QR Code Business Card

Partner bewusst belogen

Freitag, 23. September 2011-12:53 -|- Eingestellt von: |

Juris­ten­ver­ei­ni­gung stellt Straf­an­zeige gegen Deut­sche Bahn wegen ver­heim­lichter Kosten von »Stuttgart21«. Stim­mung unter Ver­trags­par­teien ver­giftet. | Von Ralf Wurz­ba­cher | junge Welt | — Ein neuer Rechts­streit um »Stuttgart21« steht bevor. Meh­rere Rechts­an­wälte und Richter haben bei der Staats­an­walt­schaft Stutt­gart Straf­an­zeige gegen die Deut­sche Bahn (DB) AG wegen des »Ver­dachts des beson­ders schweren Betrugs« erstattet.

Die Juristen legen dem Kon­zern zur Last, dem Land Baden-​Württemberg und der Stadt Stutt­gart Hin­weise auf aus­ufernde Kosten des Bahn­hofs­pro­jekts vor­ent­halten zu haben.

Erhärtet wird der Vor­wurf durch einen Bei­trag des ARD-​Magazins »Report Mainz«, wonach die Bahn vor Unter­zeich­nung der gemein­samen Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­rung über abseh­bare Mehr­aus­gaben von fast einer Mil­li­arde Euro Bescheid wußte.

Die Vor­gänge dürften für reich­lich Zünd­stoff im heute tagenden Len­kungs­kreis sorgen, der über mög­liche Mehr­kosten beraten will. Im Vor­feld des Tref­fens hatte Regie­rungs­chef Win­fried Kret­sch­mann die Bahn ein­dring­lich ermahnt, in puncto Finan­zie­rung end­lich alle Karten auf den Tisch zu legen.

Der­weil haben der Ver­kehrs– und der Stän­dige Aus­schuß des Land­tags den Regie­rungs­ent­wurf für ein »Stuttgart21«-Kündigungsgesetz erwar­tungs­gemäß durch­fallen lassen. Damit sind die Wei­chen für die geplante Volks­ab­stim­mung gestellt, die vor­aus­sicht­lich am 27. November abge­halten wird.

Wenn in einer Woche auch das Plenum die Vor­lage schei­tern läßt, kann gemäß der Lan­des­ver­fas­sung ein Ple­biszit auf Antrag von min­des­tens einem Drittel der Abge­ord­neten ein­ge­leitet werden. Eine Mehr­heit aus CDU, FDP und großen Teilen der SPD steht hinter dem Mega­pro­jekt und wird das Aus­stiegs­ge­setz aller Vor­aus­sicht nach ablehnen. Allein die Grünen plä­dieren für ein Ende des Unter­neh­mens, liegen damit aber mit ihrem Regie­rungs­partner von der SPD im Clinch.

Vor der heu­tigen Sit­zung des Len­kungs­kreises, in dem die DB-​AG, Stadt und Land sowie der Ver­band Region Stutt­gart als Pro­jekt­partner sitzen, ist die Stim­mung der Betei­ligten auf dem Tief­punkt. Wäh­rend Bahn-​Chef Rüdiger Grube der Regie­rung dieser Tage eine obstruk­tive Hal­tung ankrei­dete, monierte Ver­kehrs­mi­nister Win­fried Her­mann (Grüne) die Ver­let­zung von Ver­trags­pflichten durch die DB-​Führung, weil sie mit der Ent­wick­lung der Kosten hin­term Berg halte. Minis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann zürnte gar über eine »unhalt­bare Praxis, die die Regie­rung ärgert und die wir nicht weiter hin­nehmen werden«.

Zum Zeit­punkt ihrer Atta­cken standen die neu­esten Betrugs­vor­würfe aller­dings noch gar nicht im Raum. Nach besagtem Bericht von »Report Mainz« vom Dienstag abend belegen interne Doku­mente, daß die Bahn ihre Pro­jekt­partner und die Öffent­lich­keit von Beginn an bewußt über die wahren Kosten des Pro­jekts belogen hatte.

Bereits vor Ver­trags­ab­schluß am 2. April 2009 hätten betei­ligte Fach­planer minu­tiös abseh­bare höhere Auf­wen­dungen auf­ge­schlüs­selt. Ent­spre­chende Unter­lagen wurden aller­dings unter Ver­schluß gehalten. Mit der Wahr­heit war die Bahn erst im Dezember des­selben Jahres her­aus­ge­rückt, als sie ein­räumen mußte, daß sich der Kos­ten­rahmen eine Mil­li­arde Euro über dem neun Monate zuvor mit drei Mil­li­arden Euro ver­an­schlagten bewege.

Die im Arbeits­kreis »Juristen zu Stuttgart21« zusam­men­ge­schlos­senen Anwälte und Richter stützen ihre Betrugs­vor­würfe auf einen »internen Ver­merk des Innen­mi­nis­te­riums«. Nach diesem seien für die Bahn bereits 2008 »dra­ma­ti­sche Kos­ten­stei­ge­rungen« erkennbar gewesen, womit die Angaben zu Bau­preisen und Risiken »falsch waren«.

Die Bahn stellt die Zahlen nicht in Abrede, sagt aber, die Unter­lagen hätten bei Ver­trags­ab­schluß nur vor­läufig und nicht voll­ständig vor­ge­legen. Die Juris­ten­ver­ei­ni­gung hält das für eine Schutz­be­haup­tung. Die in den Doku­menten auf­ge­führten Angaben seien derart »exakt und detail­genau« gewesen, daß sie in die Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­rung hätten ein­fließen müssen.

Nach Berech­nungen des Arbeits­kreises wird die fest­ge­setzte Ober­grenze von 4,5 Mil­li­arden Euro wegen noch nicht voll­ständig geneh­migter Plan­fest­stel­lungs­ab­schnitte, erheb­li­cher Nach­trags­ri­siken und infolge der durch Schlich­tung und Streß­test erfor­der­li­chen Nach­bes­se­rungen »mit Sicher­heit nicht aus­rei­chen«. Auf­grund der übli­chen Kos­ten­ex­plo­sionen nach Bau­be­ginn rechnen die Juristen mit Gesamt­aus­gaben von über fünf Mil­li­arden Euro. Ihr Fazit: »Das muß zum Schei­tern von Stuttgart21 führen.«

Quelle: junge Welt

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung. Danke!

Beitragsdetails

Kommentar-Autor

Kategorie » Stuttgart 21 « | Tags » , , , , , «

Trackback: Trackback-URL |  Kommentar-Feed: RSS 2.0 | Beitrag drucken |
gelesen: 26 · heute: 3 · zuletzt: 17. Mai 2012

Kommentare und Pings sind geschlossen.