darauf, beschlag­nahmtes por­no­gra­phi­sches Mate­rial selbst zu sichten.

Der Auto­ma­gnat Henry Ford beschreibt die Juden in seinem inter­na­tio­nalen Best­seller 'Der inter­na­tio­nale Jude' als Ursache der Bör­sen­krise und der ille­galen Alko­hol­pro­duk­tion auf­grund einer Ver­schwö­rung. Ford ist so populär, dass er Prä­si­dent werden könnte. In Hit­lers Haupt­quar­tier steht ein Foto von Ford.

Fords rechte Hand Harry Ben­nett trifft sich als Infor­mant mit J. Edgar Hoover. Ben­nett ist der Ver­bin­dungs­mann zu Chester LaMare, Boss des Detroiter Mafia, der eine Pri­vat­armee gegen Gewerk­schafts­ak­ti­vi­täten auf­ge­baute, womit Henry Ford keine Gewerk­schafts­pro­bleme mehr hat.

Im Gegenzug erhalten Gangster wie Joe Tocco, Leo Cellura, Joe Adonis, Tony D'Anna Betei­li­gungen bei Ford. Ben­nett ver­sorgt Hoover mit Infor­ma­tionen über Linke, wobei sich später her­aus­stellt, dass viele Namen vom lokalen Faschis­ten­führer Gerald Smith stammen.

1934 erhielt Hoover von Roo­se­velt den geheimen Auf­trag, die Nazis und deren Sym­pa­thi­santen zu über­wa­chen, wobei alle anderen Akti­vi­täten gegen Radi­kale aus­drück­lich ver­boten bleiben.

In den USA ent­stand nach der Macht­er­grei­fung Hit­lers eine natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Bewe­gung, die neben dem Ku-​Klux-​Klan den Kampf gegen andere Rassen pro­pa­giert. Im Cen­tral Park mar­schieren 20'000 Nazis auf, die sich als Ver­tei­diger des weissen Chris­ten­tums verstehen.

Aber Hoover arbeitet eng mit der 1923 in Berlin gegrün­deten Interpol zusammen, in der Hein­rich Himmler, Rein­hard Hey­drich, Arthur Nebe und andere fana­ti­sche Nazis aktiv sind. Auch nach dem Über­fall der Tsche­cho­slo­wakei und dem Fall Frank­reichs tauscht Hoover noch immer Fahn­dungs­listen mit Interpol aus.

Erst drei Tage vor Pearl Harbor stoppt er die Zusam­men­ar­beit.
Nach dem Krieg ver­legt Interpol seinen Sitz nach Paris, ernennt Hoover zu Vize­prä­si­denten und wei­gert sich hart­nä­ckig, Nazi-​Kriegsverbrecher zu suchen. In den 70er Jahren wird der ehe­ma­lige SS-​Offizier Paul Dickopf Prä­si­dent der Interpol.

Am 24.8.36 ersuchte ihn Roo­se­velt wie­derum geheim, neben den Faschisten auch die Kom­mu­nisten zu über­wa­chen, was Hoover schon lange machte. Wegen Spio­nage– und Sabo­ta­ge­ge­fahr bewil­ligte Roo­se­velt $150'000. Die Abtei­lung für Spio­nage heisst Divi­sion Five, die bereits seit 1919 exis­tieren soll, aber erst zu diesem Zeit­punkt offi­ziell wurde.

Nach einer cle­veren Intrige sei­tens Hoo­vers beschliesst Roo­se­velt am 26.6.39, dem FBI die Lei­tung bei Spio­nage– und Sabo­ta­ge­fällen zu über­tragen, und nicht der Mili­tary Intel­li­gence Divi­sion oder dem Office of Naval Intelligence.

Das FBI expan­diert von 898 Agenten 1940 auf 4886 Agenten 1945.

Hoover eröffnet am 2.9.39 eine prä­ven­tive Not­ver­haf­tungs­liste "aller Feinde der USA". Jus­tiz­mi­nister Briddle ver­bietet diese Auf­lis­tung als sinnlos, wonach sie Hoover unter "Secu­rity Matter" geheim wei­ter­führt. Eine wei­tere geheime Archi­vie­rung ver­an­lasst Hoover mit Infor­ma­tionen, die durch ille­gale Aktionen des FBI wie Ein­brüche bei poli­ti­schen Orga­ni­sa­tionen, um bei­spiels­weise Mit­glie­der­listen zu stehlen, zustande kommen.

Obwohl offi­ziell seit 1934 durch den Kon­gress ver­boten, hat Hoover das Tele­phon­ab­hören per­ma­nent ein­ge­setzt. Am 21.5.41 legi­ti­miert Roo­se­velt das geheime Abhören von Sub­ver­siven. Roo­se­velt beauf­tragt Hoover auch, Infor­ma­tionen über seine Gegner bei der nächsten Prä­si­den­ten­wahl zu sammeln.

