“Profiteure waren die Hersteller von Impfstoffen”
Donnerstag, 13. Oktober 2011-14:01 -|- Eingestellt von: Julie |
Angebliche Schweinegrippewelle hat allein in der BRD einen Milliardenschaden verursacht. Ein Gespräch mit Wolfgang Wodarg. | Interview: Ralf Wurzbacher | junge Welt | — Der Mediziner und Gesundheitswissenschaftler Wolfgang Wodarg saß lange Jahre für die SPD im Bundestag und im Europarat und ist Vorstandsmitglied bei Transparency International (TI) Deutschland
Die deutsche Sektion der Antikorruptionsorganisation Tranparency International (TI) hat die Gesundheitsminister der Bundesländer in einem offenen Brief aufgefordert, den Schweinegrippe-Fehlalarm von vor zwei Jahren aufzuarbeiten. Wurden aus dem Fall bislang keine Lehren gezogen?
Diese unverhältnismäßige und kostspielige Maßnahme gegen eine harmlose Grippewelle hat in einer Reihe von Staaten die Frage aufgeworfen, wer damals durch wen und wie falsch beraten wurde. Unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Schweden und Finnland wurden Gremien eingesetzt, die die damaligen Vorgänge aufarbeiten.
Auch hierzulande waren es staatliche Institutionen, die ganz offensichtlich versagt haben. Die Parlamente in Bund und Ländern wären deshalb gefordert, all das aufzuklären und dafür Sorge zu tragen, daß sich so etwas nicht wiederholt. Aber bisher geschieht nichts dergleichen.
Sie selbst haben seinerzeit als einer von wenigen die Aufregung als Inszenierung im Dienste der Pharmaindustrie gebrandmarkt. Wer waren dabei die Hauptakteure?
Die großen Profiteure waren natürlich die Impfstoffhersteller. Die Branche unterhält engste Kontakte zu sehr einflußreichen Wissenschaftlern, die entscheidend dazu beigetragen haben, daß die Weltgesundheitsorganisation WHO 2009 die Pandemiealarmstufe sechs ausrief.
Das war der Startschuß, mit dem die Abnahmeverträge der Pandemie-Impfstoffe in Kraft traten. Die WHO hat den Einwand, daß sie sich von Fachleuten aus der Industrie beraten läßt, damit abgetan, daß man eben die besten Leute brauche – egal, wer sie bezahlt. Tatsächlich haben diese Leute aber nicht nur beraten, sondern mitentschieden.
Um die Pandemiestufe sechs überhaupt ausrufen zu können, wurden seinerzeit kurzerhand die dafür notwendigen Kriterien aufgeweicht. Wie konnte das so einfach durchgehen?
Das war gar nicht so einfach. Im Vorfeld der Entscheidung haben Dutzende von Staaten erhebliche Bedenken angemeldet. Die WHO behauptete im nachhinein, es habe nie eine Definition für eine Pandemie gegeben, deshalb habe man diese auch nicht aufweichen können.
Inzwischen heißt es, man habe nicht die Definition, sondern die »description«, also die Beschreibung, geändert. Das ist aber nur eine semantische Verrenkung, um einen »Großschadensfall« ausrufen zu können, ohne daß dafür ein »großer Schaden« erforderlich ist.
Könnte es einen Pandemiefehlalarm nicht jederzeit wieder geben, solange die Strukturen die alten bleiben?
Sieht man sich die Börsenkurse der Profiteure an, dann dürfte der Schweinegrippen-Reibach bis auf weiteres ein einmaliger Glücksfall gewesen sein. Auch nach meiner Einschätzung sind die Politik und die Öffentlichkeit wachsamer geworden, und auch die Regierungen dürften es sich nicht mehr erlauben können, so einen Blödsinn noch einmal mitzumachen.
Gilt das auch für Deutschland, wo die Politik ja nach Ihrem Eindruck noch keinerlei Schlüsse gezogen hat?
Tatsächlich wurden bei uns die entscheidenden Akteure beim Robert-Koch– und Paul-Ehrlich-Institut durch die Parlamente noch nicht zu den Vorgängen befragt. Eine objektive Aufarbeitung wurde vor allem auch dadurch behindert, daß seinerzeit gerade die Bundestagswahl bevorstand. Die unrühmliche Rolle der Parlamente in Bund und Ländern wollen viele Abgeordnete rückblickend offenbar lieber nicht beleuchten.
Die verbliebenen Impfstoffbestände müssen die Bundesländer vernichten. Wie groß ist der finanzielle Schaden?
Es sollen wohl sechs Millionen von 35 Millionen Dosen tatsächlich verabreicht worden sein, der große Rest muß jetzt entsorgt werden. Mit den Kosten für antivirale Medikamente wie Tamiflu dürfte sich der Schaden auf rund eine Milliarde Euro belaufen.
Haben Sie Erkenntnisse über Impfschäden?
Die Überwachung von Impffolgen obliegt mit dem Paul-Ehrlich-Institut ausgerechnet der Stelle, die den Impfstoff auszuwählen und maßgeblich zu beurteilen hatte. Das ist sehr problematisch. In Schweden wurden auch rund sechs Millionen Menschen mit Pandemrix geimpft, und registriert wurden 4000 unerwünschte Nebenwirkungen. In Deutschland waren es nur knapp halb so viel.
Quelle: junge Welt
Mit freundlicher Genehmigung zur Wiedergabe hier auf Mein Politikblog. Dankeschön!
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Kategorie » Schweinegrippe « | Tags » Fehlalarm, Impfschäden, Impfstoff, Pandemie, Pharmaindustrie, Schweinegrippe, WHO «
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