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Wie lange halten die Lügengebäude um Gorleben dem öffentlichen Druck noch stand?

Sonntag, 12. Februar 2012-16:56 -|- Eingestellt von: |

Von Jan Becker | con­trAtom | — “Als gesetzt gilt mitt­ler­weile, dass die Fest­le­gung auf den Salz­stock in Gor­leben untragbar ist. Wahr­schein­lich wird der umkämpfte Salz­stock gar nicht weiter auf seine Eig­nung unter­sucht. Er gilt als ‘ver­brannt’.” Das schreibt die Finan­cial Times Deutsch­land. Bun­des­um­welt­mi­nister Nor­bert Röttgen will das aller­dings offi­ziell nicht wahrhaben.

Dieses Gefälle in der öffent­li­chen Mei­nung und dem Han­deln von Poli­ti­kern wurde bereits im Sep­tember 2010 prak­ti­ziert: die schwarz/​gelbe Regie­rung ver­län­gerte die Lauf­zeiten aller Atomkraftwerke.

Es folgten Mas­sen­pro­teste und der Fall der FDP unter die 5-​Prozent Hürde, die CDU rut­sche in Umfra­ge­tiefs. Nach Fukus­hima konnte Kanz­lerin Merkel durch die Rück­nahme der pau­schalen Betriebs­ver­län­ge­rung nur knapp einem Gesichts­ver­lust ent­gehen, so wurden acht Reak­toren für immer stillgelegt.

Das Gor­leben keine geo­lo­lo­gi­sche, son­dern eine poli­ti­sche Frage ist, zeigt schon die Ent­schei­dung für den Standort in den 70er Jahren. Damals wollte Nie­der­sach­sens Minis­ter­prä­si­dent Albrecht “die Ost­zo­nalen richtig ärgern”, weil sie ihm Mors­leben an die Grenze gebaut hatten und die Bun­des­re­gie­rung zudem mit einer Entsorgungs-​Scheinlösung eine schnelle Legi­ti­ma­tion für den Bau wei­terer Reak­toren brauchte.

Heute belegt ein Unter­su­chungs­aus­schuss im Bun­destag die poli­ti­sche Mani­pu­la­tion in den fol­genden Jahr­zehnten, in denen 1,5 Mil­li­arden Euro in das For­schungs­pro­jekt für einen fak­ti­schen Ausbau zum End­lager ver­bud­delt wurden.

Jahr­zehn­te­lang werden kri­ti­sche Stu­dien und WIs­sen­schaftler, die schon sehr früh eine grund­sätz­liche Eig­nung Gor­le­bens in Frage stellten, unter­drückt. Statt­dessen wird mit einem “Dialog” ver­sucht, die von Anfang an feh­lende Bür­ger­be­tei­li­gung nachzuholen.

Par­allel erar­beiten Atom-​Befürworter und von der Ener­gie­wirt­schaft finan­zierte Insti­tute ein Gut­achten, mit dessen Hilfe Gor­leben durch­ge­setzt werden soll – denn die Sicher­heits­be­din­gungen werden ein­fach an den Salz­stock ange­passt und alle Zweifel als “unse­riös”, “unwis­sen­schaft­lich” oder schlicht als eine Frage der Inter­pre­ta­tion – oder letzt­lich des “Glau­bens” relativiert.

  • Die sich stel­lende Frage ist also nicht mehr: Gor­leben oder nicht Gor­leben. Son­dern: Wie lange halten die Lügen­ge­bäude um Gor­leben dem öffent­li­chen Druck noch stand.

Dass in dem wend­län­di­schen Salz­stock nie­mals hoch­ra­dio­ak­tiver, über Jahr­tau­sende wär­me­ent­wi­ckelnder Atom­müll ein­ge­la­gert werden kann, ist jeden­falls defi­nitv. Denn an eine nach­träg­liche Hei­lung glaubt nie­mand mehr.

Das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rium ist am Don­nerstag nicht beson­ders weiter gekommen im Bestreben um die end­gül­tigen Klä­rung der End­la­ger­frage. Aber man wollte den Bür­gern mehr Betei­li­gungs­mög­lich­keit ein­räumen. Die nächste große Runde folgt am 1. März.

