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Wir sind nicht tot!: “Deutschlandtrend” – 100% erstunken

Samstag, 04. Februar 2012-18:05 -|- Eingestellt von: |

Von Karl Weiss | Karl Weiss, Bür­ger­jour­na­lismus | - In regel­mäs­sigen Abständen ver­öf­fent­licht ‘das Erste’ den “Deutsch­land­trend“. Es wird ein Mei­nungs­for­schungs­in­stitut beauf­tragt, die Bevor­zu­gung, Zufrie­den­heit und Unzu­frie­den­heit der Wähler mit den Par­teien und Poli­ti­kern zu ergründen.

Die Ergeb­nisse sind schlicht und ein­fach erlogen oder jeden­falls bis zur Unkennt­lich­keit ent­stellt. Die neu­este Aus­gabe ist so lächer­lich, dass man sich fragt: Für wie dumm halten die uns?

Wie kann das sein? Die Union erhielte nach Angaben der Mei­nungs­lügner 36% der Stimmen der Deut­schen, wenn am Sonntag Wahlen wären. Das heisst, sie würde gegen­über den letzten Bun­des­tags­wahlen, als sie auf etwa 22% der Stimmen der wahl­be­rech­tigten Deut­schen kam, um 14% zulegen???

Wie kann das ein? Frau Merkel wird angeb­lich von 69% der Deut­schen als „gute Bun­des­kanz­lerin” bezeichnet. Dabei blieben bei den letzten Bun­des­tags­wahlen fast 40% zu Hause, wo sollen da 69% posi­tive herkommen?

Wie kann das sein? Wes­ter­welle habe angeb­lich die Zufrie­den­heit von 34% der Deut­schen, genau jener, der für den Absturz der FDP auf 3% haupt­ver­ant­wort­lich war, das ist doch wohl paradox!

Wie kann das sein? Die SPD käme angeb­lich auf 29%, die Grünen auf 15%. Das wäre fast eine Ver­dop­pe­lung der Zahlen in Pro­zent der Wahl­be­rech­tigten der letzten Bun­des­tags­wahlen, als die SPD bei 18% lag und die Grünen bei unter 10.

Wie kann das sein? Piraten und Linke lägen bei 6 und 7 %, das wären gewal­tige Zuwächse.

Wie kann das sein? Die Regie­rungs­ko­ali­tion wird angeb­lich mit einer Zufrie­den­heit von 42% gesehen, aber nach den eigenen Angaben käme sie nur auf 36 plus 3 = 39% der Stimmen. Bei der letzten Bun­des­tags­wahl, als sie „gewählt“ wurde, hatte sie nur etwa 30% der Stimmen der Wahlberechtigten.

Woher kommen diese Diskrepanzen?

Wie schon bei den letzten Wahlen, werden auch bei den nächsten um die 40% und mehr der wahl­be­rech­tigten Bun­des­bürger nicht zur Wahl gehen – Ten­denz steigend.

Da die Summe der Patrtei­prä­fe­renzen des „Deutsch­land­trends“ weit mehr als 60% ergeben, ist es klar: Man geht ein­fach davon aus: Wer nicht zur Wahl geht, ist tot und hat nicht das Recht, erwähnt zu werden.

Die rich­tigen Aus­sagen müssten also so lauten (wenn man sich über­haupt die Mühe gemacht hat, wirk­lich jemand zu befragen und nicht ein­fach die Zahlen aus der Luft gegriffen hat):

Union: Wenn am Sonntag Wahlen währen, würde sie 36% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 22% der Wahlberechtigten.

Regie­rungs­ko­ali­tion: Würde 39% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 23 % der Stimmen der Wahlberechtigten.

SPD: Würde 29% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 18% der Wahlberechtigten.

Grüne: Würden 15% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 9% der Wahlberechtigten.

Linke: Würde 7% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 4 bis 5 % der Wahlberechtigten.