Alle Prä­si­denten seit Roo­se­velt benutzen Hoo­vers Wanzen auch für eigene poli­ti­sche Zwecke, was Hoo­vers Posi­tion sichert.

Hoover sichert seine Macht auch durch die Mit­glied­schaft in vielen Orga­ni­sa­tionen: Ame­rican Bar Asso­cia­tion, Boy Scouts, United States Cham­bres of Com­merce, Kiwanis Inter­na­tional, Knights of Columbus, Opti­mists Inter­na­tional, Rotary Inter­na­tional, Vete­rans of For­eign Wars u.a.m.

Am meisten bringt ihm die Ame­rican Legion, die dem Jus­tiz­mi­nister Jackson im Juni 1940 vor­schlägt, er solle 11'000 Posten der Legion erlauben, die das Land in Bezug auf "sub­ver­sive Akti­vi­täten" flä­chen­de­ckend über­wa­chen würden. Jackson lehnt ab, aber Hoover kann es so drehen, dass die Legio­näre als Infor­manten die FBI-​Büros kon­tak­tieren können. Obwohl über die Legion bis im Oktober 1943 60'000 Infor­manten rekru­tiert werden, kommen wenig Brauch­bares über diese Känale.

Aber sie eröffnen Hoover einen breiten Kon­takt mit kon­ser­va­tiven Medi­en­schaf­fenden und Abge­ord­neten. Zudem baut Hoover über seinen Freund Carl McIn­tire die Cover-​Institution Ame­rican Council of Chris­tian Churches auf.
Quellen: Theoharis/​Cox: 119, 187, 237, Schulz: 82,181, Davis (1988): 237, 267f, Davis (1994): 103 – 107, Todd, Brus­sell: 5f, Sum­mers (1993): 43 – 91, 91 – 129, 225 – 245, Cran, Lacey: 89, Hersh: 48, Gian­cana: 247f,

Dezember 1937: Bot­schafter Ken­nedy in England

Joe Ken­nedy wird, obwohl er über keinen poli­ti­schen Back­ground ver­fügt, als Dank für die Unter­stüt­zung von Roo­se­velts Wie­der­wahl zum Bot­schafter in Eng­land ernannt. Die beiden Jahre vorher beschäf­tigte Ken­nedy sich mit der Reor­ga­ni­sa­tion der Firmen RKO, Para­mount und Hearst Cor­po­ra­tion und schrieb zusammen mit dem Jour­na­listen Arthur Krock das Buch I'm for Roo­se­velt. Krock ist der Leiter des New York Times-​Büros in Washington und wird von Ken­nedy mit bezahlten Ferien, teuren Geschenken und Frauen versorgt.

Nach dem Wahl­sieg Roo­se­velts wurde Ken­nedy, der eigent­lich auf das Finanz­mi­nis­te­rium hoffte, zum Direktor der maroden Obersten Han­dels­schiff­fahrts­be­hörde berufen, ein Job zweiter Klasse, aus dem Ken­nedy das Beste macht. Ken­nedy ver­bringt Monate mit Lob­bying für eine ange­mes­sene Stel­lung und beackert James Roosevelt.

1933 beglei­tete der Prä­si­den­ten­sohn Ken­nedy nach Eng­land, als es um die Neu­or­ga­ni­sa­tion und Lega­li­sie­rung von Alko­holim­porten ging, wobei Joe die Schwä­chen Roo­se­velts für Frauen und Reichtum gezielt aus­zu­nützen ver­stand. Als dann der Bot­schafter in London uner­wartet neu zu besetzen ist, ist Roo­se­velt froh, dass er den auf­säs­sigen Ken­nedy, der ihm gefähr­lich werden könnte, abschieben kann.

Als Bot­schafter ver­sagt Ken­nedy auf der ganzen Linie, vor allem wegen seiner Fehl­ein­schät­zungen der poli­ti­schen Situa­tion. Er glaubt, dass Eng­land weder den Willen noch die Waffen zur Ver­tei­di­gung gegen­über Deutsch­land habe. Bei Aus­bruch des Krieges bezeichnet er Hitler als Genie und emp­fielt seiner Regie­rung, ein Arran­ge­ment mit dem Führer zu suchen, damit die Ver­ei­nigten Staaten nicht in den Krieg hin­ein­ge­zogen werden.

Anti­se­mi­ti­sche Äusse­rungen, seine poli­ti­sche Igno­ranz der euro­päi­schen Lage und die Feig­heit, sich wäh­rend der Bom­ben­an­griffe auf dem Land in Sicher­heit zu bringen, machen ihn bei Winston Chur­chill und allen Diplo­maten äusserst unbeliebt.

Über John J. Burns spe­ku­liert der Bot­schafter trotz Busi­ness­verbot wei­terhin an der Wall­street und miss­braucht drin­gend benö­tigten Fracht­raum für den Whiskey seiner Somerset Impor­ters. Da Eng­land nur mit­hilfe der USA eine Chance gegen Hitler hat, wird Ken­nedy für Chur­chill zum Sicher­heits­ri­siko.
Der Bot­schafter wird vom MI-​5 abge­hört und beschattet, wobei klar wird, dass Ken­nedy über eine reiche Eng­län­derin in Kon­takt mit dem Führer der bri­ti­schen Faschis­ten­be­we­gung, Sir Oswald Mosley, getreten ist.