Was bleibt: Gor­leben vom Tisch! Bau– und Erkun­dungs­stopp sofort. Sicher­heits­gut­achten stoppen!

“Dies ist geo­lo­gisch erfor­der­lich, poli­tisch not­wendig und recht­lich machbar”, sagte Greenpeace-​Atomexperte Tobias Riedl. Am Mitt­woch hatte die NGO ein Gut­achten ver­öf­fent­licht und dabei ein recht­lich nicht mehr anfecht­baren Aus­schluss Gor­le­bens belegt.

Endlager-​Suchgesetz: Erneuter Anlauf zum Scheitern

8. Februar 2012 – Als erneuten Anlauf zum Schei­tern haben Ver­treter von den Endlager-​Standorten ASSE II, Gor­leben, Schacht KONRAD und Mors­leben das Endlager-​Suchgesetz bezeichnet, das morgen zwi­schen Bund und Län­dern weiter ver­han­delt werden soll.

Trick­serei um Gor­leben geht in die nächste Runde

4. Februar 2012 – Nach einem Besuch des neuen nie­der­säch­si­schen Umwelt­mi­nister Birkner in Gor­leben geht die Trick­serei in die nächste Runde: noch bis Herbst solle wei­ter­ge­bohrt werden, dann bis 2020 ein Bau­stopp herr­schen um einen Ver­gleich mit wei­teren noch zu fin­denden Stand­orten zu ermög­li­chen. Atom­kraft­gegner sehen eine wei­tere Epi­sode von Heu­chelei und Tricks, mit­hilfe derer Gor­leben durch­ge­setzt werden soll.

Jetzt amt­lich: In Gor­leben wird gebaut

27. Dezember 2011 – Der Skandal um Gor­leben wird amt­lich. Bisher galt die Sprach­re­ge­lung, dass der Salz­stock Gor­leben auf seine Eig­nung als Atom­müll­end­lager “erkundet” wird. Für die Gorleben-​Gegner war das ein Eti­ket­ten­schwindel. “1,6 Mil­li­arden Euro sind in den Ausbau Gor­le­bens geflossen, eine Erkun­dung hin­gegen würde nach Angaben des Bun­des­amtes für Strah­len­schutz (BfS) mit rund 400 Mil­lionen Euro zu Buche schlagen”, unter­streicht die Bür­ger­in­itia­tive Umwelt­schutz Lüchow-​Dannenberg (BI).

      Neue Studie: Gor­leben kann kein End­lager werden

      13. Dezember 2011 – Bei einem ergeb­nis­of­fenen Stand­ort­ver­gleich käme der Salz­stock Gor­leben nach einer neuen Unter­su­chung als End­lager für hoch­ra­dio­ak­tive Abfälle nicht in die engere Aus­wahl. Der Salz­stock liege in einer aktiven Stö­rungs­zone, unter ihm befinden sich “poten­tiell gas­füh­rende Schichten”. Die Ergeb­nisse der Studie zeichnen einen wei­teren Mei­len­stein im Kampf gegen Gor­leben. Jede Wei­ter­er­kun­dung ist Geldverschwendung.

      End­la­ger­suche: Die Land­karte ist nur ohne Gor­leben “weiss”!

      11. November 2011 – Bun­des­um­welt­minster Nor­bert Röttgen und seine Lan­des­mi­nister wollen mit einer “weissen Land­karte” einen Neu­an­fang für das wei­tere Vor­gehen bei der Suche nach einem Atom­müll­end­lager. Atom­kraft­gegner for­dern einen sofor­tigen Bau­stopp in Gor­leben und die Absage des Cas­tor­trans­ports. Kurz­zeitig wurde heute mittag das Berg­werk blockiert.

      Quelle: con­trAtom

      Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von "con­trAtom" zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

      Quellen (Auszug): nwzon​line​.de, green​peace​.de, dpa, spiegel​.de, 11.02.2012

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