Showgefecht um Mindestlohn
Samstag, 21. Januar 2012-19:58 -|- Eingestellt von: Julie |
Regierung stimmt gegen Antrag auf Untergrenze. SPD gibt sich verwundert. | Von Johannes Schulten | junge Welt | — Die SPD ist mit ihrem Antrag auf Einführung eines Mindestlohns am Freitag im Bundestag an der Regierung gescheitert. Wenig überraschend fand der Gesetzentwurf für eine Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro keine Mehrheit.
Auch eine ähnliche Initiative der Grünen wurde abgelehnt. CDU und FDP begründeten ihr Nein damit, daß Löhne auch künftig Sache der Tarifpartner bleiben müßten.
SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil fühlte sich trotzdem hintergangen und warf der CDU mangelnde Glaubwürdigkeit vor. »Bei Ihnen klaffen Reden und Handeln meilenweit auseinander«, beklagte sich Heil mit Blick auf einen Parteitagsbeschluß der CDU im vergangenen November. Dort hatte sich die Partei für eine Lohnuntergrenze ausgesprochen.
Mit einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn, wie ihn die Gewerkschaften oder die SPD fordern, hatte der Beschluß jedoch wenig zu tun. Er sah lediglich eine Untergrenze für diejenigen Branchen vor, in denen die Gewerkschaften mangels Organisationsmacht nur schlechte Verträge durchsetzen können.
Nach dieser Logik warf der Sprecher der Unionsfraktion, Peter Weiß (CDU), der SPD vor, deren Forderung nach »staatlicher Lohnfestsetzung« schwäche »in Wahrheit die Arbeit der Gewerkschaften und Arbeitgeber«.
Wie geschwächt die Gewerkschaften bereits sind, deutete ein am Freitag veröffentlichter Bericht der Hans-Böckler-Stiftung an. Demnach hat die hohe Inflation im vergangenen Jahr in zahlreichen Branchen die bescheidenen Lohn– und Gehaltserhöhungen komplett aufgefressen.
Weil die Verbraucherpreise 2011 mit durchschnittlich 2,3 Prozent für deutsche Verhältnisse relativ stark angestiegen seien, ergebe sich insgesamt ein reales Minus von 0,3 Prozent, errechneten die Wissenschaftler der Stiftung. Dieser Verlust sei eingetreten, obwohl die Tarifabschlüsse 2011 sogar über denen des Vorjahres gelegen haben.
Beigetragen zu dieser Entwicklung hat sicher auch der massive Anstieg der Leiharbeit in den letzten zwölf Monaten. Diese hat 2011 mit 910000 Beschäftigten ein Rekordhoch erreicht. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Freitag mitteilte waren zum Stichtag 30. Juni rund 103.000 oder fast 13 Prozent mehr Menschen bei Personaldienstleistern beschäftigt als ein Jahr davor.
Ein Drittel der Leiharbeiter war als Hilfspersonal tätig. Zudem erwies sich die Hälfte der Jobs mit einer Dauer von weniger als drei Monaten als äußerst kurz.
Quelle: junge Welt
Mit freundlicher Genehmigung zur Wiedergabe hier auf Mein Politikblog. Danke!
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Kategorie » Arbeit/Gewerkschaft « | Tags » Arbeit, Bundesregierung, Bundestag, Gewerkschaften, Leiharbeit, Lohn, Löhne, Mindestlohn, SPD, Untergrenze «
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