Ken­nedy trifft sich im Geheimen am 9.5.39 trotz dem expli­ziten Verbot Roo­se­velts mit Dr. Helmut Wohltat, dem Ver­treter Görings, zur Bespre­chung gegen­sei­tiger Kon­zes­sionen. Mit seiner Indis­kre­tion bringt Ken­nedy die Anti-​Hitler-​Verschwörergruppe um die Gene­räle Ludwig Beck und Franz Halder in Lebens­ge­fahr, indem er deren Absichten und Namen an einer Pres­se­kon­fe­renz bekannt­gibt. Ken­nedy will ein Attentat Hit­lers ver­hin­dern, weil die Sowjet­union für ihn gefähr­li­cher ist als Nazi-​Deutschland.

Haupt­in­ter­essen Ken­nedys sind aller­dings seine eigenen Prä­si­dents­schafts­pläne und die Wahl­kampf­stra­tegie für die demo­kra­ti­sche Nomi­na­tion von 1940. Roo­se­velt iso­liert Ken­nedy in London, indem alle wich­tigen Ver­hand­lungen und Ent­schei­dungen über per­sön­liche Ver­treter wie Wil­liam Donovan und den ame­ri­ka­ni­schen Bot­schafter in Paris laufen lässt und selbst in direktem, aber geheimen Kon­takt zu Chur­chill steht.

Ken­nedy ver­sucht dar­aufhin, Roo­se­velt zu erpressen, indem er diesen Geheim­kon­takt, der über die Ame­ri­ka­ni­sche Bot­schaft läuft, an die Presse ver­raten würde, falls der Prä­si­dent ihn nicht zurück­rufe. Ken­nedy hatte den Code­spe­zia­listen Tyler Kent ange­wiesen, von allen aus­ser­ge­wöhn­li­chen Tele­grammen Kopien zu machen und diese aus der Bot­schaft zu schmug­geln. So stellt er sich ein Dos­sier der geheimen Roosevelt-​Churchill-​Telegramme zusammen, das er in die USA schiffen lässt, um Roo­se­velt damit poli­tisch auszuschalten.

Im Früh­jahr 1940 schlägt die bri­ti­sche Gegenspionage-​Abteilung nach acht­mo­na­tiger Bewa­chung zu und ent­deckt in Kents Woh­nunng 1500 deko­dierte Kopien. Ken­nedy lässt Kent fallen, indem er dessen diplo­ma­ti­sche Immu­nität auf­hebt — Kent ver­bringt die Kriegs­jahre nach einem geheimen Pro­zess in einem bri­ti­schen Gefängnis — und kann so ver­hin­dern, dass die ame­ri­ka­ni­sche Öffent­lich­keit etwas erfährt.

Am 26.10.40 kehrt Ken­nedy in die USA zurück und trifft sich, zehn Tage vor der Nomi­na­tion, mit Roosevelt.

Roo­se­velt kann Ken­nedy nicht ein­fach fal­len­lassen, denn er will sich wider­recht­lich ein drittes Mal wählen lassen und braucht jede Unter­stüt­zung. Da Roo­se­velt Ken­nedy vor allem nicht als Kon­kur­rent für die Prä­si­dent­schaft will, macht er ihm Hoff­nungen auf einen Minis­ter­stuhl, ver­spricht seine Unter­stüt­zung für die Kan­di­datur seines Sohnes Joe Jr. zum Gou­ver­neur von Mas­sa­chu­setts und droht mit einer alten Steu­er­hin­ter­zie­hung.
Nach der erneuten Wahl Roo­se­velts bekommen die beiden jedoch Streit, da Ken­nedy die Aus­sen­po­litik in einem Inter­view kri­ti­siert und damit seine eigene Polit­kar­riere sabotiert.

Ken­nedy, dessen Ver­mögen unter­dessen auf $250 Mio. ange­wachsen ist, setzt nun alle seine poli­ti­sche Hoff­nung auf seinen ältesten Sohn Joe Jr.

Quellen: Kessler (1997), Hersh: 61ff, Best: 18, Collier/​Horowitz: 84 – 137.

Quel­len­an­gabe dieses Arti­kels: us​-politik​.ch

Quelle Bild: von myelec­trics­heep via Flickr Bestimmte Rechte vorbehalten

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Autors Herrn Kohler von “us​-politik​.ch” zur Ver­öf­fent­li­chung hier auf Mein Poli​tik​blog​.de Vielen Dank dafür !

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Finanzen/Banken, Geheimdienste, Gesellschaft/Soziales, Politik/Wirtschaft, Religion/Kirche, USA « | Tags » , , , , , , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 533 · heute: 2 · zuletzt: 20. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.