Piraten: Würden 6% der abge­ge­benen Stimmen bekommen, also etwa 3 bis 4% der Wahlberechtigten.

Offenbar fragen die Mei­nungs­lügner die Befragten zuerst, ob sie zur Wahl gehen und werten dann nur die Stimmen aus, die „ja“ gesagt haben – falls sie über­haupt jemanden befragt haben..

Die kleine Neben­säch­lich­keit ist, man ver­gass zu erwähnen, das es sich nicht um „Deutsch­land­trend“ han­delt, son­dern um einen „Trend-​der-​zur-​Wahl-​gehenden“.

Weder in der Vor­stel­lung am Fern­sehen wurde diese „Neben­säch­lich­keit“ erwähnt noch in den Presse-​Verlautbarungen. Mit anderen Worten: Die „Mei­nungs­for­scher“ haben den Weg ent­deckt, mit dem sie die Mei­nung der Deut­schen schön­reden können, obwohl sie nur eine „Neben­säch­lich­keit“ unter­schlagen haben.

Was sie von sich geben, ist schlicht und ein­fach aus den Fin­gern gesogen, denn in Wirk­lich­keit braucht man sich ja nicht einmal die Mühe machen, wirk­lich jemanden zu fragen.

Wir Nicht­wähler pro­tes­tieren aufs schärfste dagegen, für tot erklärt zu werden!

Die „Mei­nungs­for­scher“ werden von nie­mand kon­trol­liert, ihre Methoden werden von Fach­leuten als extrem frag­würdig ein­ge­schätzt – um es vor­sichtig aus­zu­drü­cken. Von der „Mutter aller Mei­nungs­for­scher“, Frau Noelle-​Neumann, wurde berichtet, sie habe schon einmal Ergeb­nisse um bis zu 6% noch oben oder unten kor­ri­giert, wenn sie das „im Urin hatte“.

Wer ein Gedächtnis hat, erin­nert sich noch an die Bundestags-​Wahlen 2005: Noch eine Woche vor den Wahlen wurden der SPD (damals Regie­rungs– und Kanz­ler­partei) von den „Mei­nungs­for­schern“ zwi­schen 6 und 10% weniger Stimmen zuge­teilt, als sie dann wirk­lich erhielt.

Viele erin­nern sich noch an den absurden Auf­tritt des Wahl­ver­lie­rers Schröder an jenem Wahl­abend, der sich als Sieger feiern liess, weil er viel mehr Stimmen als vor­aus­ge­sagt bekam.

Die Mei­nungs­lügner ver­suchten sich damals her­aus­zu­reden, die Wähler hätten noch in der letzten Woche ihre Mei­nung geän­dert, aber in Wirk­lich­keit hatte sich gezeigt, wie wenig zuver­lässig deren Vor­aus­sagen sind.

Die „Mei­nungs­for­schung“ wird nicht mit wis­sen­schaft­li­chen Methoden betreiben, son­dern mit „Pi-mal-Daumen“-Methoden. Im Prinzip wäre es zwar mög­lich, wis­sen­schaft­liche Mei­nungs­for­schung zu betreiben, aber das würde richtig Geld kosten. Und da kann man denn eben auch keine Pro­pa­ganda für Frau Merkel machen. So bevor­zugen die Mäch­tigen und die Medien und die Mei­nungs­lügner selbst eben die jet­zigen Methoden.

Offenbar hat sich all dies aber noch nicht sehr her­um­ge­spro­chen. In „Tele­polis“ z.B. rea­gierte der Autor Flo­rian Rötzer, hier http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​5​1​349 , auf den neuen „Deutsch­land­trend“, als ob da auch nur ein Zip­fel­chen Wahr­heit dran wäre.

Wenn es nicht so traurig wäre, dass sie immer noch Men­schen täu­schen können, wäre es zum Totlachen.

Quelle: Karl Weiss, Bürgerjournalismus

Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung zur Wie­der­gabe hier auf Mein Politik­blog. Dankeschön!

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